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„Abstiegskampf, sonst nichts“

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Jetzt zählt wieder jeder Punkt für den Klassenerhalt: Harter Alltag für Benny Lauth & Co. © sampics

München – Am Tag danach hatte der Frust das Trainingsgelände des TSV 1860 noch voll im Griff. Mit hängenden Köpfen schlichen die Löwenprofis vom Platz – die Gedanken noch bei Radhouene Felhis elfmeterreifem Klammergriff, der Tags zuvor aus einer bis dahin zumindest ordentlichen Dienstreise nach Cottbus den nächsten Fehlgriff machte.

„So etwas passt momentan einfach ins Bild“, murrte Benny Lauth, „wir verlieren nicht etwa wegen eines Wahnsinns-Spielzugs der Cottbusser, sondern wegen so einem Fehler.“

Und Lauth wusste nur zu gut, welche Schlüsse aus der siebten Saisonniederlage zu ziehen waren. „Jeder hat jetzt die dringende Aufgabe, sich klar zu machen, worum es für uns wirklich geht“, betonte der Löwen-Kapitän, „nämlich gegen den Abstieg – sonst gar nichts.“ Schon vor dem DFB-Pokalspiel in der vergangenen Woche gegen den FC Schalke 04 (0:3) habe sich die Mannschaft zusammengesetzt und hinter den Kulissen die Situation debattiert. „Da sind schon einige Dinge auf den Tisch gekommen“, betonte Lauth, „es muss ja nicht in der Zeitung stehen, um Wirkung zu haben.“

Pleite in Cottbus: Spielszenen und Einzelkritik der Löwen

Aber reichen offene Worte, um das schwankende Löwen-Schiff wieder in ruhigere Gewässer zu bringen? In den Fanlagern scheint man dies zumindest teilweise anders zu sehen. Die öffentliche Kritik an Trainer Ewald Lienen wächst. Die anhaltende Personalrotation, die wechselnde Taktik – Ansatzpunkte gegen den Coach, der gestern statt am Traininsgelände bei der Trainertagung in Frankfurt weilte, gibt es einige. Beim TSV 1860 lässt man sich vom wachsenden Unmut indes noch nicht beirren. Sportdirektor Miki Stevic erneuerte auch nach der Pleite in Cottbus seinen Treueschwur für Lienen („Wir haben kein Trainerproblem“).

Und auch Lauth, der wie die meisten Kollegen zur Schweinegrippe-Impfung bei Klubarzt Willi Widenmayer antrat, stärkte dem Trainer – zumindest zaghaft – den Rücken: „Ich denke, das Spiel in Cottbus hat gezeigt, dass uns der Trainer noch erreicht: Das Auftreten war ok, die Einstellung hat gestimmt.“ Was der Mannschaft fehle, sei vor allem ein Erfolgserlebnis zur Seelenmassage. Schon ein durchaus „mögliches Unentschieden in Cottbus wäre da ein gewisser Schritt nach vorne gewesen“.

Es sollte nicht sein. Weil die Löwen zwar zur Abwechslung defensiv gut standen – im Spiel nach vorne allerdings die bekannten Schwächen an den Tag legten. Nicht einen Schuss aufs Tor hatten die Statistiker am Ende registriert. Was einmal mehr fehlte, waren kreative Ideen und Impulse aus dem Mittelfeld.

Ein Umstand, den so mancher mit dem verletzungsbedingten Fehlen von Alexander Ludwig erklären mag. Der frühere St. Paulianer allerdings war bislang mehr Missverständnis als Hoffnungsträger in Lienens System. Als Spielmacher eingekauft, spielte er mal auf der ungeliebten linken Seite, mal als hängende Spitze, mal im defensiven Mittelfeld – von kreativen Ideen war im gerade abgelaufenen ersten Saisondrittel noch nicht allzu viel zu sehen.

Dabei würde gerade Kapitän Benny Lauth so händeringend auf Ludwigs Pässe warten. „Ich bin sicher ein Spielertyp, der normalerweise auf gute Zuspiele angewiesen ist“, sagte er, „doch es hilft ja nichts, ich muss versuchen, mir die Chancen selbst zu erarbeiten“. Und am Besten auch zu nutzen – damit der Frust nicht endgültig vom Trainingsgelände des TSV 1860 Besitz ergreift.

Patrick Reichelt

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