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Mayrhofer bestätigt Ausschluss-Verfahren gegen Kirmaier

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Am Ende wehte ein Hauch von Königlich Bayerischem Amtsgericht durch den Sitzungssaal 104 des Münchner Justizpalastes, als es um die Frage ging, ob das Präsidium TSV 1860 seine Installierung einer ungültigen Wahl verdankt. © M.i.S

München -  Am Ende wehte ein Hauch von Königlich Bayerischem Amtsgericht durch den Sitzungssaal 104 des Münchner Justizpalastes, als es um die Frage ging, ob das Präsidium TSV 1860 seine Installierung einer ungültigen Wahl verdankt.

Die gesamte 1860-Führungsriege hatte ihre Aufwartung gemacht, und zwischendurch schienen sich die Mienen von Präsident Gerhard Mayrhofer sowie seiner Vizes Peter Helfer, Heinz Schmidt und Erik Altmann deutlich zu verfinstern. Zumal der Kläger Helmut Kirmaier zunächst alles andere als kompromissbereit zeigte und Richterin Christina Weitnauer überzeugend darlegte, dass sich der Verein gravierende Verstöße gegen die Satzung geleistet hatte. Das sah zwischenzeitlich nicht gut aus für 1860. Letztlich aber drängte sich der Eindruck auf, dass der Rechtsstreit in eine für alle Beteiligten schmerzfreie, versöhnliche Lösung münden wird.

Zu einem greifbaren Ergebnis war es zwar am Freitag nicht gekommen. Die beiden Parteien einigten sich aber nach zwei Stunden darauf, die Verhandlung am 6. Juni fortzusetzen. Heinz Veauthier, Rechtsanwalt des 1860-Mitglieds Kirmaier, wertete dies als ein positives Signal: „Ziel ist eine fertige Einigung zu liefern.“

Zunächst hatte es am Freitag nicht nach einem solchen Arrangement ausgesehen. Vielmehr übte Richterin Christina Weitnauer mit ihren juristischen Ausführungen im ersten Teil der Verhandlung eine Art verschärftes Pressing auf die 1860-Vereinsführung aus. Der Juristin zufolge ist das Präsidium um Hep Monatzeder, das zur Delegiertenversammlung am 25. April 2013 geladen hatte, zwar „bestellt“ aber „nicht gewählt“ worden. Ein satzungsrechtlich gesehen fundamentaler Unterschied. Die Einberufung der Versammlung sei damit „nicht wirksam“ gewesen. Erschwerend kam hinzu, dass Monatzeder als Präsidentschaftskandidat mit 130:66 Stimmen abgelehnt wurde. Die Folge: „Die Delegierten konnten keine Beschlüsse treffen.“ Somit war auch die mit großer Mehrheit vorgenommene Satzungsänderung und damit die Einführung einer wahlberechtigten Mitgliederversammlung ungültig. Kirmaier sah sich in den Beweggründen seines gerichtlichen Vorstoßes bestätigt: „Wenn es eine Satzung gibt, dann soll sich der Verein auch daran halten.“

Somit stand die Mitgliederversammlung vom 14. Juli 2013 unter einem sehr unglücklichen Stern. Zwar wurde Mayrhofer mit über 95 Prozent der Stimmen ins höchste Vereinsamt gehievt. Da aber die neue Satzung nicht rechtskräftig war, hätte er von den Mitgliedern überhaupt nicht gewählt werden dürfen, sondern nur von Delegierten. Weitnauer beschreibt die Umstände des 14. Juli 2013 so: „Es versteht sich von selbst, dass die Wahl komplett konträr zur gültigen Satzung abgelaufen ist.“ Mit anderen Worten: Kirmaiers Klage ist absolut stichfest.

Die juristische Sachlage schien also sonnenklar zu sein. Doch nun war es Weitnauer, die in der Verhandlungsführung das Steuer herumriss. Ein Grundsatz, so wandte sie ein, laute: „Man darf das Recht nicht zu Tode reiten.“ Womit Weitnauer um eine „gütliche Einigung“ warb. Schließlich hätte sich am 14. Juli 2013 „ein überwältigender Wille“ der Mitglieder pro Mayrhofer artikuliert. Auch gab die Richterin zu bedenken: „Es ist ein gewaltiges Unterfangen, wenn man sich als Einzelner gegen die überwältigende Mehrheit der Anderen stellt.“ Sie habe selbst 1860-Fans in ihrer Familie, so Weitnauer, „und ich weiß, dass da Herzblut fließt. Aber irgendwann muss es gut sein, und wir müssen die Kuh vom Eis bringen.“

Anwalt Veauthier zeigte sich zunächst unbeeindruckt: „Eine gütliche Einigung kommt nicht in Betracht.“ Weitnauer sah sich daraufhin zu einem weiteren Appell in Richtung Kirmaier veranlasst: „Sie sollten sich genau überlegen, ob sie einen Rattenschwanz an Konsequenzen heraufbeschwören wollen.“ In die gleiche Kerbe hieb sogleich Guido Kambli, Rechtsvertreter des TSV 1860: „Der Verein befindet sich in Aufbruchstimmung und steht so gut da wie schon lange nicht mehr. Und nun wird alles untergraben. Die Folgen sind unabsehbar. Der ganze Verein könnten in einen Strudel nach unten kommen.“

Dass die Sechziger allmählich etwas nervös wurden, offenbarte auch ein kurzer Disput zwischen Präsident Mayrhofer und Anwalt Veauthier. Nachdem der Münchner Jurist angemerkt hatte, Mayrhofer sei bei der Mitgliederversammlung „an die Macht gepuscht worden“, reagierte der Ober-Löwe hörbar grimmig. „Eine Unverschämtheit, was Sie da sagen!“, rief er. Auch bestätigte der Klubchef das gegen 1860-Mitglied Kirmaier laufende Vereinsausschluss-Verfahren: „Wir sind alle der Meinung, dass Sie nicht in den Verein gehören.“ Kirmaier wiederum erklärte: „Die begehen die Sünden und ich soll dafür büßen.“

Das alles schien nicht gerade auf eine Annäherung hinauszulaufen. Nach einer Verhandlungspause, in der Mayrhofer und Kirmaier im Gang hitzige Zwiesprache hielten, legten sich aber urplötzlich die Wogen, kehrte unverhofft bayerischer Pragmatismus ein. Von beiden Seiten wurde die Bereitschaft beteuert, bis zum neuen Verhandlungstermin die Möglichkeiten für eine Einigung zu sondieren. Die Rücknahme des Vereinsausschlusses, so Veauthier reiche dabei „bei weitem nicht“. Er rechne unter anderem mit einer Ehrenerklärung des Vereins. „Wir brauchen eine goldene Brücke“, so der Anwalt. Wie diese genau aussehen soll, ließ er aber offen. Eines sei aber für die Rücknahme der Klage unabdingbar: „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Herr Kirmaier verloren hat.“ Rein juristisch gesehen kann er sich ja als Sieger fühlen.

Armin Gibis

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