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TSV 1860: „Jeder hat Angst, dass sein Geld weg ist“

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München - Natürlich macht auch er sich große Sorgen um seine Löwen. Karl Auer (63), Präsident des Vereins im Abstiegsjahr 2004 und den eineinhalb Spielzeiten danach, hat damals selbst erlebt, wie schwer es für den TSV 1860 ist, Unterstützung aus Politik und Wirtschaft zu erhalten. Trotzdem hat Auer neue Hoffnung, dass die Rettung gelingen könnte.

Mit dem aktuellen Präsidenten Dieter Schneider und Geschäftsführer Robert Schäfer tauscht er sich regelmäßig aus.

-Herr Auer, konnten Sie dem Verein mit Ihren Kontakten weiterhelfen?

Wir haben uns ein paarmal getroffen, ich habe ihnen meine Kontakte gegeben, die ich noch von früher hatte, aber es ist unwahrscheinlich schwer, Gelder loszueisen. Die Leute sind alle verunsichert. Herr Schäfer hat mit allen gesprochen, aber letztlich war keiner bereit, mit einem größeren Betrag einzuspringen.

-Woran liegt das Ihrer Ansicht nach? Viele behaupten, ein Herz für die Löwen zu haben, konkret helfen will aber keiner.

Die Hiobsbotschaften sind natürlich immer schlechter geworden. Jeder hat Angst, dass sein Geld weg ist, wenn er sich wirklich engagiert.

-Was macht dann jetzt noch Hoffnung?

Es ist nicht so, dass totale Tristesse herrscht. Sie haben schon noch drei, vier Optionen und sind überzeugt, dass sie den Karren noch mal rausziehen können.

-Was haben Sie gedacht, als Sie von dem geplatzten Modell mit den staatlichen Kreditinstituten und der Stadtsparkasse gehört haben?

Für mich ist es absolut unverständlich, dass es Banken gibt, die in Asien oder Amerika Milliarden verspielt haben, und dann einen Verein wie 1860 zu Grunde gehen lassen. Ich verstehe auch nicht, warum die Stadt die Tradition und das Potenzial des Vereins nicht anerkennt. Es waren ja auch schon mal mehr als 16 000 Zuschauer bei den Spielen. Da kommen dann Leute aus der Fremde, fahren Taxi, machen Brotzeit, lassen Geld beim Stadtbummel - es sind ja so viele, die indirekt von 1860 profitieren.

-Dass der Verein keine Lobby hat, ist nichts Neues. Wie haben Sie das erlebt, als Sie Präsident waren?

Ganz schwierig war das. Ich habe damals auch mit großen Unternehmen gesprochen, aber die haben alle gesagt: Wenn, dann wollen wir die Nummer 1, den FC Bayern.

„Alle Firmen mit Geld wollen die Bayern.“

-Trotzdem hört man immer wieder: Der Verein hat alles, was ihn für Investoren interessant macht. Tradition, den Löwen als Marke, treue Fans . . .

Ja, aber die Fanszene ist auch nicht unproblematisch. Da wird auch sehr viel Porzellan zerbrochen mit den vielen Negativschlagzeilen. Die einen schreien: Grünwalder Stadion! Die anderen schreien so, wieder andere so. Jeder meint, er muss seine eigenen Ideen verwirklichen. Das schreckt viele Investoren ab. Dazu kommt: Bis vor kurzem hieß der Geschäftsführer Niemann, davor Stoffers, jetzt ist wieder ein anderer da.

-Kommen seriöse Leute wie Schneider und Schäfer zu spät?

