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Sehnsucht vieler Löwen-Fans: Das Stadion an der Grünwalder Straße.

„Ein Ausbau ist machbar“

München - Manni Schwabl will 1860 helfen, ins Grünwalder Stadion zurückzukehren – fertige Pläne liegen in seiner Schublade

Ein Luftschloss? Manni Schwabl hat seine Stadionpläne noch in der Schublade.

Geht es nach Manfred Schwabl, können sich die Löwen ihre von der Vereinsführung installierte „Projektgruppe Stadionzukunft“ sparen. Der Ex-Profi sagt: „Giesing ist die einzige Heimat.“ Wären da nicht die Bedenken der Stadt und die hohen Forderungen des FC Bayern (laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wäre bei einem vorzeitigen Ausstieg aus der Allianz Arena eine achtstellige Summe fällig), könnte theoretisch schon bald der erste Spatenstich erfolgen. Die Pläne für den Umbau liegen noch immer in Schwabls Schublade.

Herr Schwabl, die Löwen liebäugeln mal wieder mit einer Rückkehr ins Grünwalder Stadion. Ist das realistisch?
Wenn sich die baurechtlichen Dinge in den letzten zehn Jahren nicht komplett geändert haben, bin ich der Meinung, dass ein Ausbau machbar ist. Wir haben damals in Abstimmung mit 1860 und einem Investor Pläne gemacht und eine Bauvoranfrage gestellt. Allerdings ist die nie behandelt worden, weil sich der Verein bzw. Herr Wildmoser (der damalige Präsident/Red.) dann für was anderes entschieden haben.

Aber die Pläne existieren noch.
Ja, freilich. Ich hab sie ja aus eigener Tasche bezahlt, und die waren nicht billig. Das Hamburger Architekturbüro Weisener, das damals auch das St.-Pauli-Stadion geplant hat, hat sich das angeschaut und gesagt: Ja, vom Grundsatz her geht’s. Dann haben wir Pläne für einen bundesligatauglichen Ausbau erstellt. Größenordnung: 33 000 bis 36 000 Zuschauer. Vom Baustil her waren die Pläne am St-Pauli-Modell orientiert.

Beschreiben Sie es mal.
Wir hätten das Stadion ein Stück in den Giesinger Berg reingebaut, also tiefergelegt, damit’s nicht viel höher rausgekommen wäre als die jetzige Gegentribüne. Das war in der Vorabsprache mit der Stadt ein wichtiges Kriterium. Die Ränge wären ziemlich steil gewesen, alles recht eng, und man hätte eine Tiefgarage gehabt für zirka 1000 Leute, angefahren vom Candidplatz. Für die Mehrzahl der Fans hätte es eine Ticketkooperation mit dem MVV gegeben.

Wäre es ein Um- oder ein Neubau gewesen?
Eigentlich ein Neubau, aber man hätte es als Umbau deklariert. Bei einem Neubau hätte man viel mehr Parkplätze nachweisen müssen wegen der Bestandsgenehmigung.

Und die Anwohner?
Da war der Tenor grundsätzlich positiv. Es hat eine Veranstaltung für die Nachbarn gegeben, und da kam nur heraus, dass die am Spieltag einen Aufpasser wollen, damit keiner in die Gärten steigt. Die Kernaussage war: Lieber ein- oder zweimal Fußball die Woche als ein größeres Gewerbe- oder Wohnobjekt.

Klingt, als wäre das Projekt weit vorangeschritten gewesen.
Wir hatten ein Lärmschutzgutachten, ein Entleerungsgutachten für den Panikfall – da sind wir schon ziemlich ans Eingemachte gegangen.

Was hätte das ganze Projekt gekostet?
Damals waren’s ungefähr 50 Millionen Euro, also 100 Millionen Mark, das war ja so in den Jahren 1999/2000.

Wären die Pläne auch heute noch umsetzbar?
Ein paar Sachen müsste sich ein Stadionplaner noch durch den Kopf gehen lassen. Wir hätten unten Büro- und Gewerbeflächen reingebaut für Kartenvorverkauf und so, dann kann man noch an der Optik feilen, aber viel anders kannst du es gar nicht bauen.

Hat Sie schon jemand von der Projektgruppe kontaktiert?
Bis dato nicht, aber die können jederzeit anrufen. Es wäre ja ein Schmarrn, wenn man das, was wir recherchiert haben, nicht zur Entscheidungsfindung heranziehen würde.

Wie werten Sie das Nein der Stadt, das OB Christian Ude, der immerhin im Aufsichtsrat des Vereins sitzt, erneuerte?
Die Stadt müsste weder etwas in den Umbau investieren noch in die Infrastruktur. Die U-Bahn ist ja schon da. Die Stadt würde sogar Geld sparen. Sie müsste das Grundstück für einen symbolischen Euro zur Verfügung stellen, auf Erbbaurecht-Basis, im Gegenzug würde sie sich die Unterhaltskosten sparen.

Gibt’s den Investor noch?
Müsste ich abklären. Das war eine große Münchner Immobilienfirma, die einen Beteiligungsfond platziert hätte. 1860 hätte nicht in die Schulden gehen müssen, sondern nur einen langfristigen Mietvertrag unterschreiben.

Wie lange würde denn ein Umbau dauern?
Damals waren eineinhalb Jahre veranschlagt – ab dem Zeitpunkt der Genehmigung.

Klingt fast perfekt.
Wir haben uns auch viele Gedanken gemacht. Ich habe ganz am Anfang zum Wildmoser gesagt: Ziehen wir’s durch? Sagt er: Wenn das möglich ist, gehe ich zu Fuß von Hinterbrühl zum Stadion. Erst als die WM kam, hat er umgeschwenkt, ab da war nur noch von „Hirngespinsten“ und „Luftschlössern“ die Rede. Aber die ersten Reaktionen aus dem Baureferat waren nicht negativ. Warum hätte ich sonst die Planung zuende machen sollen?

Mal Hand aufs Herz: Glauben Sie noch oder wieder an die Realisierung?
Ich sage: Für 1860 gibt es nur einen Standort. Giesing ist das Nonplusultra. Bevor ich nach Poing oder sonstwo hin gehe, kann ich gleich in der Arena bleiben. 1860 ist ein Kultverein, den kannst du nicht verpflanzen.

Das Gespräch führte Uli Kellner

-Wie lange würde denn ein Umbau dauern?

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