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Löwen-Legende Hofmann warnt: „Der Jahn kann Aufstiegsspiele“

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Von: Uli Kellner

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„Ein bayerisches Duell wäre an Dramatik nicht zu überbieten“: Hofmann, 44, Ex-Torwart von 1860 und Regensburg.
„Ein bayerisches Duell wäre an Dramatik nicht zu überbieten“: Hofmann, 44, Ex-Torwart von 1860 und Regensburg. © imago

München – Michael Hofmann erklärt den Höhenflug von Jahn Regensburg, bei deren letztem Aufstieg er als Aktiver dabei war und gegen den der TSV 1860 womöglich ran muss.

Es ist das Spiel, das schon jetzt zahlreiche Stammtische in Mittel- und Oberbayern beschäftigt – obwohl noch gar nicht gesichert ist, dass das Schicksal Jahn Regensburg und den TSV 1860 wirklich zu einem Relegations-Derby zusammenführen wird. Torhüter Michael Hofmann, 44, gilt bei beiden Klubs als Legende und mag noch gar nicht an die möglichen Duelle denken, die am 26. und 30. Mai für Auto- und Buskarawanen auf der A 93 sorgen würden. Momentan ist der Jahn Dritter der 3. Liga, Zweitligist 1860 ist durch die Heimpleite gegen Bochum (1:2) auf Relegationsplatz 16 gestürzt – und Hofmann, der Insider, kann sich vor Nachfragen aus beiden Städten kaum retten. „Die Leute rufen natürlich an und fragen: Hey, Michi, wie siehst du das?“, sagt er. Für unsere Zeitung erklärt Hofmann den Höhenflug der Oberpfälzer, bei deren letztem Aufstieg er als Aktiver dabei war – „am Sonntag war es auf den Tag genau fünf Jahre her“, wie der wandelnde Almanach hinzufügt.

Herr Hofmann, mit dem SV Pullach haben Sie am Samstag bei Jahn Regensburg II gewonnen, sind aktuell Tabellenführer der Bayernliga Süd. Hatten Sie überhaupt Zeit, in die Continental und in die Allianz Arena zu blicken, wo die Jahn- und 1860-Profis auf ein Relegationsderby „hinarbeiteten“?

Michael Hofmann: Natürlich waren wir sehr auf uns konzentriert, aber ich krieg schon alles mit. In der Halbzeitpause hab ich schon mal gefragt: Wie steht’s denn in der Continental Arena? Unser Spiel war ja nur zwei Kilometer entfernt. Und 1860 am Sonntag hab ich natürlich komplett live bei Sky verfolgt.

Überrascht es Sie, dass es aus Sicht der Löwen noch mal so eng wird mit dem Klassenerhalt?

Hofmann: Schon ein bisschen. Im März dachten fast alle, dass die sich von ganz hinten wegbewegen, aber dann läuft es wie so oft: Auf einmal punktet die Konkurrenz ohne Ende und dann nützt dir auch der zuletzt ansehnliche Fußball nichts. Leider hat die Mannschaft am Sonntag nicht mehr diese Dynamik versprüht wie noch in Lautern, gegen Braunschweig und in Dresden. Ein bisschen erinnert mich das an 2004, als es auch immer hieß: Wir haben ja noch genug machbare Heimspiele – und am Ende waren wir abgestiegen. Auf mich wirkte die Mannschaft am Sonntag gehemmt, um nicht zu sagen gelähmt. Es kam mir vor wie so’n Freundschaftskick – ohne Aggressivität, fast ohne Gelbe Karten. Man muss den Gegner ja nicht reihenweise umhauen, aber man kann schon erwarten, dass man so effektiv spielt, wie es letztes Jahr unter Daniel Bierofka gelungen ist. Die Wellentäler dieser Mannschaft sind einfach nur schwer zu verstehen.

Der Jahn dagegen überrascht positiv – obwohl er nach der Hinrunde als Aufsteiger nur Platz 11 belegt hatte. Haben Sie eine Erklärung für den erstaunlichen Höhenflug?

Hofmann: Erstaunlich ist es schon, denn gerade bei den ganzen Mannschaften aus dem Osten ist schon eine gewisse Finanzkraft vorhanden. Ob das jetzt Magdeburg ist, Chemnitz, Halle, Rostock oder Erfurt. Trotz allem, auch weil die Liga sehr ausgeglichen ist, ist keiner vorne wegmarschiert – und wenn du ein paar Spiele am Stück gewinnst, sind plötzlich Riesensprünge drin. So war das ja auch bei uns damals unter Markus Weinzierl. Dazu kommt: Die Region ist absolut fußballbegeistert, die Strukturen werden immer besser und es konnten viele junge, hungrige Spieler dazugewonnen werden.

„In Regensburg ist selten Unruhe“

Welchen Anteil an der Entwicklung hat Trainer Heiko Herrlich, der kurz vor Weihnachten 2015 beim Jahn eingestiegen ist und das Team nach dem Aus für Christian Brand zum Aufstieg führte?

