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„Wir dürfen nicht ein Prozent nachlassen“

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Verlassliche Stammkraft: Christopher Schindler. © mis

München - Der zum Stammverteidiger aufgestiegene Christopher Schindler spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über die 1860-Siegesserie, Trainerlob und Vereinstreue.

Christopher Schindler zählt beim TSV 1860 zu den Aufsteigern der letzten Wochen. Der 23-Jährige, der dem Löwen-Nachwuchs entstammt, eroberte sich einen Stammplatz als Innenverteidiger und spielt im so erfolgreichen neuen Defensivkonzept von Trainer Friedhelm Funkel eine wichtige Rolle.

Christopher Schindler, seit vier Partien spielen Sie auf Ihrer Lieblingsposition im Abwehrzentrum, viermal haben die Löwen gewonnen – ein Zufall?

Ich hoffe mal nicht. Das waren vier sehr enge Spiele. Die Siege waren aber nicht viermal unverdient. Wir sind hinten immer gut gestanden. Das ist auch mein Job. Insofern bin ich sehr zufrieden.

Das neue Erfolgssystem steht und fällt mit der Defensive, die kaum Gegentore zulässt. Wie sehen Sie dabei Ihre Rolle?

Wichtig ist, dass Guillermo Vallori und ich gut zusammenpassen. Gui ist wahnsinnig zweikampfstark und in der Luft richtig gut, während meine Stärke vor allem die Schnelligkeit ist. Wir können uns gegenseitig helfen und ergänzen uns optimal. Deswegen passt das in der Innenverteidigung.

Sie haben die Saison auf der linken Abwehrseite begonnen, zwischenzeitlich landeten Sie für vier Spiele auf der Ersatzbank. Wie ist es Ihnen in dieser nicht ganz einfachen Situation ergangen?

Ich war unzufrieden, keine Frage, und das hat der Trainer gemerkt. Er kam dann auf mich zu und meinte, dass ich jetzt Geduld brauche und auf meine Chance warten muss. Und so eine Chance, hat er gesagt, komme oft eher als man denkt.

So war es dann auch. Friedhelm Funkel hat die Mannschaft umgestellt, Sie rückten auf die Position von Kai Bülow, der nun das defensive Mittelfeld verstärkt. Funkel erklärte jüngst, falls Sie so weiterkämpfen würden, seien Sie als Stammkraft nicht mehr wegzudenken. Wie kam dieses Lob bei Ihnen an?

Wir Spieler kriegen, wenn es mal nicht so läuft, vom Umfeld und von den Medien schon einiges um die Ohren. Deswegen freut einen solch eine Aussage umso mehr. Das ist eine besondere Wertschätzung und ein Vertrauensbeweis. Aber ich weiß auch, dass ich mich nicht darauf ausruhen kann. Ich bin schon lange genug dabei, um zu wissen, wie schnell sich die Dinge ändern können. Gerade in München gibt es meist nur hopp oder top. Das liegt sehr nah beieinander. Ich versuche deswegen auch immer tausend Prozent zu geben und nichts schleifen zu lassen. Mir ist klar: Wenn wir nur um ein Prozent nachlassen, dann gehen so enge Spiele, wie wir sie zuletzt hatten, auch schnell verloren.

Derzeit ist die Stimmung bei 1860 top. Wie wirkt sich das auf den Alltag bei den Löwen aus?

In der Mannschaft ist eine Riesenerleichterung zu spüren. Ich kann mich genau erinnern: Vor vier Wochen vor dem Spiel gegen Bielefeld war das noch der Wahnsinn. Da bist du zum Trainingsgelände gegangen mit einer gewaltigen Anspannung. Man hat sich die ganze Zeit gesagt: „Jetzt musst du einfach gewinnen, jetzt musst du gewinnen.“ Und ich kann Ihnen sagen: Das ist kein gutes Gefühl. Jetzt ist alles viel gelöster, und das tut gut.

Sie haben ja Anfang 2011 mit Kevin Volland und Moritz Leitner den Sprung von der Jugend ins Profiteam geschafft. Ihre beiden Teamgefährten haben bereits in der Bundesliga Karriere gemacht. Bei Ihnen dauert es ein bisschen länger. Kommt man da ins Grübeln, verunsichert Sie das?

Das verunsichert mich nicht. Es ist doch ein Unterschied, ob du ein Offensiv- oder Defensivspieler bist. Wenn man so viele Tore schießt oder vorbereitet wie Kevin, dann fällt das natürlich auf, da ist es nur logisch, dass man rasch in die Erste Liga kommt. Wenn man als Innenverteidiger gut spielt, wird das zu 80 Prozent weniger wahrgenommen. Es ist halt so: Im Fußball geht es darum, dass man Tore schießt. Bei Kevin war es somit nicht verwunderlich, dass es bei ihm so rasant ging. Ich kenne außerdem wenig Innenverteidiger, die mit 20 Jahren schon Stammspieler waren. Auf dieser Position vertrauen die Trainer oft erfahrenen Leuten. Als Verteidiger ist es halt auch so, dass du 19 von 20 Mal die richtige Entscheidung treffen kannst und am Ende der Sündenbock bist, wenn ein Gegentor fällt. Mir war das von Anfang an klar, dass ich eine komplett andere Ausgangsposition hatte als Kevin.

Die Spieler- und Funktionärsfrauen des TSV 1860

Der TSV 1860 hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Talente hervorgebracht, die meisten haben ihrem Stammverein bald den Rücken gekehrt. Sie sind da eine große Ausnahme. Wie kommt’s?

Für mich war ausschlaggebend, dass ich hier verwurzelt bin. Hier sind meine Familie, meine Freundin, meine Freunde. Ich bin geborener Münchner, ich spiele seit meinem achten Lebensjahr für 1860 – das prägt natürlich. Es war für mich immer klar, dass ich für Sechzig spielen will; da kam kein anderer Großverein in Frage. Mein Vater ist ja auch Löwen-Fan.

Als erstes hat Sie ja Ihre Mutter Jutta trainiert ...

Ja, in Perlach war das noch, sie war dort Trainerin. Sie ist fußballbegeistert und bei jedem 1860-Heimspiel im Stadion. Als ich noch ein Bub war, hatte sie es nicht so leicht mit mir. Zum Beispiel wenn sie mich ausgewechselt hat, dann war die Stimmung zuhause entsprechend.

Wie sehr nimmt Ihre Mutter denn heute noch Anteil an Ihrem Profikarriere?

Sie ist die, die am meisten mitleidet, wenn es sportlich nicht so läuft. Meine Mutter weiß genau, wie es in mir ausschaut, wenn ich enttäuscht bin. Dafür freut sie sich jetzt umso mehr mit mir, auch weil sie der Meinung ist, dass ich es absolut verdient habe.

Derzeit schaut es ja danach aus, als ob die Chancen auf einen erfreulichen Saisonverlauf so gut wie schon lange nicht mehr sind. Welche Möglichkeiten sehen Sie da, was steckt in der Mannschaft?

Die Erfahrung bei 1860 lehrt ja, dass immer wenn wir den letzten Schritt hätten machen können, es nicht geschafft haben. Deshalb gehe ich das jetzt eher konservativ an und sage: Wir wollen die letzten zwei Spiele vor der Winterpause ungeschlagen bleiben. Außer Frage steht aber auch, dass wir uns eine Superausgangslage geschaffen haben. Das hätte man vor vier Wochen nicht für möglich gehalten.

Das Gespräch führte Armin Gibis

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