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Investor Hasan Ismaik möchte das Präsidium um Dieter Schneider (r.) austauschen.

Löwen-Präsidium wird von Basis gewählt

50+1 – bald auch für Schneider

München – Wenn demnächst die neue, demokratischere Satzung bei 1860 in Kraft tritt, wird das nächste Löwen-Präsidium direkt von der Basis gewählt. Für Präsident Schneider könnte es dann eng werden.

Der Name Roman Beer, 32, steht bei 1860 für: Giesing, die alte Löwen-Heimat. Der Architekt und Buchautor („Kultstätte an der Grünwalder Straße“) ist aber auch ein Experte in Satzungsfragen – ein Thema, das traditionell für Verwirrung sorgt. Jetzt noch mehr, da die alte, von Ex-Präsident Karl-Heinz Wildmoser geprägte Satzung in Kürze durch ein neues, demokratischeres Paragraphenwerk ersetzt werden soll.

Die neue Satzung spielt insofern eine Rolle im aktuellen Führungsstreit, als Investor Hasan Ismaik die Mitglieder dazu aufruft, das Präsidium um Dieter Schneider im März auszutauschen. „Ich wünsche mir, dass die Fans eine neue Generation an die Macht wählen, die sich mehr auf den Sport konzentriert als auf politische Machtkämpfe“, sagte er (was nichts anderes als ein politischer Appell ist). Aber geht das so einfach? Nach alter Satzung wäre ein Wechsel nicht so leicht möglich, weiß Beer, der auch zweiter Vorsitzender der Fangruppierung Pro 1860 ist: „Wildmoser hatte ja eine Art doppelten Burggraben um den Präsidententhron gezogen, um seine Macht zu sichern.“

Beer ist zunächst mal überrascht, dass sich Ismaik so gut in Satzungsfragen auskennt, wo er schon Probleme hat, die einfache 50+1-Regelung zu verstehen. „Blödsinn“, lautet sein erster Reflex. Dann jedoch gibt er zu: Ja, Ismaik hat recht. Wenn Schneider, Franz Maget und Wolfgang Hauner nicht aufpassen, laufen sie tatsächlich Gefahr, vor Beginn einer zweiten Amtszeit abgewählt zu werden.

"Einer wie du und ich": Die wichtigsten Fakten zu Löwen-Investor Ismaik

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Vorher jedoch müsste einiges passieren. Sobald die neue Satzung den Segen der übergeordneten Institutionen (DFL, Finanzamt) hat, wird der Verein eine Außerordentliche Delegiertenversammlung einberufen. Auf der ist dann eine Dreiviertelmehrheit nötig, um die neue Satzung in Kraft zu setzen.

Früher haben die Delegierten einen Aufsichtsrat gewählt, der dann ein Präsidium bestellt hat. „Wie so vieles fand das in Hinterzimmern statt, in die man keinen Einblick hatte“, so Beer. Künftig läuft es so, dass der Aufsichtsrat bei einer Mitgliederversammlung Namen für das Präsidium vorschlägt – und die Mitglieder am selben Abend den Daumen heben oder senken. Um im Amt zu bleiben, muss Schneider also 50+1 Prozent der anwesenden Mitglieder überzeugen. Für seine Vizes gibt’s eigene Wahlgänge.

Geplant ist, dass die Versammlung, auf der sich die Delegierten selbst abschaffen, zeitnah stattfindet – die erste basisdemokratische Wahl könnte dann im März über die Bühne gehen. Was den Ausgang der P-Frage angeht, traut sich selbst Beer keine Prognose zu. Die Stimme des Skifahrers zählt dann so viel wie die des Nordkurvenfans. Fraktionszwang (Pro 1860, ARGE) war einmal. „Wenn Ismaik genug Leute mobilisiert, die sich lieber das Blaue vom Himmel versprechen lassen, als den Sparkurs mitzutragen, könnte es spannend werden“, vermutet Beer. Dass der neu gewählte Aufsichtsrat noch schnell nach alter Satzung ein Wunschpräsidium durchwinkt, um bis 2016 Fakten zu schaffen, ist laut dem Vorsitzenden Otto Steiner ausgeschlossen. „Das käme auch nicht gut an“, sagt Beer. Es läuft wohl auf einen Wahlkampf hinaus. Steiner gegen Schneider?

Uli Kellner

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