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Die ersten Alarmsirenen schrillen

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- München - Mit der Ankunft in München war das Abenteuer Aue noch nicht vorbei. Um kurz vor Zwei rollte der Bus des TSV 1860 am Samstagmorgen an der Grünwalder Straße vor, um kurz nach Zwei begann das Training unter Flutlicht. Zeugen berichteten von Steigerungsläufen, die Rudi Bommer seiner Mannschaft als Quittung für das 1:3 verordnete - exakt das Gegenteil des üblichen lockeren Auslaufens.

Dass der Trainer bereits nach zwei Runden zu jener Maßnahme griff, die ihm als Beleg für seine Strenge vorauseilte, zeigt, wie ernst er die Situation nimmt. Die ersten Alarmsirenen schrillen. Auch gestern Vormittag, als um ihn herum der Tag der offenen Tür nur mühsam in Gang kam, war der Ärger noch groß. Vor dem Training tagte Bommer mit dem Mannschaftsrat (Agostino, Komljenovic, Pflipsen, Lehmann und Cerny als Vertreter von Roman Tyce, der bei der Nationalmannschaft weilt). 20 Minuten dauerte der erste Krisengipfel, danach traten fünf von sechs Teilnehmern schweigend ins Freie.

Geldstrafe für Michael Hofmann?

Geredet hat nur Bommer, aber es war weniger eine Rede als eine Abrechnung. Er fühlt sich enttäuscht von seiner Mannschaft, denen er wochenlang Vorträge über den speziellen Charakter der Zweiten Liga gehalten hat und die nun aufspielt, als hätte sie nicht zugehört. Es sind grundsätzliche Dinge, die der Trainer beanstandet, von der Defensivarbeit nach Ballverlusten bis zum "Verschieben und Zweikämpfe gewinnen". Bis auf gelegentliche Lichtblicke in der Offensive wirkte 1860 in Aue wie eine Mannschaft im Testbetrieb. Die einzelnen Teile sind nur lose verbunden, einer verlässt sich auf den anderen, besonders in der Rückwärtsbewegung. Vor dem 1:2 klaffte auf der rechten Abwehrseite ein so großes Loch, dass der Münchner Bus dort hätte rangieren können. "Da haben etliche gepennt", moniert der Trainer.

Letztes Glied der Fehlerkette war Michael Hofmann, in dessen Torwarteck der Ball einschlug. Auch beim anschließenden TV-Interview hätte man dem Schlussmann mehr Geschick gewünscht. Seine Klagen über die Abgänge, die bisher nicht zu kompensieren seien, und den Druck durch die Vereinsführung ("Es heißt immer, wir müssen alles gewinnen") werden für Hofmann ein Nachspiel haben. Wenn er seine Freunde vermisse, müsse er sich fragen, "ob er Profi genug ist", konterte Bommer schneidend. Das Argument Druck zählt bei ihm nicht. Er spürt ihn selber und forciert ihn noch. "Man braucht nicht mehr zu sagen, als dass wir hoch müssen." Und das, sekundierte Karl Auer, "hat jeder gewusst, als er seinen Vertrag unterschrieben hat".

Mit Nachsicht kann Hofmann nicht rechnen. Eine Geldstrafe schließen weder Trainer noch Präsident aus. Es wird dem Torwart nicht helfen, dass er am Freitag wieder mal Leidtragender der wackeligen Abwehr war und auf dem Platz wie daneben einer der Wenigen ist, die Leidenschaft zeigen. Auffallend deutlich weist Bommer auf die "drei Fehler" Hofmanns hin, die in der jungen Saison schon zu Gegentoren führten: "Da sollte er sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen."

Bereits nächstes Wochenende wird Hofmann seinen Platz verlieren. Im DFB-Pokal ersetzt ihn wie vereinbart Timo Ochs. Wie es danach weiter geht, lässt Bommer bewusst offen. Zu seinen Prinzipien gehört, die Mannschaft auch über die Medien zu bearbeiten. "Zwei, drei Tage" will er sich anschauen, ob die Reservisten, die ihm bisher zu zahm sind, der Stammbesetzung den Platz streitig machen. Sollte die zweite Garde ihn weiter enttäuschen, will der Trainer "die Notbremse ziehen" und U 23-Kräften eine Chance geben.

Die drastische Wortwahl spricht Bände, Bommer ist in erhöhter Alarmbereitschaft. Noch scheut er sich davor, auf dem Transfermarkt nachzurüsten, und verweist auf die leeren Kassen. Am Ende des Gesprächs sagt er aber auch: "Wir können bis Ende August noch kaufen." Mit schönem Gruß an die Mannschaft.

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