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Auf Bewährung im Grünwalder

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- München - Unmittelbar nach dem letzten Torschuss wuchsen aus dem Boden - anders kann es einfach nicht gegangen sein - rund 50 kleine Buben. Die Knirpse waren plötzlich da, tummelten sich um die Löwen-Profis, die gar nicht mehr nachkamen mit dem Autogrammegeben. Die Shirts des Fußballcamps, an dem die Buben teilnehmen, waren bald mit den Schriftzügen der 1860er übersät - obwohl die Löwen eigentlich nur zweite Wahl gewesen sind gestern Vormittag.

Ursprünglich hatten die Kinder die Bayern besuchen wollen, doch die genossen einen dienstfreien Tag. "Ich kenne hier gar keinen", quengelte ein Knirps im Tumult. So ist das mit dem Personal eines Zweitligisten - die Gesichter sind einfach nicht so geläufig.

Doch das soll ja bald wieder alles werden. In einem Jahr will sich 1860 in der Eliteklasse zurück melden, und da für dieses Ziel alle Kräfte gebündelt werden müssen, ist der Klub auch in seine alte Heimat, das Grünwalder Stadion, zurückgezogen. "Es ist jetzt wieder alles so, wie es sich eigentlich gehört", sagte Paul Agostino gestern nach dem ersten Training der Mannschaft in der Giesinger Arena, "die Fans haben so lange darauf gewartet, jetzt ist es soweit - das ist schön."

Damit alles so wunderbar bleibt, müssen allerdings die Anhänger auch mitspielen. Die Auflagen der DFL sind knallhart und besagen deutlich: Läuft irgend etwas schief in Sachen Sicherheit, müssen die Löwen sofort zurück ins Olympiastadion. "Wir sind in der Pflicht nachzuweisen, dass es hier geht", sagt Ticket-Manager Bernd Ingerling, "die Auflagen lauten eindeutig, dass Spiele jederzeit kurzfristig wieder ins Olympiastadion verlegt werden können." Fünf Partien müssen aus Sicherheitsgründen ohnehin dort ausgetragen werden, mehr sollen es nicht werden. "Aber das kommt auf das Verhalten unserer Fans an", mahnt Ingerling.

Die Löwen kicken im Grünwalder bis auf weiteres auf Bewährung, deshalb bittet der Verein seine oft eigenwilligen Anhänger um Kooperation. Die sollen nicht geschockt sein, wenn das eine oder andere ein wenig anders ist als vor dem Auszug, "die Fans werden das Stadion wegen der strengen Auflagen nicht mehr so vorfinden, wie sie es vor zehn Jahren verlassen haben", sagt Ingerling. Wer heutzutage ein Stadion betreibt, muss sich mit Schlagwörtern wie Sektorentrennung und Sicherheitskorridoren herumschlagen, entsprechend wurde das Innen- und Außenleben des Grünwalders umstrukturiert. Der massivste Einschnitt: Die Volckmerstraße wird komplett gesperrt, auch für Fußgänger. Nur Spielteilnehmer, Vips und Inhaber von Haupttribünenkarten haben Zutritt. Damit ist auch der Zugang zur Stadiongaststätte blockiert, was 1860 unangenehm ist, doch es ist auch nicht anders machbar. Der Sicherheitskorridor ist Pflicht, "wenn der Bereich mal kippt, haben wir ein massives Problem", so Ingerling.

Die zweitgrößte Sorge gilt dem Verkehrsaufkommen. "Es gibt im Umkreis von einem Kilometer null Parkplätze", sagt Ingerling, "das ist anders als vor zehn Jahren." Der Ticket-Manager appelliert eindringlich, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Tram- und U-Bahnen rollen bei Spielen in kürzeren Intervallen  an, 1860 hat alle Dauerkarten mit einem Gratis-MVV-Ticket versehen.

Bis am Sonntag um 15 Uhr gegen Haching der Ernstfall eintritt, gibt man sich bei 1860 optimistisch. "Ich glaube schon, dass wir die Spiele hier steuern können", sagt Ingerling. Als Lohn winkt vielleicht, ganz vielleicht, die Aussicht, das überraschend ins Olympiastadion verlegte Spiel gegen Karlsruhe doch im Grünwalder austragen zu können. "Aber erst müssen wir sehen, dass wir die zwölf Spiele behalten", sagt Ingerling, "und dann können wir eventuell über das 13. reden."

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