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Bierofka: "Ich setze mir kein Limit"

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Bereit für sein x-tes Comeback: Bierofka greift noch mal an. „So wollte ich nicht abtreten“, sagt der Chefkämpfer. © sampics / Stefan Matzke

München - Ur-Löwe Bierofka (34) will sich nach langer Verletzung für einen neuen Vertrag empfehlen. Warum er sich fit genug fühlt, erklärt er im Merkur-Interview.

Er ist wieder da. Bereit für das x-te Comeback seiner Karriere. Im Herbst schien Daniel Bierofka am Boden: Sehnenanriss, im ersten Spiel nach langer Verletzungspause. Doch das Stehaufmännchen des TSV 1860 kämpfte: Erneute Operation, wieder Reha – mit Erfolg. Der Urlöwe, der Anfang Februar 35 wird, fühlt sich fit genug, um einen Stammplatz zu erobern – und sich vielleicht sogar für einen neuen Vertrag zu empfehlen.

Herr Bierofka, Montag geht’s ins Trainingslager. Freut man sich ausnahmsweise darauf, wenn man so lange verletzt war?

Es sind ja effektiv nur sechs Tage, wenn man An- und Abreise wegrechnet. Und was heißt freuen? In den letzten Tagen war die Belastung sehr hoch, das hab ich gut weggesteckt. Jetzt kommt der fußballerische Teil – der ist für mich sehr wichtig nach der langen Pause.

Zugleich könnte Belek das letzte Trainingslager Ihrer Karriere sein. Anfang Februar werden Sie 35, und bis jetzt wurde Ihr Vertrag nicht verlängert.

Darüber mache ich mir momentan keine Gedanken. Wenn der Verein auf mich zukommt, können wir gerne reden. Wenn nicht, okay, dann muss ich mir was überlegen. Ich selber setze mir kein Limit und lasse erstmal die Rückrunde auf mich zukommen.

Fit scheinen Sie zu sein. Nach der knallharten Sprinteinheit am Freitag sagte Trainer Friedhelm Funkel: „Wenn er das überstanden hat, dann bleibt er ganz sicher gesund.“

(lacht) Klar, bei den letzten Läufen hab ich ganz schön geblasen, da musste ich etwas abreißen lassen. Aber das ist ja normal. Die anderen sind ein bisschen jünger und waren nicht fünf Monate verletzt. Ich bin zufrieden, dass ich alles mitmachen kann. Es kommt mir jetzt zugute, dass ich nicht nur auf der Couch gelegen, sondern viel mit meinem Vater trainiert habe.

Ihr Vater Willi war Trainer, hat aber keinen medizinischen Hintergrund. Wie kam’s dazu?

Ich brauchte jemanden, der aus dem Fußball kommt, weil ich oft gemerkt hab: Nach der Reha fehlen einem die ganzen fußballerischen Grundlagen wie Beweglichkeit. Diese Zeit wollte ich einfach abkürzen, um schnell wieder bei der Mannschaft zu sein.

Wer oder was hat Sie motiviert, dem schweren Rückschlag in Aalen ein weiteres Mal zu trotzen?

Ich mich selber. Am Anfang war’s brutal, da musste ich durch einige Löcher. Aber dann hab ich gemerkt, dass ich das Ganze so nicht beenden will. Klar, die Operation war ein gewisses Risiko. Die Sehne ist ja jetzt praktisch nicht mehr da. Aber bisher hat sich’s mehr als ausgezahlt.

Möglicherweise müssen Sie sich aber schon wieder auf eine neue Position einstellen. Der Trainer erwägt, Sie nach rechts zu stellen, offensiv oder defensiv. Eine Idee, die Sie reizt oder schreckt?

Ich lasse das auf mich zukommen, aber warum nicht rechts? Bis auf Torwart und Innenverteidiger hab ich alle Positionen durch. Entscheidend ist nicht, wo man spielt, sondern die Einstellung.

Möglicherweise teilen Sie sich die Seite dann mit Markus Steinhöfer. Ein guter Griff für den Verein?

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Ich kenne ihn von Basel, aus der Champions League. Wenn man auf seine Vita schaut: Er hat unheimlich viel Erfahrung. Ich denke, so einen Spieler kann man auf jeden Fall brauchen.

Und Ihr Eindruck von Yuya Osako, dem Sturm-Neuzugang aus Japan?

Durchweg positiv. Es ist wirklich kein Gramm Fett an ihm, außerdem ist er sehr schnell, sehr beweglich – und vor dem Tor eiskalt. Ich hoffe, dass er sich schnell einlebt und den Kulturschock in Anführungszeichen überwindet. Dann ist er in jedem Fall eine Topverstärkung für uns.

Der Trainer scheint ja noch Hoffnung zu haben, in den Aufstiegskampf eingreifen zu können. Wie sehen Sie die Lage?

Wir haben nur drei Punkte Rückstand auf Platz drei, also wenn man da keine Hoffnung hat, dann weiß ich auch nicht. Die Mannschaft kennt den Trainer jetzt besser, der Trainer die Mannschaft, dazu hat er die gewünschten Verstärkungen bekommen – ich denke schon, dass noch einiges drin ist in dieser Liga.

Der Aufstieg könnte noch mal ein schönes Ausrufezeichen in Ihrer Karriere sein. Würden Sie sich im Fall der Fälle sagen: Noch mal ein Jahr Bundesliga – warum nicht?

(lacht) Erst mal gesund bleiben, das ist das A und O. Alles andere ist für den Moment zu weit hergeholt.

Und was kommt danach? Werden Sie Trainer, Manager? Oder haben Sie erst mal genug vom Fußballgeschäft?

Ich hab ja durch meinen Anschlussvertrag die Option, im Verein zu bleiben. Mit Wolfgang Schellenberg (Leiter der Nachwuchsabteilung/Red.) hab ich auch schon mal ganz lose drüber gesprochen. Das wäre eine schöne Sache, weil ich immer schon mit Jugendlichen arbeiten wollte. Aber jetzt möchte ich erst selbst noch mal ran – und die nächsten 15 Spiele genießen.

Das Gespräch führte Uli Kellner

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