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Alexander Ludwig: „Ich bin noch nicht angekommen“

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Helfer in der Not: Ludwig hat von Löwen-Trainer Lienen eine Stammplatzgarantie erhalten – zumindest für das Spiel am Sonntag bei seinem Ex-Verein St. Pauli. © sampics

München – St. Pauli am Sonntag, das wird sein Spiel. Am Millerntor hatte der einst als Supertalent gehandelte Alexander Ludwig seine erfolgreichste Zeit als Profi: 57 Zweitligaspiele, 12 Tore, 15 Assists – für einen offensiven Mittelfeldspieler sehr ordentlich.

Obwohl sich der Thüringer auch abseits des Platzes in Hamburg wohl fühlte, wechselte er im Sommer ablösefrei zu den Löwen. Wir sprachen mit dem 25-Jährigen, den Trainer Ewald Lienen nach dem schwachen Start zum Hoffnungsträger erklärt hat.

-Alexander Ludwig, bei einem PR-Termin haben Sie ein Fass Bier mit zwei Schlägen angezapft. Das schafft nicht mal jeder Bayer. Auf dem Fußballplatz dagegen sind Sie noch nicht so richtig in München angekommen. Warum?

Gute Frage. Vielleicht weil’s allgemein noch nicht so rund läuft bei uns. Aber ich bin auch noch nicht so zu meiner Form gekommen. Es ist richtig, dass ich noch nicht angekommen bin in München.

-Der Versuch des Trainers, Sie links im Mittelfeld spielen zu lassen, war von wenig Erfolg gekrönt, das hat auch Ihre Körpersprache ausgedrückt. Sehen Sie sich ausschließlich als Spielgestalter in der Mitte?

Die letzten zwei Jahre hab ich hängende Spitze gespielt, das liegt mir doch eher als auf der linken Seite. Im Moment spielen wir allgemein keinen guten Fußball, da ist bei uns mehr Verteidigen angesagt. Dadurch kommt man selten vors Tor, und deshalb konnte ich meine Stärken auch noch nicht so ausspielen.

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-Aber der Eindruck trügt nicht, dass Sie sich links nicht wohlfühlen?

Nein, der trügt nicht.

-In Lienens Wunschsystem 4-2-2-2 existiert Ihre Traumrolle nicht. Ein Missverständnis? Haben Sie sich vor Ihrem Wechsel nicht genug mit dem Trainer besprochen und informiert?

Doch, doch. Wir haben lang und breit darüber diskutiert und gesprochen, wie er spielen möchte, das hat alles gepasst. Sonst wäre ich ja kaum hergekommen, wenn er zu mir gesagt hätte, dass ich linkes Mittelfeld spielen soll. Aber: Er ist der Trainer, er entscheidet, wie er spielen will, und als Spieler musst du dich danach richten.

-Was hat der Trainer Ihnen konkret in Aussicht gestellt?

Dass ich hier die Rolle spielen soll, die ich auch bei St. Pauli gespielt habe. Quasi in einer Raute oder als einer von drei Offensiven hinter einer Spitze.

-Für ein paar Spiele hat Lienen ja auch auf 4-2-3-1 umgestellt – mit Ihnen als hängender Spitze. Können Sie nachvollziehen, dass er Sie nach einem schlechten Spiel in Aachen sofort wieder aus der Mannschaft genommen hat? Fehlt Ihnen der Kredit?

Schwer zu sagen. Wenn er der Meinung ist, dass er anders spielen will, dann muss ich mich damit abfinden und weiter versuchen, Gas zu geben und ihn zu überzeugen. Mehr kann ich nicht tun.

-Zu Ihrer Beruhigung: Lienen hat am Montag gesagt, dass Sie jetzt einer der ersten Kandidaten seien, um Schwung ins Mittelfeld zu bringen. „Ludwig muss uns jetzt helfen“, so der Originalton, „egal auf welcher Position.“ Hört sich wie eine Stammplatzgarantie für Sonntag an.

(lacht) Da bin ich mal gespannt. Da nagel’ ich Sie jetzt drauf fest! Ihr Wort in Gottes Ohr . . .

-Sie hauen gerne mal einen lockeren Spruch raus, gelten als lebenslustiger Typ, der auch mal um die Häuser zieht, aber kein Trainingsweltmeister ist. Prallen da zwei Welten aufeinander mit Ihnen und dem sehr auf Seriosität bedachten Trainer Lienen?

