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Zur Annäherung nach Frankfurt

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Fußball schauen? Provozieren? Der Stadionbesuch Stefan Reuters kam am Sonntag nicht überall gut an.
Fußball schauen? Provozieren? Der Stadionbesuch Stefan Reuters kam am Sonntag nicht überall gut an. © dpa

München – Bei einem Termin in der DFL-Zentrale sondiert eine Delegation der Löwen heute, wie sich ein Investor engagieren kann

Manfred Stoffers würde am liebsten den Ausdruck „Tabula rasa“ verwenden, aber er weiß, das könnte missverstanden werden. Tabula rasa, „das klingt nach Streit“, auch wenn die Worte nichts anderes bedeuten, als dass man reinen Tisch macht. Wenn sich zwei Parteien treffen „und etwas Vorformuliertes auf dem Tisch liegt, dann kauen sie erst mal darauf rum“. Stoffers, der neue Geschäftsführer des TSV 1860, zieht es vor, unbelastet ans Werk zu gehen.

Heute am späten Nachmittag hat er mit einer Delegation der Löwen einen Termin bei der Deutschen Fußball-Liga in Frankfurt, um die Wogen zu glätten, die der zunächst vollzogene und wenig später wieder stornierte Einstieg des Investors Nicolai Schwarzer aufgeworfen hat. Der Besuch ist der Schlusspunkt unter zwei turbulente Wochen. Er ist auch das Startsignal für einen Annäherungsprozess. „Das einzige Ziel ist, die Verhandlungsbasis zu verbessern“, kündigt Stoffers an. Er erhofft sich „höchstmögliche Offenheit auf beiden Seiten“, schließlich gehe es „um ein Vertragswerk, das im deutschen Fußball kein Standardwerk ist“.

Geplant ist zunächst mal ein Grundsatzgespräch, um die Irritationen der vergangenen Wochen auszuräumen und zu sondieren, wie weit die Ansichten von Liga und Verein auseinander liegen. Vom Präsidium wird – neben den Geschäftsführern Stoffers und Markus Kern – einzig Vize Michael Hasenstab anwesend sein, der das Investmentprojekt in den vergangenen Monaten eingefädelt hat. Rainer Beeck würde erst zu einem zweiten Gesprächstermin hinzustoßen. Sofern der im Falle einer Eskalation nötig wäre.

Dass es zu diesem Szenario kommt, wird auf der 1860-Führungsebene als nicht mehr sehr wahrscheinlich erachtet. Auch wenn sich nicht jeder so optimistisch äußert wie ein Insider der Blauen, der in Frankfurt nur noch „eine lockere Plauderrunde“ erwartet. Intern ist man zu dem Schluss gekommen, dass der ursprüngliche Schwarzer-Kontrakt den Rahmen des Zulässigen nicht gesprengt hätte. Unabhängig vom Investor, so die Argumentation, habe man Miroslav Stevic schon länger im Auge gehabt, weil das sportliche Konzept Stefan Reuters potenzielle Geldgeber nicht überzeugt habe. Auch die sportliche Bilanz Reuters, der für diese Saison intern eine Platzierung zwischen eins und sechs ausgegeben haben soll, fand wenig Anklang und schuf Handlungsbedarf. Zudem sei der Serbe ausdrücklich als Sportdirektor installiert worden, nicht als Mitglied der Geschäftsführung, wie es die DFL in einem ähnlich gelagerten Fall untersagte (beim damaligen Zweitligisten Carl Zeiss Jena, wo russische Investoren zwei Geschäftsführer installieren wollten). Doch um solche Feinheiten soll es ohnehin nicht mehr gehen. „Die bisherigen Verträge sind Historie“, sagt Stoffers.

Zuletzt haben sich bei 1860 Aufmerksamkeit und Brisanz im administrativen Bereich verschoben. Während die I-Frage auf Wiedervorlage gelegt ist, reagierten die Löwen auf den jüngsten Auftritt Reuters beim Heimspiel gegen Ahlen pikiert. Der Besuch des Ex-Geschäftsführers, der offiziell nur beurlaubt ist, wurde in der Vereinsspitze als gezielte Provokation wahrgenommen. Weil allgemein bekannt ist, wie angespannt das Verhältnis zwischen Reuter und Stevic ist, galt der Auftritt auf der VIP-Tribüne als Beleg, dass Reuter gegen den neuen Sportdirektor munter agiert.

Manfred Stoffers hat im Umgang mit seinem Amtsvorgänger am Sonntag keine Berührungsängste gehabt. Er berichtet von einem „angenehmem Kaffeeklatsch“ und will es dabei bewenden lassen: „Wenn er das Bedürfnis hat, das Spiel zu sehen . . .“

von Marc Beyer

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