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Ein Chili-Auftritt, sonst kriegt Kurz Pfeffer

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Steht weiter unter Druck: Löwen-Trainer Marco Kurz.
Steht weiter unter Druck: Löwen-Trainer Marco Kurz. © mm

München – Nach dem Hickhack um den Investorendeal steht am Sonntag zur Abwechslung mal wieder der Trainer im Fokus

Die Reaktionen auf die jüngsten Turbulenzen haben mal wieder gezeigt, wie groß im Löwen-Lager die Sehnsucht nach einer vorzeigbaren Führung ist. Mit Radikalforderungen hielt sich die Basis zwar weitgehend zurück – diesen Part übernahmen Boulevardblätter mit flammenden Kommentaren (Tenor: „Alle raus“) und Aufsichtsrat Willi Mantel mit einem Offenen Brief an die Verursacher des Investoren-Kuddelmuddels („Ein Rücktritt wäre mehr als konsequent“). Aber dann kam Manfred Stoffers – und wie der empfangen wurde, dürfte Rainer Beeck & Co. schon zu denken geben.

Obwohl der neue 1860-Geschäftsführer betont, ein absoluter Grünschnabel im operativen Fußballgeschäft zu sein, sehen viele in ihm einen Heilsbringer. Zumindest aber ein belebendes Element. Fans feiern den früheren Festina-Mann in Foren als „Obama von Giesing“. Die „tz“ brachte ihren Wunsch zum Ausdruck, dass mal alle im Verein so dynamisch-entschlossen auftreten wie die rheinische Frohnatur: In einer Fotomontage setzte sie sämtlichen Löwen-Akteuren die yuppiemäßige Stoffers-Brille auf. Zum Vergleich: Das Präsidium wurde in einem anderen Blatt mit Pappnasen abgebildet. Allgemein gesagt tun sich derzeit viele Leute schwer damit, den Giesinger Chaosklub halbwegs ernst zu nehmen.

Nur einer bleibt sachlich, egal was passiert: Marco Kurz, um dessen Zukunft es am Sonntag mal wieder geht. Der Trainer ignoriert den neuen Trend im Verein zu aufgeregten Auftritten und blumiger Bildersprache, stattdessen spulte er vor dem Ahlen-Spiel das gewohnte Kurz-Vokabular herunter. Wo Stoffers „Chili-Fußball“ fordert, wünscht sich Kurz „Leidenschaft wie in Mainz“ (2:2 nach 0:2-Rückstand). Anstatt die Fans mit pathetischen Schwüren in die Arena zu locken wie Sportchef Miroslav Stevic („Eine Frage der Zeit, bis 1860 wieder blüht“), predigt der Coach: „Wir müssen gewinnen, auswärts nachlegen, dann kommen nächstes Mal auch wieder mehr Zuschauer.“ Bis Freitag wurden nur 17 000 Karten verkauft.

Griffige Parolen wie „Chili-Fußball“ oder Forderungen nach „Pfeffer im Hintern“ (ebenfalls Stoffers) sind Kurz’ Sache nicht: „Das ist nicht meine Sprache“, sagt er. Dass er intern aber durchaus deutliche Worte finden kann, gilt als verbürgt – und zeigte sich erst am Freitag wieder. Bei der Vormittagseinheit wurde der Trainer dabei beobachtet, wie er eine Übung unterbrach, die Mannschaft um sich scharte und die Stimme um einige Dezibel anhob. Auf die Frage, was der Anlass für seine Tirade gewesen sei, teilte er hinterher mit, dass ihm „einige Dinge nicht gepasst“ hätten. Ein Punkt in Mainz, sei „kein Grund zur Zufriedenheit, darauf habe ich relativ deutlich hingewiesen“.

Es klingt, als hätten einige Spieler dem Turboauftritt letzten Sonntag wieder auf Park-Modus umgestellt, und so eine Einstellung kann Kurz natürlich nicht durchgehen lassen. Er weiß: Die Tatsache, dass er unter der Woche weitgehend unbehelligt arbeiten konnte, ist trügerisch. Die Ruhe im sportlichen Bereich war ausschließlich dem Auftritt in Mainz und dem Investoren-Hickhack geschuldet, doch das kann sich ganz schnell wieder ändern. Geht das Spiel gegen Ahlen schief, ahnt Kurz, ist er die längste Zeit Löwen-Trainer gewesen.

Von Miroslav Stevic gab es am Freitag keine weitere Andeutung zur Trainerfrage. Der Sportchef erteilte den Auftrag, „die miserable Heimbilanz zu reparieren“, ansonsten wird er den Verlauf des Spiels abwarten. Und „Barack“ Stoffers? Der will sich aus sportlichen Themen raushalten. Positiv, wie er denkt, glaubt er, dass Kurz ihm den Wunsch nach „Chili-Fußball“ erfüllt – und nicht mit so einer enttäuschenden Bilanz abtreten muss wie George Bush.

von Uli Kellner

TSV 1860 München – Rot Weiß Ahlen

Anstoß: Sonntag, 14 Uhr.

TSV 1860: Tschauner – Rukavina, Ghvinianidze, Béda (Berhalter), Johnson – D. Schwarz, S. Bender – Aigner, Bierofka – Lauth, Schäffler.

Ahlen: Langerbein – Busch, Döring, Wiemann, R. Maul – Bäumer, Heithölter, Pelzer – Großkreutz, Toborg, Reus.

Schiedsrichter: Wingenbach (Altendiez).

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