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1860-Boss Schneider: "Aygün kann Sportchef werden"

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Von: Armin Gibis

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Siegried Schneider, 1860 München
„Ich hoffe, dass der Knoten bald platzt“: Siegried Schneider. © sampics

München – 1860-Interimspräsident Siegfried Schneider äußert sich im Exklusiv-Interview zu einigen Personalien. Eine eigene Kandidatur schließt er definitiv aus, Sportchef Aygün attestiert er gute Arbeit.

Seit Juni bekleidet Siegfried Schneider eines der wohl schwierigsten Ämter, die der deutsche Fußball zu bieten hat: Der 59-Jährige ist Interims-Präsident des skandalanfälligen Zweitligisten TSV 1860. Auch wenn sich nach der Trennung von Ex-Sportchef Gerhard Poschner die internen Turbulenzen einigermaßen gelegt haben, ist Schneider – zumindest in sportlicher Hinsicht – noch nicht viel Freude beschieden gewesen. Die noch sieglosen Löwen sind Drittletzter. Unsere Zeitung unterhielt sich mit dem früheren Kultusminister und Leiter der Staatskanzlei über den Fehlstart der Sechziger, die Pläne mit Sportdirektor Necat Aygün und über die Bemühungen, einen neuen Präsidenten zu finden.

Siegfried Schneider, wenn Sie sich derzeit die Tabelle der Zweiten Fußball-Bundesliga anschauen, was geht Ihnen da durch den Kopf?

Schneider: Die Tabelle entspricht nicht dem, was die Mannschaft letztlich leistet. Was uns fehlt, sind die Tore. Ich hoffe, dass bei Sechzig der Knoten schnell platzt.

Die Löwen sind nach fünf Spieltagen Drittletzter – so wie am Ende der letzten Zittersaison. Wie sehr beunruhigt Sie das?

Schneider: Man muss jetzt Ruhe bewahren und der Mannschaft Zeit geben. Wenn ein Erfolgserlebnis da ist, kann es auch ganz schnell wieder aufwärts gehen. Anderseits darf man sich nicht in Selbstsicherheit wiegen – so ungefähr nach dem Motto: Man hat jetzt noch ganz viel Zeit, es ist noch nicht viel passiert. Die Mannschaft muss mit höchster Akribie weiterarbeiten und alles dafür tun, dass in den nächsten Spielen die überfälligen Punkte eingefahren werden.

Die sportliche Verantwortung trägt Torsten Fröhling. Sein Vertrag als Cheftrainer wurde erst kurz vor Saisonauftakt verlängert. Wie bewerten Sie seine bisherige Arbeit?

Schneider: Wenn man das Auftreten der Mannschaft mit dem der letzten Saison vergleicht, kann man sicher sagen, dass ein hohes Maß an Kameradschaft und Teamgeist eingekehrt sind, offensichtlich sind auch die spielerischen Elemente, Pressing, Laufbereitschaft. Was fehlt, ist die Chancenverwertung. Trainer Fröhling wird sicher wie viele auch fiebern, dass endlich nicht mehr der Pfosten im Weg steht, sondern der Ball ins Netz geht.

Eine noch nicht ganz abgeschlossene Personalie ist jene von Necat Aygün, der nach der Kapitulation von Gerhard Poschner als Sportchef eingesprungen ist. Wie fällt das erste Zwischenzeugnis aus?

Schneider: Necat hat die Aufgaben, die ihm gestellt waren, zu unserer großen Zufriedenheit erledigt. Die Situation war sicher für ihn nicht einfach. Er konnte mit Michael Liendl und Stefan Mugosa zwei Transfers verwirklichen, über die wir uns sehr freuen. Und wir sind auch überzeugt davon, dass die beiden die Mannschaft verstärken. Es müssen in nächster Zeit sicher Gespräche mit Necat geführt werden, er braucht schließlich auch ein höheres Maß an Sicherheit.

Mit anderen Worten, Necat Aygün hat gute Chancen, vom Interims-Sportchef zum Sportchef befördert zu werden?

Schneider: Da möchte ich klarstellen: Wir haben Necat ja nicht als Interims-Sportchef betrachtet, sondern als „Sportchef bis auf Weiteres“.

Was bedeutet das?

Schneider: Das intendiert, dass er Sportchef werden kann. Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal betonen: Necat macht seine Arbeit zu unserer großen Zufriedenheit. Und er hat Anspruch darauf, dass wir Gespräche mit ihm über seine Zukunft führen.

Apropos Sportchef. Ist der Name Felix Magath immer noch im Spiel?

Schneider: Es sind derzeit überhaupt keine Namen im Spiel – auch nicht der von Magath. Aber Gespräche dienen ja auch dazu, dass man sich zum Beispiel anhört, wie sich Necat weiterentwickeln will. Alles weitere regeln dann die beiden Geschäftsführer, die sich mit ihm zusammensetzen werden.

Wie sieht es denn in Ihrem Fall aus? Sie haben sich als Interims-Präsident eines nicht ganz einfachen Vereins gut eingearbeitet. Schließen Sie es immer noch aus, sich zum Präsidenten wählen zu lassen?

Schneider: Ich habe das von Anfang an deutlich gemacht, dass ich das nur für eine Zwischenzeit mache – also interimsmäßig bis zur nächsten außerordentlichen Mitgliederversammlung, die in diesem Herbst stattfinden wird. Und bei dieser Gelegenheit wird auch ein neuer Präsident gewählt.

Ihr „Nein“ zu einer eventuellen Kandidatur ist also Ihr letztes Wort?

Schneider: Das war mein erstes und ist auch mein letztes Wort.

Es war ja bei der Mitgliederversammlung im Juli von einer zeitnahen Besetzung des Präsidentenpostens die Rede gewesen. Bisher war von einem genauen Termin noch nichts zu hören ...

Schneider: Der September war dafür schon wegen der Urlaubszeit aussichtslos. Nun ist Oktober angepeilt. Ich muss mich aber noch mit dem Verwaltungsrat besprechen, ob dieser Termin zu halten ist. Oder ob man vielleicht noch um ein paar Wochen verlängern muss.

Zeichnet sich denn schon eine Lösung ab, bietet sich ein geeigneter Kandidat an?

Schneider: Da müssen Sie den Verwaltungsrat fragen. Ich weiß nur, dass Gespräche stattfinden und bereits stattgefunden haben. Das braucht halt seine Zeit. Es muss ja auch passen im Gesamtbereich Präsidium.

Haben Sie als Interims-Präsident wirklich noch nichts läuten gehört, wer Ihr Nachfolger werden könnte?

Schneider: Selbst wenn ich etwas läuten gehört hätte, würde ich es nicht sagen. Denn es ist laut Satzung ureigenste Aufgabe des Verwaltungsrats, sich darum zu kümmern.

Zurück zum Fußball, am Sonntag spielen die Löwen beim Tabellenletzten Fortuna Düsseldorf. Erwarten Sie den ersten Saisonsieg?

Schneider: Wir müssen punkten. Am besten wäre ein Dreier.

Das Interview führte Armin Gibis

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