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TSV 1860: Baustellen in Frankfurt und Fröttmaning

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Spielen die Löwen ihre Pflichtspiele bald nicht mehr in der Allianzarena?
Spielen die Löwen ihre Pflichtspiele bald nicht mehr in der Allianzarena? © dpa

Die Trainerdebatte bei den Löwen ruht diese Woche, doch es gibtbereits neuen, brisanten Gesprächsstoff. Bayern-Manager Uli Hoeneß heizt die Diskussion um einen Arena-Ausstieg an – die DFL hat offenbar Bedenken wegen des Investorenvertrages.

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Stevic: "Wir sollten den Trainer erstmal in Ruhe lassen"

Er hat gar nicht gemerkt, was ihm da für ein netter Versprecher herausgerutscht ist. Gefragt, was das 2:2 in Mainz für den auf Bewährung arbeitenden Trainer bedeute, wollte sich Miroslav Stevic besonders einfühlsam geben. An keinem Menschen gehe so viel Kritik spurlos vorbei, sagte der Löwen-Sportchef und versetzte sich ganz tief in Marco Kurz hinein: "Ich glaube, der Sieg hat ihm gut getan." Sieg? Streng genommen war es ja nur ein Unentschieden, ein nicht alltägliches zwar, da nach 0:2-Rückstand errungen, doch irgendwo hatte Stevic recht. Marco Kurz hat ja tatsächlich etwas gewonnen, etwas nicht Unbedeutendes sogar - seinen Job. Bis zum Heimspiel am Sonntag gegen Ahlen, das ist sicher, darf der Trainer in Ruhe weiterarbeiten.

Wobei das mit der Ruhe so eine Sache ist. Die Löwen sehnen sich zwar danach, in aller Stille am Aufschwung basteln zu können, doch diesem Wunsch stehen zu viele Baustellen im Weg - die neuesten liegen in Frankfurt, Guiollettstraße 44 bis 46 - und an der A 9 bei Fröttmaning. In Frankfurt steht der Termin bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) an, die Fragen zum kritisch beäugten Investorenvertrag hat. In Fröttmaning steht die Allianz Arena, um die Uli Hoeneß eine neue Debatte entfacht hat.

Der Manager des FC Bayern scheint mal wieder großen Gefallen daran zu finden, den kleinen Lokalrivalen ein wenig zu triezen. Letzte Woche hetzte er gegen die Investorengruppe ("Geschäftemacher", "Anfang vom Ende") und Sportdirektor Stevic ("Euro-Zeichen im Herzen"). Jetzt spielt er mit den Gefühlen der Löwen-Nostalgiker, die von einem eigenen Stadion träumen. "Wir haben immer gesagt: Wenn 1860 aus der Arena raus will, sollen sie uns die Frist sagen", so Hoeneß, "wir werden konstruktiv darüber nachdenken."

Als Ersatzspielorte schlug Hoeneß die alt bekannten Bauwerke vor: Olympia- oder Grünwalder Stadion. Einzelheiten zur Machbarkeit und zu den Ausstiegsmodalitäten nannte er nicht. Eine Frage, mit der sich OB Christian Ude und die anderen Koryphäen in den 1860-Gremien beschäftigen sollen. "In ihrem Aufsichtsrat ist der Oberbürgermeister und der halbe Stadtrat. Dann sollen sie doch das Grünwalder Stadion ausbauen. Kein Problem."

Von wegen kein Problem. Der im Störfeuer legen geübte Hoeneß dürfte sich im Klaren darüber sein, was für eine Diskussion er da anstößt - und genüsslich die Reaktionen abwarten. Er weiß: Kein anderes Thema im weißblauen Lager ist emotional derart aufgeladen. Von den Löwen gab’s allerdings keine offizielle Stellungnahme. Stevic sagte: "Ich habe eine klare Meinung dazu, doch es wäre fahrlässig, sie zu äußern." Danach deutete er vielsagend an: "Wir haben doch alle Träume!" Den Traum, als Mieter für 5,5 Millionen Euro pro Saison in einem viel zu großen Stadion zu spielen, das die Hardcore-Fans ablehnen? Man braucht kein Traumdeuter zu sein, um zu ahnen: Diese Option hat Stevic nicht gemeint.

Doch für den Moment haben die Löwen ganz andere Sorgen. Bevor Skizzen für Luftschlösser wie ein eigenes Stadion ansatzweise entworfen werden können, muss die Vereinsführung erstmal den Geldfluss durch den Investorenvertrag sichern. Bei dem DFL-Termin am Freitag, zu dem Geschäftsführer Markus Kern, Vizepräsident Michael Hasenstab und Darlehensgeber Nicolai Schwarzer reisen werden, geht es um die Frage: Wer übt künftig die Kontrolle über das operative Geschäft aus? Der eingetragene Verein als "Mutterschiff" der KGaA, wie laut 50+1-Regelung verlangt? Oder der Investor, wie offenbar befürchten wird?

Das Ganze ist in § 2 Absatz 1 h) der Lizenzierungsordnung geregelt. Dr. Kern, früher selber bei der DFL, dürfte wissen, was auf ihn zukommt. Konkrete Auskünfte zu den Fragen: Hat das Präsidium aus freien Stücken den Sportchef Stevic eingestellt, oder war es eine Bedingung des Investors? Wer bestimmt künftig, welche Spieler kommen? Wer legt das Budget fest? Finden sie nicht zu allen Punkten schlüssige Erklärungen, haben die Löwen ein Problem. Die Möglichkeit, dass die DFL den Investorenvertrag platzen lässt, liegt zumindest im Bereich des Möglichen.

Nach Einschätzungen von Juristen steht den Sechzgern ein schwerer Gang bevor. Der DFL-Termin in Frankfurt erscheint kniffliger als das Spiel in Mainz. Wobei die Möglichkeit eines Unentschiedens diesmal nicht gegeben ist.

Uli Kellner

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