Hofmann: Heiko Herrlich hat ja schon bei Bochum und in Unterhaching Erfahrung gesammelt. Er scheint alles im Griff zu haben. Sicher kommt ihm aber auch entgegen, dass in Regensburg selten Unruhe herrscht – von der Affäre um den Ex-OB und Aufsichtsrat Wolberg mal abgesehen.

Wie ist denn die Mannschaft des Jahn einzuschätzen?

Hofmann: Ein Plus war sicherlich, dass sich die Neuzugänge gut eingefunden haben – wie Marco Grüttner, den sie von Stuttgart losgeeist haben. Ein sehr guter Stoßstürmer ist das. Aber auch sonst haben sie erstklassige Leute im Kader. Gut kenne ich persönlich noch den Oliver Hain, der gerade verletzt ist. Das ist der Capitano, der Leader, der Gattuso von Regensburg. Schon als der 18 war, hatte ihm Markus Weinzierl das Vertrauen geschenkt. Auch der Torsteher ist ja kein Unbekannter bei 1860: Philipp Pentke – ein bisschen ein „Wuider“, aber schon zu Chemnitzer Zeiten hat der super Leistungen gebracht.

Pentke ist ja nicht der einzige Ex-Löwe im Kader. Markus Ziereis stürmt für den Jahn, im Mittelfeld zieht der Abräumer Andi Geipl die Fäden ...

Hofmann: Ja, und indirekt hat auch Innenverteidiger Sebastian Nachreiner einen Bezug zu 1860 – sein Vater hat einst für die Löwen gespielt, jetzt ist er auch Jurist. Ich weiß noch, wie sie damals alle studiert haben. Es sind beim Jahn generell viele Spieler mit IQ am Werk – so was tut dem Verein natürlich gut, wobei der Fußball auch nicht zu intellektuell werden darf, sondern einfach gehalten werden muss.

„61 Tore – aber auch 50 Gegentreffer“

Wo hat denn das aktuelle Team seine Stärken?

Hofmann: Sicherlich in der Offensive: 61 Tore muss man erst mal schießen. Auf der anderen haben sie 50 Gegentreffer kassiert – sicherlich ein paar zu viel, aber wenn es am Ende für 60 Punkte reicht, dürfte keiner damit ein Problem haben. Was man auch noch erwähnen sollte: Der Jahn kann Aufstiegsspiele! Nicht nur, dass wir es 2012 mit zwei Unentschieden geschafft haben – auch 2016 haben sie das in den K.o-Spielen zur 3. Liga gut hingekriegt – gegen die Wolfsburger Truppe von Valérien Ismael. Das war schon gigantisch. Aber erst mal müssen sie am Samstag die Aufgabe in Münster lösen. Mit einem Sieg sind sie sicher durch. Bei einem Remis müssen sie erst wieder nach Magdeburg schauen – die haben zwei Punkte weniger, aber ein Heimspiel gegen Lotte.

Sehen Sie im Regensburger Höhenflug Parallelen zum Durchmarsch der Würzburger Kickers, der erst jetzt jäh endet?

Hofmann: Das kann man schon gewisse Parallelen ziehen. Du hast in der 3. Liga immer mal ein Team drin, das als Überraschungsmannschaft durchgeht. Sind die 44 Punkte für den Nichtabstieg erst mal erreicht, spielen viele Aufsteiger befreit auf – und sind dann nur noch schwer aufzuhalten.

Welchen Eindruck haben Sie vom neuen Stadion, das vor zwei Jahren eröffnet wurde und 15.000 Zuschauer fasst?

Hofmann: Die Continental Arena ist genau so ein geiler Hexenkessel wie damals unser Stadion an der Prüfeninger Straße. Da kann der Jahn seine Underdog-Rolle so richtig ausleben.

Was wäre denn für 1860 der angenehmere Gegner: Regensburg oder Magdeburg?

Hofmann: Magdeburg ist eine Mannschaft, die einen höheren Etat hat, aber genauso unbequem zu spielen ist. Fußballbegeisterte Region, alte Ost-Tradition. Aber egal, gegen wen es geht: Es gibt in der Relegation keine Wunschgegner. Die Statistik zeigt ja auch, dass es in der Vergangenheit häufig die Zweitligisten erwischt hat – weil die Drittligisten positive Erlebnisse im Rücken haben und der ein oder andere wächst in diesen Duellen über sich hinaus. Bei uns war es damals Oliver Hain mit einem Tor des Jahres: Dropkick in den Winkel. Ein bayerisches Duell Jahn gegen 1860 wäre natürlich an Dramatik nicht zu überbieten.

Hand aufs Herz: Wem würden Sie im Fall der Fälle die Daumen drücken: Regensburg oder 1860?

Hofmann: Ich sag’s mal diplomatisch: Ich konzentriere mich auf Pullach. Am Samstag ist mein letztes Spiel, da kann ich meine Karriere mit der Bayernliga-Meisterschaft beenden.

Interview: Uli Kellner

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