Ein bisschen Spaß gehört halt dazu. Ich hab das immer so gehalten und bin bisher noch mit jedem Trainer klargekommen. Mit mir kann man auch vernünftige, sachliche Gespräche führen, aber eine gewisse Lockerheit muss dabei sein. Wenn ich keinen Spaß habe, spiele ich auch keinen guten Fußball.

-Ist der Spaß bei den Löwen in letzter Zeit zu kurz gekommen?

Die Situation hat halt wenig Anlass gegeben. Acht Punkte aus sieben Spielen, das ist nicht gerade die Welt. Trotzdem versuche ich, das Ganze nicht so ernst zu sehen, dass man total verkrampft.

-Das Saisonziel ist klar definiert, der Verein will und muss aufsteigen. Was macht Ihnen bei sieben Punkten Rückstand auf Platz 3 Hoffnung, dass das noch klappen könnte?

Die Hoffnung sollte man nie aufgeben. Und man sieht ja: Die Zweite Liga ist unberechenbar. Das Ziel heißt: Konstanz reinbringen. Dann bist du schneller wieder oben, als du gucken kannst. Wenn du das schaffst, dann kriegst du auch mal einen Lauf, dann geht das ratzfatz. Aber bis dahin ist Malochen angesagt.

-Ist das Spiel bei Ihrem Ex-Verein St. Pauli schon so etwas wie die letzte Chance, den schnellen Kontakt nach oben herzustellen?

Wir sollten da auf jeden Fall was holen. Wobei das nicht einfach wird, denn St. Pauli ist eine sehr heimstarke Mannschaft. Trotzdem freue ich mich auf das Spiel. Umso mehr, nachdem Sie gesagt haben, dass ich spiele (lacht).

-Warum sind Sie eigentlich gewechselt, wo man Sie doch in Hamburg fast kultisch verehrt hat?

Das war die neue Herausforderung. Ich hatte zwei super Jahre bei St. Pauli, aber man hat mir nicht unbedingt das Gefühl gegeben, dass man mit mir verlängern will. Das heißt: Der Trainer wollte unbedingt, dass ich bleibe, mit Holger Stanislawski war’s eh super. Aber es spielen halt auch andere Dinge eine Rolle. Bei 1860 war das anders: Die haben sich richtig bemüht. Ich hatte den Eindruck, dass sie mich unbedingt wollen.

-Über die Gründe für Ihren Wechsel hat sich auch Bela B. Gedanken gemacht. Kennen Sie den?

Das ist doch ein Musiker. Von den Ärzten, oder?

-Richtig, der Schlagzeuger. In einem Interview hat der über Sie gesagt: „Der Ludwig ist ein ganz guter Fußballer, aber auch ein typischer Legionär. Wir haben immer gewusst: Wenn einer mit Geld kommt, ist er der Erste, der weg ist.“

Das hat er gesagt? Na gut. Er hat selber Fußball gespielt und sollte wissen, wie das läuft. So was sagt sich immer leicht. Ich bin damals zu St. Pauli gegangen, obwohl mir Erzgebirge Aue einen fünfstelligen Betrag mehr geboten hatte. Der soll mich anrufen, dann erkläre ich ihm das.

-Mit was für einem Empfang rechnen Sie am Sonntag am Millerntor?

Da bin ich selber gespannt. Wenn die Fans so denken wie Bela B., dann werde ich bestimmt ausgepfiffen. Ich rechne mal lieber mit allem.

-Auf welches Lied in Ihrem alten Stadion freuen Sie sich am meisten, „Hells Bells“ von AC/DC oder „Song 2“ von Blur?

„Song 2“ würde ich ungern hören, denn das spielen die nur, wenn St. Pauli ein Tor schießt. Aber wenn beim Einlaufen „Hells Bells“ gespielt wird, dann krieg ich bestimmt eine Gänsehaut. Das war schon immer richtig cool.

-Cool ist auch Ihr Kleidungsstil. Sie sammeln Sportschuhe, sollen 50 Paar besitzen. Wie fühlt sich das an, wenn der Verein Sie für den Wiesntermin in Haferlschuhe steckt?

Wie soll ich sagen? (räuspert sich) Es ist eine ganz andere Erfahrung. Solche Schuhe hätte ich mir selber bestimmt nicht gekauft, aber das gehört ja wohl zu dem Outfit dazu.

-Was würden Ihre alten Freunde dazu sagen?

Als die die Fotos vom Fassanstich gesehen haben, hab ich schon ein paar Sprüche gekriegt. So nach dem Motto: „Du siehst aus wie ein Depp.“ Aber das war lustig gemeint. Die würden darin auch nicht besser aussehen.

Das Interview führte Uli Kellner

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