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Selbst ist der Mann

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Von: Uli Kellner

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1,97 m lang, sieben Länderspiele für Senegal: Abdoulaye Ba hat schon bei Fenerbahce Istanbul unter Vitor Pereira wertvolle Abwehrdienste geleistet.
1,97 m lang, sieben Länderspiele für Senegal: Abdoulaye Ba hat schon bei Fenerbahce Istanbul unter Vitor Pereira wertvolle Abwehrdienste geleistet. © Imago

München – Pereira holt Abwehrchef aus Istanbul – weil von den 1860-Bossen nur gute Absichten kommen

Noch drei Tage bis zum Rückrundenstart – für Hasan Ismaik der Anlass, sich mal wieder ans Fanvolk zu wenden. „Liebe Löwen“, schrieb er also in der Nacht zum Montag bei Facebook. Gefolgt von fünf Absätzen, die das inzwischen Gewohnte enthielten. Warme Worte: „Für mich ist 1860 kein Spekulationsobjekt, sondern ein wichtiger Teil meines Lebens geworden.“ Lob für Trainer Vitor Pereira, der ja eine Errungenschaft des Investors und seines Beraterstabes ist. Zentraler Inhalt der Facebook-Botschaft aber war: Ismaiks Rechtfertigung, warum die vollmundig angekündigten Verstärkungen so lange auf sich warten lassen. Selbst bis in ferne Abu Dhabi scheint durchzudringen, dass die Fans, mit denen sich der Milliardär gerne auf eine Stufe stellt, unruhig werden.

„Ich kann Euch verstehen, dass ihr bezüglich unserer geplanten Wintertransfers ein wenig nervös geworden seid“, ließ der Hauptgesellschafter über seine PR-Agentur mitteilen: „ Ich kann Euch aber beruhigen: In dieser Woche werden die versprochenen Neuzugänge kommen.“ Dass es mal wieder so wirkt, als habe 1860 die ausklingende Transferperiode weitgehend verschlafen, stellt Ismaik als Zeugnis intensiver Scoutingarbeit dar: „Wir wollten es bewusst anders machen als in der Vergangenheit. Früher sind beim TSV 1860 neue Spieler immer überstürzt verpflichtet worden, ohne sich richtig mit ihnen und ihrer persönlichen Akte auseinander gesetzt zu haben. Die Folge war, dass sich sehr schnell Frust breit gemacht hat, weil diese Spieler die Erwartungen nicht erfüllen konnten.“

Zwei Profis dieses Kalibers waren in der letzten Woche des 16-tägigen Tróia-Camps zu besichtigen: Der eine, Innenverteidiger Vegard Forren, ist längst wieder über alle Berge. Pereira dürfte im 28 Jahre alten Norweger keine Verstärkung gesehen haben. Der andere, Palmeiras-Talent Luiz Gustavo, soll mit nach München geflogen sein. Gestern, bei Eiseskälte an der Grünwalder Straße, ist der Brasilianer aber nicht gesichtet worden. Und nachdem sich der 22-Jährige nicht mal in der 2. Liga seines Landes durchsetzen konnte, ist auch eher unwahrscheinlich, dass sich Pereira für den Defensivmann mit dem prominenten Namen erwärmen kann.

Inzwischen, so scheint es, hat der Coach das drängende Thema Wintertransfers selbst in die Hand genommen. Erwartet wurde gestern Abend die Ankunft eines senegalesischen Hünen, der schon einmal unter Pereira gespielt hat. Abdoulaye Ba, 26, ist sein Name. Stammverein des siebenmaligen Nationalspielers ist der FC Porto, Heimatklub des Trainers. Die beide hatten allerdings bei Pereiras letzter Station Fenerbahce Istanbul miteinander zu tun. Ba wurde seit 2010 immer wieder ausgeliehen (zuvor an Guiamaraes, Vallecano, Alanyaspor). Die Eindrücke sind in jedem Fall noch frisch. Pereira traut Ba offenbar zu, die neu formierte Dreierkette zu stabilisieren.

Ismaik verkauft den sich anbahnenden Ba-Transfer (Marktwert: 1,7 Mio. Euro) als Startschuss für weitere, wohlüberlegte Winterschlusseinkäufe. Unter Pereira werde es „keine Hau-Ruck-Aktionen mehr geben“, schreibt Ismaik: „Er ist ein Denker und Lenker – und motiviert wie ich. Er hat Spieler selektiert, die für die große Herausforderung 1860 bereit stehen.“

In Ismaiks Augen läuft also alles nach Plan. Auch deshalb blickt er hoffnungsvoll dem Heimspiel gegen Fürth entgegen, bei dem er selber vor Ort sein möchte. „Von ganzem Herzen wünsche ich allen Neuzugängen, unserem neuen Trainerstab und unserer Mannschaft eine Rückrunde mit vielen positiven Höhepunkten (...). Ich bitte darum, dass Ihr Euch nicht von den negativen äußeren Einflüssen beeindrucken lässt.“ Zum Beispiel von Wintertransfers, die noch nicht unter Dach und Fach sind – aus welchen Gründen auch immer.

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