Ein aufstrebender Musterprofi, der auch mal brüllen kann

- Alanya - Beinahe wäre Marco Engelhardt (23) schon am Sonntag bei den Löwen geblieben. Nach dem Testspiel mit seinen Karlsruhern beim TSV 1860 in Alanya saß der KSC-Kapitän beim Pressegespräch auf der Stadiontribüne, als plötzlich das dumpfe Knattern eines Dieselmotors die Runde störte. "Spinnen die?", rief der künftige Löwen-Profi entsetzt. Doch so hektisch er auch losspurtete - auf dem Parkplatz angekommen, sah er nur mehr die Rücklichter des Mannschaftsbusses.

Die Karlsruher sind dann doch noch mal zurückgekommen, um ihren Spielführer einzusammeln, denn letztlich sind sie um jede Minute froh, die Engelhardt noch bei ihnen weilt. "Als Trainer", versichert Lorenz-Günter Köstner seinem Kollegen Falko Götz, "kann man nur froh sein, wenn man so einen Spieler in der Mannschaft hat." Sein begabter Defensivmann zeichne sich nicht nur durch enorme Laufstärke, ein großes Kämpferherz und Geschick bei ruhenden Bällen aus, sondern nach Auskunft des KSC-Trainers auch durch seine menschlichen Qualitäten. "Ein charakterlich ganz starker Spieler", schwärmt Köstner. Gerne gibt er seinen zentralen Mittelfeldmann nicht her, aber das Geschäft ist halt so. Engelhardts Vertrag läuft im Sommer aus, 1860 griff dankbar zu. "Des einen Freud, des anderen Leid", klagt Köstner.

Dass Engelhardt dem Tabellen-14. aus München den Vorzug gegeben hat und nicht einem der beiden Großklubs, die um ihn warben ("Namen spielen keine Rolle"), haben die Löwen indirekt auch Clemens Fritz zu verdanken. Engelhardts bester Freund war zu Saisonbeginn nach Leverkusen gewechselt, wo er seither zwischen Reservebank und Tribüne pendelt. Ein warnendes Beispiel für Engelhardt. Nicht, dass er sich den Sprung zu einem Spitzenteam nicht zutrauen würde, aber das Potenzial der Spieler ist dort in seinen Augen "so ausgeglichen, dass ein Junger kaum Einsätze bekommt".

Eine Situation wie die von Fritz würde der ehrgeizige Engelhardt auf Dauer nicht ertragen. Für ihn sei es bislang "Schritt für Schritt" nach oben gegangen: In Erfurt durfte er schon als A-Jugendlicher in der Regionalliga ran, in Karlsruhe war er Stammspieler, Einsätze in der U 21 und im Team 2006 runden das Bild vom aufstrebenden Musterprofi ab. Zudem ist Engelhardt einer, der bereitwillig Verantwortung übernimmt. Unüberhörbar. Beim Test gegen die Löwen stauchte er seine müden Mitspieler in der zweiten Halbzeit lautstark zusammen. "Wenn ich merke, dass die Mannschaft ein, zwei Spieler durchschleppt, muss ich auch mal brüllen", erklärt er, denn: "Ich verliere total ungern."

Dementsprechend offensiv sieht auch seine mittelfristige Karriereplanung aus. Engelhardt kündigt an: "Ich komme nicht nach München, um mir das alles erst mal anzuschauen, ich will direkt angreifen." Nach Möglichkeit in der ersten Liga. Sein Dreijahresvertrag behält zwar auch bei einem Abstieg der Löwen Gültigkeit, doch daran mag er keinen Gedanken verschwenden. "Ich hoffe nicht, dass ich zittern muss", sagt Engelhardt.

Andererseits - so leicht kann ihn nichts schocken. "Ich habe mein ganzes Leben lang gegen den Abstieg gespielt", sagt er, "ich bin da abgehärtet." Vielleicht hätten ihn die Löwen ja wirklich gleich dabehalten sollen.

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