Oliver Bierhoff hofft in den nächsten Monaten auf eine Einigung.
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Oliver Bierhoff hofft in den nächsten Monaten auf eine Einigung.

Scheitert der Plan des DFB auf der Zielgeraden?

Reform der Junioren-Bundesligen: BFV und Co. bremsen Bierhoff aus

Die Nachwuchsleistungszentren sollen schon bald eine geschlossene Elite-Gesellschaft werden. Kurz vor dem endgültigen Beschluss treten die Landesverbände aber nun auf die Bremse.

  • DFB und DFL möchten der Durststrecke im deutschen Jugendfußball mit der Abschaffung der Junioren-Bundesligen entgegenwirken.
  • Am vergangenen Freitag erteilten die Landesverbänden den Plänen eine vorübergehende Absage.
  • Beide Seiten wollen bis Mai nächsten Jahres zu einem Konsens kommen.

Frankfurt - Das hatten sich Oliver Bierhoff und Co. anders vorgestellt. In die DFB-Präsidiumssitzung am vergangenen Freitag gingen die Befürworter des „Projekt Zukunft mit der festen Überzeugung, grundsätzliche Beschlüsse fassen zu können. Es kam allerdings anders

Seit Februar 2018 arbeitete eine extra dafür ins Leben gerufene, mit großen Namen besetzte Task Force (u.a. Eberl, Bobic, Salihamidzic, Schmadtke) an dem seit Kurzem vorliegenden Konzept. Dreh- und Angelpunkt war dabei von Anfang an die Talentförderung im Spitzenfußball. Sprich die Frage: Wie schafft es Deutschland in Zukunft, dass Spitzentalente wie Kai Havertz oder Youssoufa Moukoko keine Rarität bleiben. Gerade seit der ernüchternden WM 2018 machte sich im deutschen Fußball die Befürchtung breit, man könnte den Anschluss an die Weltspitze verlieren - das jüngste 0:6 schien dabei für viele endgültige Bestätigung zu sein. 

Maxime: Leistungsdruck reduzieren

Die Arbeitsgruppe machte dabei schnell das in ihren Augen zentrale Problem aus: Der überhöhte Leistungsdruck. Demnach orientiere man sich bei den Vereinen zu sehr am kurzfristigen Erfolg, an den Ergebnisse, und zu wenig an der langfristigen Entwicklung des einzelnen Spielers

Entgegenwirken möchte man also nun mit einer radikalen Reform. Die U17- und U19-Bundesligen sollen abgeschafft werden, kein Aufstieg und Abstieg mehr. Ein geschlossenes System, sozusagen eine Super-Liga für Nachwuchsleistungszentren (NLZ), soll es richten. Zudem soll die Talentförderung, die Stützpunkte, den Landesverbänden grundsätzlich entrissen und künftig allein dem DFB obliegen. 

Die Kritik von Gegnern des Konzepts liegt auf der Hand. Die ohnehin schon von vielen kritisierte Zwei-Klassen-Gesellschaft im Jugendfußball wird manifestiert und institutionalisiert. Gute Arbeit von kleineren Vereine wird nicht mehr belohnt, schlechte Arbeit von großen Vereine nicht mehr bestraft. Das bedeutet gleichzeitig: Wer sich als Jugendspieler auf höchstem Niveau messen will, muss sich wohl oder übel einem NLZ anschließen. 

Thomas Eichin: „Wir werden die Intensität erhöhen“

Thomas Eichin, Nachwuchs-Chef von Bayer Leverkusen, sieht die Umstrukturierung auch kritisch, verfolgt aber eine andere Argumentation. „Die Spieler müssen körperlich und mental bereit sein, wenn sie Einsatzzeiten bei den Profis bekommen, um sich zu empfehlen. Wir werden die Intensität nicht reduzieren, sondern erhöhen“, so der ehemalige Sportdirektor des TSV 1860 in der Sport Bild

Er hält die geplanten Maßnahmen also auch aus Sicht der Profi-Vereine für nicht zielführend. Er schlägt vor, an andere Stelle anzusetzen: „Der Schlüssel sind die Sportlichen Leiter und die Trainer in den Nachwuchsleistungszentren. Sie stehen in der Verantwortung, die individuelle und altersgerechte Ausbildung der Spieler in den Vordergrund zu rücken.“ Problematisch sei dabei momentan, dass viele Jugendtrainer über kurzfristige Erfolge möglichst schnell einen Posten im Profifußball ergattern wollen. 

Landesverbände gründen Arbeitsgruppe

Auch die Landesverbände unter der Führung von BFV-Präsident Rainer Koch plädieren für einen Dialog und möchten nicht vor vollendete Tatsache gestellt werden. Aus diesem Grund wollten die Verantwortlichen das Konzept am vergangenen Freitag nicht ohne Weiteres durchwinken. So wurde kurzerhand eine weitere Arbeitsgruppe - diesmal von den Landesverbänden - ins Leben gerufen, die sich im weiteren Verlauf wiederum mit der DFL-Task-Force in Verbindung setzen soll. Versperren möchten sich die Verbände Neuerungen allerdings nicht grundsätzlich

Oliver Bierhoff zeigte sich daraufhin offen für Gespräche und betonte, wie wichtig es sei, „eine tragfähige Lösung zu finden“. Gleichzeitig unterstrich aber die Dringlichkeit einer zeitnahen Einigung. „Hinsichtlich der Wettbewerbsformen bedeutet jede Verzögerung über den kommenden Mai hinaus, dass die Wettbewerbe zwei, wenn nicht drei Jahre später gestartet werden können.“ Vor Ende April könne mit keinem Durchbruch gerechnet werden, die Revolution des deutschen Jugendfußballs steht also erst einmal auf der Kippe. 

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