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Berliner Geld, bayerisches Rezept

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Statt Nowak, Winkler, Pele heißen seine neuen Partner Maget, Hasenstab und Beeck: Sportchef Stevic (2.v.r.) und das Löwen-Präsidium.
Statt Nowak, Winkler, Pele heißen seine neuen Partner Maget, Hasenstab und Beeck: Sportchef Stevic (2.v.r.) und das Löwen-Präsidium. © dpa

München – Investor Schwarzer soll 1860-Sportchef Stevic helfen, ein Aufstiegsteam formen – Reuter beurlaubt

Sein erster offizieller Auftritt als Sportchef dauerte 90 Minuten – ganz so wie früher, als Miroslav Stevic noch im Löwen-Mittelfeld die Fäden gezogen hat. Damals hießen seine Mitspieler Nowak, Bodden und Winkler – seine neuen Partner sind: Rainer Beeck, Michael Hasenstab und Franz Maget. An der Seite des Präsidiums, das ihn hinter Stefan Reuters Rücken installiert hatte, trat Stevic (39) vor die versammelte Münchner Presse. Im Medienhaus des TSV 1860 war es so voll, dass die Türe offen bleiben musste – es gab ja auch einige Entscheidungen von Belang zu verkünden:

1.) Reuter, der bisherige Geschäftsführer und Stevic-Vorgänger, ist beurlaubt.

2.) Marco Kurz, der trotz des trainingsfreien Tages kurz erschienen war, erhält eine Gnadenfrist bis zum Spiel in Mainz an diesem Sonntag.

3.) Der ersehnte Investor ist da, und somit frisches Geld – verbunden mit einer neuen sportlichen Ausrichtung.

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Die Botschaft: Ab sofort ist alles dem Ziel „Aufstieg 2010“ untergeordnet. Präsident Beeck sprach von einer „Trendwende“, vom Einschlagen einer „Vorwärtsstrategie“, und dafür sei der ehrgeizige Serbe besser geeignet als sein Vorgänger. Schließlich, so Vize Hasenstab, habe man „die sportliche Entwicklung ausführlich beobachtet und analysiert“. Reuter hat nun zwar laut Beeck die Möglichkeit, einen neuen Vertrag „mit geändertem Aufgabenbild“ zu unterschreiben (als Sponsorenbetreuer), diese höflich formulierte Degradierung lehnt der Weltmeister jedoch dankend ab. „Aus vielen Gründen“, wie er diffus formulierte. Er sei nun „enttäuscht, das ist klar“.

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Nachfolger Stevic sprach derweil von zwei Träumen: Den ersten, Sportdirektor bei seinem „Herzensverein“ zu werden, habe er sich nun erfüllt, für den zweiten Traum, den Aufstieg, werde er „ab sofort hart arbeiten“. Alles andere als die Zielrichtung Bundesliga sei „eine Lüge gegenüber der großen Fanfamilie“.

Stevic pathetisch: „Ich war zwar viele Jahre körperlich weg, aber mit dem Kopf immer da.“ Der Kopf alleine hat dem cleveren Ex-Profi den Job jedoch nicht beschert. Entscheidend war auch, dass Stevic als Vertrauensmann einer Investorengruppe das mitbringt, was der Verein am nötigsten braucht: Geld. Da es sich um fremdes Kapital handelt, gehen die Löwen, wie es Hasenstab formuliert, „gemeinsam mit unserem Investor ins Risiko“.

Wer ist der Investor?

Sein Name ist Nicolai Schwarzer (35), ein Immobilienkaufmann aus Berlin, der zum Zwecke des Investments die „Cornerstone Blue Lions GmbH“ gegründet hat. Diese wiederum wird geführt von Veit Wirth, einem Anwalt aus Münster (wir berichteten).

Laut 1860-Vize Hasenstab ist der Investor „ein ehrenhafter Geschäftsmann“. Mit dubiosen Finanzjongleuren, deren Spur „in die Karibik“ führt, wie Beeck amüsiert gelesen hat, habe die „Unternehmensgruppe“ nichts zu tun. Natürlich, so Hasenstab, verfolge Schwarzer kaufmännische Interessen, doch er sei „ein ganz normaler Mann“ und werde vielleicht schon beim nächsten Heimspiel gegen Ahlen im Stadion sitzen. Hasenstab wünscht sich, dass der Geldgeber „mit offenen Armen empfangen“ wird. Zur Gruppe, die letzten Sommer im Gespräch war, bestehe keine Querverbindung: „Wir wussten nicht mal genau, wer die sind.“ Der neuen Gruppe vertrauen die Löwen – sie bekommt sogar zwei Plätze im Aufsichtsrat der KGaA .

Wie läuft der Deal?

Hasenstab spreizt Daumen und Zeigefinger und zeigt: „So dick ist das Vertragswerk“. Daher sei die Unterschrift auch erst am letzten Freitag erfolgt – nicht wie ursprünglich geplant am 9. Januar, dem 10. Jahrestag von Stevic’ Wechsel zu Borussia Dortmund, wie der 1860-Vize in Erinnerung ruft.

Hasenstab beschreibt die Finanzspritze als „nachrangiges Darlehen“, das nach und nach abgerufen werden kann. Festgeschrieben ist es auf vier Transferperioden, in denen die Löwen „zweckgebunden“ investieren dürfen. Bedeutet: In den Kader, nicht in die noch immer vorhandenen Bilanzlücken. Das Geld, das Schwarzer zur Verfügung stellt (5 bis 7 Millionen Euro), wird verzinst, er ist zudem an einem möglichen Gewinn der KGaA beteiligt und hat eine Option auf bis zu 25 Prozent der Anteile. „Weiterverkaufen darf er sie aber nur nach Rücksprache mit uns“, versichert Hasenstab.

Doppelter Boden

Die Löwen geben zu, dass sie zweigleisig geplant haben. Reuter hat im Glauben, weitermachen zu dürfen, seine drei Wintertransfers getätigt (Rösler, Pourie, Aigner). Im Hintergrund war jedoch bereits Stevic aktiv und konnte so am Montag die Landsleute Rukovina und Gulan aus dem Hut zaubern.

Der Merksatz, der gestern öfter fiel: „Ein Investment ist erst ein Investment, wenn es unterschrieben ist.“ Zuvor lauern allerlei Risiken. Geldgeber „laufen leider oft weg“, so Stevic, „weil viele nur mit Worten investieren wollen“. Hasenstab klärt auf: „Man muss immer mehrere Bälle in der Luft halten.“

Was wird aus Kurz?

In seine Blitztransfers war Kurz nicht eingeweiht, doch am Montag, so Stevic, habe er mit seinem früheren Mitspieler gesprochen. Ergebnis: Am Sonntag in Mainz wird Kurz auf jeden Fall noch einmal auf der Bank sitzen. „Ich schätze Marco als Menschen“, sagt Stevic, „aber ich will mir erst ein Bild von allem machen.“ Maget: „Stevic wird wissen, wer der richtige Trainer ist.“

Stevic’ Vertrag

Stevic sagt: „Noch nie in der Geschichte des Vereins hat jemand einen so leistungsbezogenen Vertrag unterschrieben.“ Er läuft demnach bis 2010, dem Jahr des geplanten Aufstiegs. Angst, dass künftig nur noch Serben im Löwen-Trikot auflaufen, müsse übrigens keiner haben. Stevic: „Das Kochrezept bleibt immer bayerisch – die Zutaten sind dann je nach Bedarf.“

von Uli Kellner

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