Schmidt: "Ich bin von ihm begeistert!"

Yannick Stark: Der Löwen-Stratege

München - Yannick Stark hat das Zeug dazu, der beste 1860-Neuzugang der vergangenen Jahre zu werden – Coach Alexander Schmidt jedenfalls sagt: "Ich bin von ihm begeistert."

Es sind nicht zuletzt die kleinen, unscheinbaren Momente, in denen Yannick Stark seine große Klasse aufblitzen lässt. Beim 1:0 gegen den FC Ingolstadt 04 am vergangenen Sonntag ist Alexander Schmidt einmal mehr solch eine Aktion aufgefallen. Die Gäste waren im Begriff einen Konter zu starten, als Stark auf dem Flügel mit vollem Einsatz einem Gegenspieler nachstellte. „Yannick wollte unbedingt diese Flanke blocken; er wusste genau, dass es scheppern könnte, wenn der Ball in die Mitte kommt“, schilderte der 1860-Trainer die Szene. Stark löste den Zweikampf mit einer wuchtigen, präzisen Grätsche – Gefahr gebannt.

Für Schmidt ein weiterer Beleg für die enormen Qualitäten des 22-Jährigen: „Yannick kann ein Spiel sehr gut lesen. Er weiß, wann es gefährlich wird, wann er nach vorne umschalten muss, wann er einen sicheren Ball spielen oder das Spiel verlagern muss – er ist ein Stratege.“

Dabei ist Starks Hauptbetätigungsfeld nicht unbedingt das Terrain, auf dem die Schönheitspreise verliehen werden. Der gebürtige Darmstädter hält sich überwiegend vor der Abwehrreihe auf, in der Tiefe des Raumes also, dort wo es gilt, Störfaktor zu sein, Ballklau und Hindernis für den gegnerischen Kombinationsfluss. Zugleich agiert Stark als Dreh- und Angelpunkt des Münchner Spielaufbaus. „Ich bin auf dieser Position zuhause“, sagt Mann mit der wallenden Löwenmähne, „ich fühle mich wohl auf der Sechs.“

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Das war schon so, als er noch beim Ligakonkurrenten FSV Frankfurt spielte. In der vergangenen Saison wählte ihn das Fachmagazin „kicker“ zum besten defensiven Mittelfeldspieler der Zweiten Liga. Kein Wunder, dass auch einige Erstligisten an seinen Fähigkeiten interessiert waren. Stark entschied sich aber für die Offerte der Löwen: „Wenn ich in die Erste Liga gegangen wäre, hätte ich als Ersatzspieler hoffen müssen, dass sich zwei, drei Spieler verletzen.“ Beim TSV 1860 aber habe „die Perspektive gestimmt“, von Anfang an sei das Vertrauen der sportlichen Leitung zu spüren gewesen: „Ich wusste, dass ich hier Verantwortung übernehmen kann.“

Zum Wechsel nach München hatte ihm auch sein Vater Jürgen geraten. Dieser inspirierte seinen Filius schon von Kindesbeinen an. „Ich bin auf dem Sportplatz groß geworden“, erzählte Yannick Stark. Sein Papa („ein Fußballverrückter“) trainierte Nachwuchsteams in einem Provinzverein, der Junior war stets dabei. Auch die ersten Stadionbesuche bei Eintracht Frankfurt und SV Darmstadt 96 unternahm Yannick zusammen mit seinem Vater. „Er ist bis heute mein schärfster Kritiker“, sagte der Fußball-Profi. Volles Einvernehmen herrscht allerdings hinsichtlich der Vereinswahl: „Wir haben beide das Gefühl, mit 1860 die richtige Entscheidung getroffen zu haben.“

Tatsächlich lief es bislang nahezu optimal für den jungen Hessen in München. Schon nach vier Spieltagen zählt er zu den Führungsspielern; einiges spricht dafür, dass Stark der beste 1860-Neuzugang der letzten Jahre werden könnte. „Es war mein Anspruch, nach München zu kommen, um gleich Leistung abzurufen und in der Mannschaft anerkannt zu sein“, sagte Stark, den Trainer Schmidt auch sogleich in den Spielerrat beförderte: „Es tut einem gut, die Rückendeckung des Trainers zu spüren.“ Der 1860-Coach legte in dieser Hinsicht noch nach. Befragt, wie er denn die bisherigen Auftritte seines Wunschspielers gefunden hätte, meinte Schmidt dieser Tage: „Ich bin begeistert.“

Stark wies im Hinblick auf die positive Zwischenbilanz mehr auf das Teamwork hin. „Die Basis steht mit unserer Defensive. Das ist das A und O. Wir haben wenig zugelassen und wenig Gegentore bekommen.“ Nur drei Treffer kassierten die Sechziger in den ersten vier Spielen. Es war vor allem ihre Abwehrstärke, die den Münchnern zum dritten Tabellenplatz verhalf. Der Offensive fehlte dagegen noch der angestrebte Schwung. Was der Hesse indirekt bestätigte: „Im Spiel nach vorne werden wir uns weiter finden, wir arbeiten hart daran.“

Schließlich haben die Löwen ja Großes vor in dieser Saison. „Das Potenzial ist da“, sagte Stark zum erklärten Vereinsziel, dem Erstliga-Aufstieg: „Wir müssen jetzt halt noch mehr Konstanz in unsere Leistung reinbringen.“ Er selbst ist da bereits mit gutem Beispiel vorangegangen.

Armin Gibis

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