Das Testspiel des TSV 1860 beim VfB Stuttgart wurde abgesagt (Symbolbild).
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Das Testspiel des TSV 1860 beim VfB Stuttgart wurde abgesagt (Symbolbild).

Chance für die Raute

München – 1860 muss bei der Pokal-Generalprobe in Stuttgart experimentieren.

Lesen Sie hierzu: Testspiel abgesagt

Wäre der HSV nicht gerade ziemlich damit ausgelastet, seinem neuen Kerngeschäft nachzugehen, dem Transferieren von Stammspielern in die Premier League (Manchester City bietet 17,5 Millionen Euro für Nigel de Jong), die Hamburger hätten womöglich Zeit, sich mit ihrem Pokalgegner vom Dienstag zu beschäftigen – und müssten sich dann ein wenig Sorgen machen. Zweitligist TSV 1860 nämlich, der im Achtelfinale den letzten lebenden Bundesliga-Dino fordert, legt im neuen Jahr eine Professionalität an den Tag, die die Branche staunen lässt.

Die Sensationslust des Trainers („Ziel ist die nächste Runde“) hat zur Folge, dass es Marco Kurz nicht mehr reicht, alles über den jeweils nächsten Gegner zu wissen. Nein, neuerdings ist der ehrgeizige Schwabe auch zu außergewöhnlichen Reisemaßnahmen bereit, um die Spiele, wie er gerne sagt, „positiv zu gestalten“. Selbst Testspiele.

Jüngstes Beispiel: der morgige Auftritt in Stuttgart. Die Löwen werden bereits heute in die Schwaben-Metropole reisen, ein Abschlusstraining vor Ort absolvieren, trotz leerer Kassen im Hotel übernachten, um dem VfB dann ausgeruht und akklimatisiert gegenüber treten zu können.

Sportlich ist davon auszugehen, dass Kurz jene Elf aufzubieten gedenkt, die auch die Sensation beim HSV schaffen soll. Leider wird ihm das trotz aller Akribie nicht gelingen. Zumindest Daniel Bierofka und Lars Bender wird er ersetzen müssen. Die beiden doch nicht so schwer verletzten Leitwölfe haben Hamburg zwar fest im Blick, für die Generalprobe dürfte es jedoch kaum reichen.

Gut möglich, dass daher Spielsystem B auf seine Wettbewerbsfähigkeit überprüft wird. B bedeutet: Ohne die flache Vier im Mittelfeld, dafür mit einer von Zugang Sascha Rösler angeführten Raute. Schalke-Leihgabe Marvin Pourie (18) könnte in diesem Fall neben Benjamin Lauth stürmen (anstelle von Rösler), Sven Bender nach links rücken und vor der Abwehr Ex-Kapitän Danny Schwarz eine Bewährungsprobe erhalten. Möglich ist ja neuerdings vieles. Kurz ist so glücklich über seine neuen Kaderoptionen, dass es ihm leicht fällt, auf einen Stürmer ganz zu verzichten: Mustafa Kucukovic darf, wenn die Ablöse stimmt, nach Grenoble wechseln.

Alles wohl durchdacht, ganz bestimmt. Nicht auszuschließen ist sogar, dass auch das letzte Testspiel in Aalen ein Puzzleteil im großen Masterplan war. Womöglich war das 2:2 vom Sonntag ein Test für den Test, schließlich liegt auch Aalen im Schwäbischen und auch die Anstoßzeit ist identisch: 14 Uhr.

Uli Kellner

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