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Amtlich: Tanner verlässt 1860 - bald auch Schick?

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Sechs Zweitligaspiele – und schon ein begehrter Mann: Freistoßspezialist Schick.
Sechs Zweitligaspiele – und schon ein begehrter Mann: Freistoßspezialist Schick. © dpa

München - Der Juniorenleiter hat etliche Angebote – das Gleiche gilt für seine Entdeckung Michael Schick

Was sich seit Wochen andeutete, ist seit gestern amtlich. Ernst Tanner, Chef der mit drei DFL-Sternen prämierten Brutstätte unzähliger Löwen-Talente, wird den Verein nach 15 Jahren verlassen. Gestern setzten die Sechziger eine Presseerklärung auf, in der sie den Abschied des verdienten Mitarbeiters erklärten und angemessen bedauerten.

„Wir hätten Herrn Tanner gerne weiter an der Spitze unserer Nachwuchsarbeit gesehen“, wird Hauptgeschäftsführer Manfred Stoffers zitiert, „leider waren jedoch die Karriereplanungen von Herrn Tanner im Rahmen der Möglichkeiten von 1860 München nicht zu verwirklichen.“ Karriereplanung? Gemunkelt wird, dass Tanner (42) gerne intern aufgestiegen wäre, doch den Managerpart bei den Profis hat seit Februar Miroslav Stevic inne. Andere wissen seine Fachkompetenz mehr zu schätzen: Drittligist Wacker Burghausen will den Teisendorfer schon lange, zuletzt wurden auch Salzburg und sogar Bundesliga-Spitzenreiter Wolfsburg mit ihm in Verbindung gebracht.

Tanner selbst sagt dazu – gar nichts. „Ich werde keine dieser wilden Spekulationen kommentieren“, erklärt er. Genauso wenig beabsichtige er, die Gründe für seinen Abschied „öffentlich breitzutreten“. Soll sich doch jeder seinen Teil denken. „15 Jahre sind genug“, sagt Tanner relativ emotionslos. „Ich mache jetzt einen Schnitt – alles andere wird man sehen.“

Ein paar Wochen ist er ja noch da – und diese Zeit will er nutzen, um Ende Juni ein bestelltes Feld hinterlassen zu können. Tanner sagt, er sei „sehr darum bemüht, eine verträgliche Lösung für meine Nachfolge zu finden“. Er selber habe Kandidaten vorgeschlagen, Gespräche würden laufen, doch auch hier gilt: Jegliches Nachbohren ist zwecklos. Tanner ist nicht nur loyal – er ist auch bewundernswert verschwiegen.

Im Idealfall wird der Verein auch noch ein paar Jährchen von Tanners Basisarbeit profitieren. So wie das in der Vergangenheit der Fall war. Ohne die Talente, die Tanner geholt hat, die zu Profis geformt und dann für stattliche Summen weiterverkauft wurden (für insgesamt mehr als 13 Millionen Euro), wären die Löwen womöglich längst insolvent. Der Winterverkauf von Timo Gebhart an den VfB Stuttgart sichert das Überleben in der laufenden Saison. Die Benders könnten bei Bedarf zu Geld gemacht werden, ebenso Fabian Johnson und Manuel Schäffler. Bei anderen Spielern hat der Verein geschlafen. Michael Schick etwa, der von Uwe Wolf ins Profiteam gepflanzte Freistoßexperte aus der U 23, sondiert derzeit mehrere Offerten aus der zweiten Liga, u.a. aus Fürth – nur von den Löwen ist (noch) keine dabei.

Wenn Tanner über den Werdegang des jungen Linksverteidigers plaudert, wird deutlich, dass sich seine Arbeit nicht nur auf das Sichten und Fördern von Begabungen beschränkte. „Als wir ihn aus Stuttgart geholt haben, hatte er ein ganz schlechtes Zeugnis und einen weißen Haarreif auf dem Kopf.“ Viereinhalb Jahre später hat Schick (21) das Fachabitur in der Tasche – und einen normalen gepflegten Kurzhaarschnitt. Tanner sagt: „Er hat sich in jeder Beziehung sehr gut entwickelt.“ Genauso gut hätte er sagen können: Ich habe ihn gut entwickelt. Wo auch immer Schick ab Sommer spielt – der Verein kann sich freuen.

Das Gleiche gilt für den Verein, dem sich Tanner ab Juli anschließt. Wenngleich der Scheidende seine Rolle bescheiden runterspielt. Dass es mit der Jugendarbeit der Löwen künftig bergab geht, wie nicht nur Ex-Funktionär Wolfgang Hauner prophezeit, glaubt Tanner nicht. „Ach was“, sagt er. „Das Konzept steht, die Mannschaften sind geplant – es geht doch nur der Tanner.“ Bislang war es so: Der Verlust eines Talents ließ sich kompensieren. Wie das ist wenn der Chef der Talente geht, wird sich zeigen.

Uli Kellner

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