Ich hoffe nicht, aber generell müsste auch an der Struktur etwas geändert werden. Die Leute von Pro1860 hatten auf einmal viel Einfluss, und was hat’s gebracht? Die haben den von Linde durchgeboxt (Präsident 2007/08), den Wettberg (Lindes Vize) - und Ende. Bitter ist auch, dass der Ziffzer (damaliger Geschäftsführer) die Stadionanteile viel zu billig verkauft hat. Über manches kann man nur den Kopf schütteln. Unmöglich war auch, dass Uli Hoeneß (damals Manager, heute Präsident des FC Bayern) auf das Übelste beschimpft wurde. So was darf nicht passieren. Erst recht nicht, wenn ich jemanden noch brauche. Letztlich hab ich mich damals beim Hoeneß entschuldigt.

-Ist Hoeneß denn noch einer, der den Löwen jetzt helfen kann?

Er hat ja leider nicht mehr alleine das Sagen. Wenn’s nach ihm ginge, würde er die Löwen nicht im Stich lassen, auf ihn war immer Verlass. Man muss ja auch sehen, dass der FC Bayern viel Geld verliert, wenn 1860 in die Insolvenz geht. Im Streit mit Christian Ude (dem Oberbürgermeister) bin ich auch ganz klar auf dem Hoeneß seiner Seite. Ich hab schon ganz früh gewusst, dass es dem Ude um andere Dinge geht. Einfach nur traurig ist das, wenn eine Stadt einen Traditionsverein so hängen lässt. 1860 hat schließlich auch viel für die Jugend getan.

-Ist das für Sie vorstellbar, dass es wirklich so weit kommt und 1860 nächstes Jahr in der Bayern- oder Regionalliga antritt?

Wenn jetzt auf die Schnelle nichts passiert, bleibt ihnen ja gar nichts anderes übrig. Herr Schäfer hat ja klar geäußert, dass er sich nicht der Gefahr aussetzen darf, eine Insolvenz zu verschleppen. Sehr traurig wäre das, aber anscheinend geht es nur in München nicht, dass die Stadt mithilft. Schauen Sie nach Kaiserslautern - oder nach Schalke. Es gibt so viele Beispiele, wo die Stadt in der Not für die Vereine bürgt. Damals, als es um den Bau der Arena ging, hätten wir auch Geld gebraucht, aber auch damals hat uns die Landesbank vor den Kopf gestoßen. Obwohl die schwarze Politik dafür war. Da muss ich dem Hoeneß zu einhundert Prozent Recht geben.

„Auf Uli Hoeneß ist Verlass. Ude geht es um andere Dinge.“

-Einige Fans sehnen sich nach einer Insolvenz, um ganz neu anzufangen.

Ich hoffe und glaube, dass diese Fans enttäuscht werden. Ich habe schon noch Hoffnung, sehr große sogar. Ich denke, dass jetzt auch der Letzte kapiert hat, wo wir stehen. Wenn jetzt jemand gefunden wird, der das Ganze zu vernünftigen Konditionen finanziert, dann sehe ich mit dem eingeschlagenen Konzept und den runtergefahrenen Kosten eine hundertprozentige Überlebenschance.

-Die Frage ist aber auch: Welche Qualität hätte dieses Überleben?

Ich denke, man kann schon noch viel machen. Warum führt man nicht einfach eine Zehnjahreskarte ein? Da gibt’s genug betuchte Fans, die sich die leisten würden, auch für kleinere Firmen könnte das interessant sein. Wenn man die für 5000 Euro verkaufen würde, hätte man auf einen Schlag fünf Millionen Euro. Der Vorteil wäre: Dieses Geld stünde dem Verein als Eigenkapital zur Verfügung. Kredite dagegen kann man nicht bilanzieren.

-Was können Sie jetzt noch für Ihre Löwen tun?

Ich drücke die Daumen und hoffe, dass Schneider das durchsteht, auch gesundheitlich. Jeder Mensch hat eine andere körperliche Konstitution, aber ich hab es damals nicht durchgestanden. Hoffentlich hat er die Kraft. Es ist eh bewundernswert, was die beiden leisten, auch der Schäfer. Da sag’ ich nur: Hut ab!

Das Interview führte Uli Kellner

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