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Kevin Volland (r) von München und Marino Biliskov von Ingolstadt kämpfen um den Ball.

Was Augsburg den Löwen voraus hat

München - Der FCA dreht Spiele, 1860 schenkt die Punkte her – auch beim 1:1 gegen Ingolstadt .

Dem Augsburger Glück konnte sich auch im Lager der Löwen keiner entziehen. Dank der großzügigen Ausstattung mit TV-Monitoren war die Aufstiegsfeier des Erzrivalen selbst in der hintersten Ecke der Allianz Arena mitzuerleben. Zwei Bildschirmdiagonalen weiter, in der Interviewzone, stand 1860-Profi Dominik Stahl, wischte sich den Schweiß von der Stirn und kommentierte tapfer den Alltag. „War heiß heute“, meinte er, „deswegen war insgesamt wenig Tempo im Spiel.“ Geführt hat das zu einer Punkteteilung mit dem FC Ingolstadt, die auf perfide Weise exemplarisch war für die nun beendete Arena-Spielzeit der Sechziger.

Der FC Augsburg ist dem Erzrivalen auch deshalb enteilt, weil das Team in der Lage ist, Spiele zu drehen (gestern: 2:1 gegen Frankfurt nach 0:1). Die Löwen dagegen sind nur erstklassig darin, sich um die Früchte ihrer Arbeit zu bringen. Auch gegen Ingolstadt begannen sie engagiert und gingen durch einen schönen Freistoßtreffer von Daniel Halfar in Führung (31.). Danach verpassten sie es, ihre Konterchancen klarer auszuspielen, um das 2:0 nachzulegen. Ingolstadt kam durch „so’n Eiertor“ (Halfar), eine unfreiwillige Bogenlampe des eingewechselten Buddle, zum 1:1-Ausgleich (61.) – der Endstand. Wären nach diesem Strickmuster nicht alleine zwischen dem 20. und 25. Spieltag sechs Heimpunkte verloren gegangen (1:1 nach 1:0 hieß es auch gegen Duisburg, Düsseldorf, Oberhausen), womöglich wären die Löwen jetzt im Endorphinrausch wie die Augsburger.

So schön leuchtet die Allianz Arena

So schön leuchtet die Allianz Arena

So schön leuchtet die Allianz Arena

„Der Geist war willig, das Fleisch leider schwach“, fasste Trainer Reiner Maurer den müden Kick bei sommerlichen Temperaturen zusammen, doch im nächsten Satz rechnete er vor: „Wir haben jetzt 50 Punkte. Das ist durchaus respektabel.“ Sein Glückwunsch in Richtung FCA fiel eher bemüht als herzlich aus. „Für uns wär’s besser, sie wären in der 2. Liga geblieben“, sagte er. Aber na schön: „Sie haben ja sechs Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet.“

Damit war aus Sicht der Löwen alles über diese Saison gesagt. Wie so oft wäre mehr drin gewesen. Am Ende jubelten wie so oft die Anderen. Aber, so der einhellige Tenor: Schwamm drüber. Wichtig war zuletzt sowieso nur, irgendwie durchzukommen – und den Grundstein für eine bessere Zukunft zu legen.

Die Rückennummern der Löwen

So schön leuchtet die Allianz Arena

So schön leuchtet die Allianz Arena

Schon vor der Partie gegen Ingolstadt war es ja mehr um die Zeit nach dem 15. Mai gegangen. Mit dem letzten Pflichtauftritt in Paderborn am Sonntag endet bekanntlich auch die Gnadenfrist der DFL hinsichtlich der Lizenzierung, darum hatte Geschäftsführer Robert Schäfer der Mannschaft vor dem Anpfiff einen Besuch abgestattet. Er bedankte sich für die Leistungen im Saisonfinale, die Sponsoren und Fans milde stimmten (28 100 Zuschauer gestern zeugen davon) – danach teilte er mit, was alle bei 1860 hören wollen: Dass die finanzielle Rettung bevorsteht. Stahl hat den Chef so verstanden, dass der Verein „auf einem guten Weg ist“. In der Erinnerung von Halfar klang das Ganze noch optimistischer: „Er hat uns gesagt, dass die Lösung ganz nah ist.“ Noch in dieser Woche wolle die Vereinsführung „eine Lösung präsentieren“.

Finanzielle Rettung ist „ganz nah“

Wie aus Vereinskreisen zu hören ist, wird es auf die erwartete Investorenlösung mit Hasan Ismaik hinauslaufen. Die Punkte, die die DFL nach Erhalt des ersten Vertragsentwurfs beanstandete, seien bei weitem nicht so gravierend, dass sie nicht lösbar seien. Und auch an der Gläubigerfront soll nach einem Treffen am Freitag Entspannung eingekehrt sein. Die meisten hätten inzwischen einem Teilforderungsverzicht zugestimmt. Er sei „ganz guter Dinge“, sagte Trainer Maurer, dessen Vertrauen vor allem auf Präsident Dieter Schneider ruht: „Er ist ein absoluter Profi.“

Hoffnung, dass es bei 1860 weitergeht, weckte nicht zuletzt die Stadionregie. Über die TV-Monitore flimmerten Sports, auf denen der Erwerb von Dauerkarten für die Saison 2011/2012 anregt wurde – für die 2. Liga. Das Derby gegen Ingolstadt, das als Trost nach dem FCA-Aufstieg, ist auch weiterhin im Programm.

Von Uli Kellner

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