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Ott geht - Steinhöfer kommt

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Von: Uli Kellner

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Der nächste Junglöwe auf dem Sprung: Zum Leidwesen der Fans wird Ott seine Karriere aber woanders fortsetzen. © sampics / Stefan Matzke

München - U21-Torjäger Mike Ott wird nicht beim TSV 1860 verlängern. Er wechselt möglicherweise zum FCN. Coach Funkel tröstet sich unterdessen mit seinem Wunschprofi aus Sevilla.

Für den Nachmittag hatte Friedhelm Funkel einen Heimflug in den Westen gebucht, und eigentlich hatte sein letzter Arbeitstag vor dem freien Wochenende auch sonst ausgesprochen viel versprechend begonnen.

Eine Extrem-Sprinteinheit, die an frühere Qualen unter Werner Lorant erinnerte (80 Minuten), überstanden alle 1860-Profis unbeschadet, sogar der 35-jährige Rückkehrer Daniel Bierofka. Zuvor hatte der Trainer das Signal erhalten, dass dem Wechsel von Markus Steinhöfer (27) nichts mehr im Wege steht – sein Wunschspieler von Betis Sevilla soll schon am Montag mit ins Trainingslager nach Belek fliegen. Und für den Mittag war dann noch ein lange geplantes Gespräch mit Mike Ott angesetzt. Meldungen, wonach der hochbegabte U 21-Torjäger mit Nürnberg einig sei, verwies Funkel beim Schlendergang zur Kabine ins Reich der Fabel. „Das ist nicht wahr“, behauptete er.

Funkels Hoffnung, dem 18-Jährigen seine Wechselabsichten auszureden, war groß. Flausen eines Jungprofis, dachte er wohl, das übliche Gepoker der Berater – da hat der 60-Jährige schon härtere Nüsse geknackt. Denkste. Am Ende der Unterredung war dann doch Gewissheit, was lange Zeit kein Löwen-Funktionär wahrhaben haben. Ott hat sich im Heimaturlaub auf den Philippinen dazu durchgerungen, seine hoffnungsvolle Karriere bei einem anderen Verein fortzusetzen. „Mike braucht einen Tapetenwechsel“, stellte sein Berater Ali Bulut klar. „Er hat nicht das Gefühl, dass voll auf ihn gesetzt wird“, sagte er der AZ. Laut Bulut war Otts Sorge groß, weiterhin nur im Regionalligateam zum Einsatz zu kommen, für das er in 23 Saisonspielen elf Treffer erzielt hatte – bei sechs Assists.

Funkel quält die Löwen über 80 Minuten - Bilder

Florian Hinterberger klang gefasst, als er von dem geplatzten Einigungstermin berichtete. „Natürlich hätten wir ihn gerne gehalten“, sagte der Sportchef. „Aber was sollen wir machen? Du kannst U 19-Verträge nun mal nicht um sechs Jahre verlängern.“ Er erinnerte daran, dass Ott bereits als 16-Jähriger mit den Profis ins Trainingslager reisen durfte. Und von wegen, der Verein hätte mal wieder was verschlafen: Frühzeitige Angebote, über 2014 hinaus zu verlängern, seien bei der Partei Ott ins Leere gelaufen.

Hinterberger sieht es fatalistisch: „Das eine Talent geht – die nächsten stehen bereits in den Startlöchern.“ Explizit nennt er nicht nur Julian Weigl und Marius Wolf (beide 18), die mit ins Trainingslager fliegen sollen. Sondern auch die Juniorennationalspieler Angelo Mayer und Richard Neudecker (beide 17). Um seine These zu dokumentieren, dass Ott die Ausnahme und nicht die Regel ist, hat sich der Sportchef auch mit einer Zahl gewappnet. „Von allen Profiklubs“, sagte er, „haben wir die zweithöchste Quote an Nachwuchsspielern aus dem eigenen Verein.“ Und noch etwas war ihm wichtig: Die Gespräche mit den Otts seien „sehr anständig“ verlaufen. „Wir wünschen dem Mike auch viel Glück – wo auch immer er dann hinwechseln wird.“

Auch Funkel nahm die Absage professionell hin. „Wenn er geht, dann geht er“, sagte der Coach – wohlwissend, dass er in der Summe eine Option dazugewonnen hatte. Steinhöfer nimmt Otts Kaderplatz ein (Samstag Medizincheck). Der andere „Zugang“ heißt Bierofka. „Wenn er diese harte Einheit überstanden hat“, sagte Funkel, „dann bleibt er ganz sicher gesund."

Uli Kellner

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