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Blumen für Freiburgs Schuster

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Löwen-Anführer Lauth hofft, dass sich seine launischen Mitspieler heute noch mal zusammenreißen.
Löwen-Anführer Lauth (r) hofft, dass sich seine launischen Mitspieler heute noch mal zusammenreißen. © dpa

München - Weil der SC-Profi gegen Ingolstadt glänzt, bleibt der Abstand der Löwen zum Relegationsplatz halbwegs beruhigend.

Wenn es am 24. Mai endlich geschafft ist, wenn die Löwen ihr fünftes Zweitligajahr in Folge – hoffentlich ohne Totalschaden – überstanden haben, kommt die große Zeit des Aufarbeitens, der Abschiede und der Danksagungen. Unbedingt berücksichtigen sollte die Vereinsführung dann auch den Freiburger Julian Schuster. Kein anderer Spieler, mit Ausnahme vielleicht von Benny Lauth, hat sich das traditionelle 1860-Geschenkset (Porzellanlöwe und Blumenstrauß) mehr verdient.

Dieser Julian Schuster hat, vermutlich ohne es zu wissen, Einfluss auf das Schicksal der Löwen genommen. Beim Rückrundenstart brachte er mit einer Vorlage und einem Tor den Sturz des glücklosen Sportchefs Stefan Reuter ins Rollen – der 0:2-Heimpleite folgte die Inthronisation von Miroslav Stevic. Mit dem gleichen Beitrag – Vorlage und Tor – tat der junge Freiburger den Münchnern auch gestern einen Gefallen. Der SC siegte dank Schuster mit 3:2 gegen Ingolstadt und sorgte dafür, dass die Löwen heute Abend mit einem etwas komfortableren Polster ins Heimspiel gegen Kaiserslautern gehen. Bei einem Ingolstädter Auswärtssieg hätte der Abstand zum Relegationsplatz vier Punkte betragen, so sind es halbwegs beruhigende sechs Zähler.

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All das, Dramatik im Zweitliga-Endspurt und Verwicklung der Löwen in den Abstiegskampf, wurde gestern zu ungewohnter Uhrzeit an der Grünwalder Straße thematisiert. Übergangscoach Uwe Wolf versammelte die Nachzügler des 28. Spieltages in der Abenddämmerung zum Abschlusstraining: zur Tatort-Zeit um 20.15 Uhr. Wolf legt großen Wert darauf, dass zwischen der letzten Übungseinheit und dem Ernstfall 24 Stunden liegen. Das macht er seit seiner Hoffenheimer Zeit so und begründet das mit dem „Biorhythmus der Spieler“. Nach seinen ersten (und einzigen) zwei Siegen, als ihm die Sprüche noch rausflutschten wie der Mannschaft die Tore, hatte er sogar mal gescherzt: „Wenn wir in der Champions League spielen, machen wir unser Abschlusstraining um 20.45 Uhr.“

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Solche Sprüche verkneift sich Wolf inzwischen. Auch die öffentlichen Mathematik-Stunden (x Spiele = y Punkte) hat er aufgegeben. Hätte er noch vor Wochen getönt, die maximal möglichen 21 Punkte anzustreben, sagt er inzwischen ganz normale Trainersätze. Zum Beispiel: „Einige Mannschaften, die hinter uns stehen, spielen noch gegeneinander.“ Oder: „Am besten ist es, wenn du selbst gewinnst, dann brauchst du nicht auf die Konkurrenz zu schauen.“ Mit der Enttäuschung aus vier sieglosen Spielen ist auch sein dröhnendes Imponiergehabe („Ich bin der Beste für 1860“) auf Normalmaß geschrumpft. Ein markiger Satz von Wolf hört sich inzwischen so an: „Unser Anspruch muss sein, noch ein paar Plätze nach oben zu rutschen.“ Gedacht hat er vermutlich: Hoffentlich rutschen wir nicht noch ein paar Plätze nach unten.

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Dieser Perspektivwechsel Mitte der Rückrunde hat traurige Tradition bei den Löwen. Und die Folgen sind immer die gleichen: Frust, Wechselgerüchte, Auflösungserscheinungen. Am Freitag rasselten im Training Abwehrrecke Torben Hoffmann und Jungstürmer Marvin Pourie aneinander, dass die umstehenden Spieler schlichtend eingreifen mussten. Wolf sagt: „Ist doch gut, wenn Leben drin ist.“ Aber: Ambitionierte Spieler wie Lauth hätten sich eine andere Form von Spannung gewünscht. Den Torjäger nervt es spürbar, dass die Saison so dahinplätschert. Jetzt ist er auch noch verletzt. Sein Einsatz heute ist wegen einer Knöchelblessur fraglich.

Erfreulich für 1860 ist, dass Lars Bender wieder fit ist. Der Juniorchef soll mit Bruder Sven im Mittelfeld für Ordnung sorgen. Mit drei Punkten wären die Löwen aus dem Gröbsten raus. Wenn nicht, muss Julian Schuster noch mal ran. Freiburg spielt in den nächsten Wochen noch gegen Frankfurt und Koblenz: 1860-Rivalen im Abstiegskampf.

Uli Kellner

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