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Alles im Blick: Sportchef Gerhard Poschner (l.) freut sich in Marbella über die virtuose Rückkehr von Dominik Stahl auf den Trainingsplatz. Mit Reinhard Tichy, dem Berater von Rubin Okotie, wird er demnächst über die Möglichkeiten einer Vertragsverlängerung sprechen.

Die Taube zielt daneben

Erstes Marbella-Fazit: Einige Fragezeichen bei 1860

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Marbella - Nach neun Tagen in Marbella geht es für 1860 am Freitag zurück in den Münchner Winter. Mit Neuzugang Annan im Flieger, frischem Mut für den Abstiegskampf – und einigen Fragezeichen.

Nein, Ex-Trainer und Chefkritiker Werner Lorant hat sich dann doch nicht blicken lassen im Löwen-Camp von Marbella – obwohl seine andalusische Finca gerade zehn Autominuten entfernt liegt. Zu den Besuchern, die sich für die Trainingseinheiten unter andalusischer Sonne interessierten, zählten die treue Gruppe der Allesfahrer, „normale“ Fans, Journalisten – und ein Herr mit violett-rotem Flanellhemd und kahler Stirn.

Reinhard Tichy, Berater von Löwen-Torjäger Rubin Okotie, hatte sich angeblich nur zufällig in die gepflegte Anlage des „Estadio Municipal de San Pedro“ verirrt. Der Ex-Profi (Linzer ASK) und frühere Amateurcoach sagte, die anstehenden Vertragsgespräche mit 1860 und Okotie seien nicht der Grund für seinen Besuch gewesen: „Ich bin jedes Jahr um diese Zeit hier unten.“ Auch für sein ausgelassenes Tribünen-Tête-à-Tête mit Löwen-Sportchef Gerhard Poschner hatte der Wiener eine plausible Erklärung: „Mir ham über Sevilla g’sprochen, der Poschi kennt sich ja aus. I hob eam erzählt, dass mir bei Betis a Taub’n aufn Kopf gschissn hod. Drum ham mir so g’lacht.“ Ganz so genau wollte das zwar keiner wissen, aber damit deutete der Okotie-Vertraute an, dass er ein offenbar recht entspanntes Verhältnis zum Manager der Münchner pflegt.

Über das ernste Thema – Okoties 2016 endenden Vertrag, sein Liebäugeln mit der Bundesliga, die Möglichkeiten seines Verbleibs in München – hielt sich der versierte Berater bedeckt. „Prinzipiell spricht nichts dagegen“, machte er den Löwen-Fans Mut – um im nächsten Satz gleich wieder alles in Frage zu stellen: „Aber der Rubin ist der entscheidende Mann.“ Soll heißen: Nichts ist gewiss. Okotie fühlt sich wohl in München und will nicht ausschließen, seinen Aufenthalt beim TSV 1860 zu verlängern. Es kann aber auch sein, dass er im Sommer weg ist. Nur die Möglichkeit eines Wintertransfers, die schloss Tichy aus. Letztlich also keine neuen Erkenntnisse. Dass beide Optionen theoretisch denkbar sind, wussten die Okotie-Fans auch schon vorher.

So weit zur ungeklärten Zukunft der personifizierten Löwen-Hoffnung. Sportlich immerhin geht es aufwärts mit dem Österreicher. Sein rechtes Knie, in dem ein Band angerissen war, schmerzt immer weniger. Und wer weiß: Vielleicht bekommt Okotie ja in Kürze Gesellschaft im Angriff. Ein Landsmann ist im Gespräch: Guido Burgstaller sein Name, einst bei Rapid Wien ein erfolgreicher Stürmer (122 Erstligaeinsätze, 26 Tore, sieben Länderspiele), zuletzt beim Zweitligisten Cardiff City unglücklich, was kurz vor Weihnachten in einer folgerichtigen Vertragsauflösung gipfelte.

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Wechselgerüchte um Ex-Wiener Burgstaller

Sportnet.at schrieb in plakativem Duktus, dass Burgstallers „Insel-Horror“ beendet sei – und berichtet, dass die Löwen ein Auge auf den 25-Jährigen geworfen haben. Trainer und Bayern-Schreck Ole Gunnar Solskjaer (Champions-League-Finale 1999 . . .) hatte Burgstaller vor einem halben Jahr zu den Walisern geholt, war aber wenige Monate später selbst Geschichte. „Es gab viel Einfluss vom Besitzer auf den Trainer und die Mannschaft“, sagte Burgstaller dem Internetportal. „Man munkelt, dass das auch der Grund ist, warum Solskjaer gegangen ist.“ Ein Fall für die Löwen? Es scheint ja neuerdings zum Geschäftsmodell zu gehören, Gescheiterte und Gestrandete nach München zu locken. Mit Okotie landete Poschner einen Volltreffer. Und WM-Teilnehmer Anthony Annan, der Zugang aus Ghana, könnte sich zu einem entwickeln.

Zum Thema Neuzugänge befragt, sagte Poschner dieser Tage: „Es gibt Optionen, die wir gerne mache würden. Aber wir werden nicht etwas tun, nur damit wir etwas getan haben.“ Der Sportchef betonte, er sei grundsätzlich „sehr zufrieden mit dem, was hier im Trainingslager auf dem Platz passiert, sprich: mit dem Kader, den wir haben.“

Dominik Stahl hat wieder Spaß am Ball.

Zufriedenheit, die natürlich auch daher rührt, dass einige der Langzeitverletzten die Reha-Abteilung verlassen haben. Stephan Hain, der erst sportlich, dann gesundheitlich glücklose Stürmer, macht Fortschritte, die Anlass zu Hoffnung geben: Poschner lobte die Torabschlüsse des genesenen Kniepatienten. Und auch Dominik Stahl mischt wieder munter mit. Der schmerzlich vermisste Defensivspieler hängt sich wie vor seiner Verletzung rein, jongliert mit Bällen wie einst Maradona – und erhielt Sonderbeifall der Kollegen. Selbst Rodri (Sprunggelenk) und Edu Bedia (Schambein), die beiden spanischen Sorgenkinder, sind einen Schritt weiter im Genesungsprozess. Beide absolvieren inzwischen Laufeinheiten, werden aber weiterhin viel Geduld aufbringen müssen. Für den Wiederauftakt gegen Heidenheim (9. Februar) sind beide kein Thema. Offen ist schließlich noch, was mit Yannick Stark passiert. Darmstadt hält ihm ja weiterhin einen Platz im Kader frei. Ist er jetzt, da Annan da ist, nicht verzichtbar? „Das kann man so sehen, muss man aber nicht“, mauerte Poschner. Ein Gespräch mit dem Wechselwilligen hat offiziell noch nicht stattgefunden. Klingt nach hartem Poker um die Ablöse. Genau wie bei Bobby Wood, der nicht zu Abstiegsrivale Aue wechseln darf und jetzt bei Sandhausen ein Thema ist.

Anthony Annan dagegen hat sich schon nach drei Tagen gut eingelebt. „Die Umarmung des großen Mannes (Fan Roman Wöll/wir berichteten) hat mir gezeigt, wie leidenschaftlich die 1860-Fans sind“, sagte der Afrikaner, der ergriffen mitteilte: „Ich fühle mich schon jetzt als Teil der Löwen-Familie.“ Das klingt nach heiler Welt, nach neuem Mut und geglücktem Neuanfang. Dass die Taube einen Spielerberater traf und keinen 1860-Akteur, ist womöglich als gutes Omen zu deuten.

von Uli Kellner

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