Was nun? Konrad Oldhafer hätte sich einen Videoassistenten gewünscht, als er dem 2:1 von Hansa die Anerkennung verweigerte.
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Was nun? Konrad Oldhafer hätte sich einen Videoassistenten gewünscht, als er dem 2:1 von Hansa die Anerkennung verweigerte.

Handspiel? Ball hinter der Linie? Die 74. Minute hatte es in sich...

Hart erkämpfter Glückspunkt

  • Uli Kellner
    vonUli Kellner
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1860 übersteht Intensivfight in Rostock unbeschadet und bleibt Tabellenführer. Am Mittwoch steht das Topspiel gegen Aufsteiger Saarbrücken an, fünf Tage später geht es nach Unterhaching.

Rostock/München – Handspiel im Strafraum? Ball vor oder hinter der Torlinie? Es lief die 74. Minute, als auf Konrad Oldhafer seine schwerste Prüfung zukam – eine, die auch mithilfe der TV-Bilder kaum aufzulösen war. Beim Stand von 1:1 hatten bereits alle Rostocker die Arme hochgerissen, den leidenschaftlich kämpfenden Löwen drohte der Ertrag ihres Tagwerks zu entgleiten, und wohl keiner der 7500 im Ostseestadion wollte nun mit dem 25-jährigen Referee aus Poppenbüttel tauschen. Oldhafer unterbrach das Spiel für Minuten, lief ratlos zu seinem ersten Assistenten, dann hilflos zu seinem weiter hinten postierten Kollegen. Ergebnis nach einer gefühlten Ewigkeit: kein Tor. Es fiel auch keines mehr, nachdem die Löwen ab der 84. Minute ein Mann weniger waren (Steinhart sah Gelb-Rot), womit feststand: Auch das Glück hat sich inzwischen auf die Seiten des TSV 1860 geschlagen.

Für Michael Köllner spielte es am Ende keine Rolle, ob Stephan Salger in der fraglichen Szene am Boden liegend den Ball mit der Hand abgebremst hatte und von wo genau Dennis Dressel die Kugel von der Linie geschlagen hatte. Für den 1860-Coach überwog die Erkenntnis, dass sich die Seinen mal wieder äußerst wehrhaft präsentiert hatten – „in einem Fight über 90 Minuten“. Und das Beste: Die Löwen bleiben unbesiegt, konnten ihre Tabellenführung behaupten und gehen gestärkt in die Englische Woche, in der sie am Mittwoch im Topspiel gegen Aufsteiger Saarbrücken (19 Uhr) und am Montag darauf beim Lokalrivalen Unterhaching erneut stark gefordert sein werden.

Köllners Fazit nach dem Kampfspiel von Rostock: „Die ersten 20 Minuten waren das Beste, was wir in dieser Saison gespielt haben: sehr gut, sehr kontrolliert.“ Durch Dennis Erdmann, kurz zuvor für den am Oberschenkel verletzten Daniel Wein ins Spiel gekommen, war sein Team sogar in Führung gegangen (Kopfball nach Neudecker-Ecke). Die Rostocker hätten sich danach „ins Spiel reingebissen“. Der Lohn war das 1:1 durch den vor dem Strafraum frei zum Schuss gekommenen Bentley Bexter Bahn. Der Rest war der von Köllner beschriebene Intensiv-Fight. „Wir haben uns mit allen Mitteln gewehrt und als Mannschaft super verteidigt“, sagte der 1860-Coach zufrieden. Auf die umstrittenen Szenen ging er nicht näher ein, er sagte nur allgemein: „Bei beiden Mannschaften hat man gesehen, dass sie ihr Handwerk im Zweikampf verstehen, in einem robusten Spiel. Der Schiedsrichter hat alle Hände voll zu tun gehabt.“

Den letzten Zweikampf des Nachmittags suchte allerdings Köllner selbst, als er nach dem Schlusspfiff auf Hansa-Sportvorstand Martin Pieckenhagen zuging – und sich nach einem Verbalgefecht aus der Umklammerung des Rostockers reißen musste. Was war da los? „Ich habe mich nur bedankt bei ihm“, sagte der 1860-Coach voller Sarkasmus: „Wir wollten fünf Fahrräder haben – zum Ausradeln, weil wir eine Englische Woche haben.“ Diese habe Pieckenhagen den Löwen verwehrt, obwohl die Rostocker laut Köllner „40 Räder“ bei sich rumstehen haben: „Das finde ich sportlich nicht fair.“ Umso süßer schmeckte der glückliche Punkt, den die Löwen am Ende mit nach Hause nahmen.

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