München hält zam, Flüchtlinge, TSV 1860 München, RB Leipzig, Fan-Aktion
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Fan-Aktion: So fieberten die Flüchtlinge mit 1860 mit

München - Rund 1000 Flüchtlinge konnten dank der Fan-Aktion "München hält zam" gemeinsam mit 1860-Fans das Heimspiel gegen RB Leipzig verfolgen. Der Funke sprang im Nu über.

Euphorie und Ausgelassenheit, das sind Gefühle, die Bewohner der Münchner Bayernkaserne wohl schon lange nicht mehr erleben konnten. Der Alltag der Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung ist normalerweise geprägt von Gedanken über ihre verlassene Heimat und die ungewisse Zukunft. Das alles jedoch konnten rund 1000 von ihnen für etwas mehr als 90 Minuten ausblenden: als sie am Sonntag in den Blöcken 235 und 236 der Allianz Arena die Münchner Löwen gegen RB Leipzig (2:2) anfeuerten.

Da saßen zum Beispiel zwei afghanische Kinder im Grundschulalter auf ihren Schalensitzen, kauten auf Riesenbrezn herum und baumelten vergnügt mit den Füßen, während sie mit großen Augen das Geschehen auf dem Platz und den Rängen bestaunten. Begeistert klatschten sie bei jedem Gesang mit, den die Nordkurve der Sechzger ein paar Ränge entfernt angestimmt hatte. Ein Anblick, der einem das Herz aufgehen ließ. Über den Kindern hatte eine Gruppe von Syrern Platz genommen, die zwischen minutenlangen Olé-Gesängen und Handyfotos hin- und herwechselte. Etwas weiter unten saßen drei Eritreer, die zu Spielbeginn noch recht eingeschüchtert von der Arena-Kulisse wirkten. Doch spätestens nach der ersten "Steht auf, wenn Ihr Löwen seid!"-Runde, die das ganze Stadion erfasste, waren auch sie in gelöster Fußball-Laune.

Möglich gemacht hatte ihnen diese Ablenkung der Löwenfan Alexander Inderst: Er hat am 1. September eine Veranstaltung bei Facebook gegründet, in der er andere Fans dazu aufrief, zu ihrem eigenen Ticket ein zweites für Flüchtlinge mitzukaufen. "München hält zam" taufte er die Aktion, an der innerhalb weniger Wochen viele Hundert User teilnehmen wollten. "Der gemeinsame Stadionbesuch als weiß-blauer Willkommensgruß", so lautete Indersts selbsterklärtes Ziel. Keine PR-Aktion, sondern eine Geste der Mitmenschlichkeit. Die Resonanz war großartig, manch einer kaufte gleich zwei oder drei Tickets mehr. Auch der Verein und einige seiner Sponsoren unterstützten die Aktion unbürokratisch: Der TSV 1860 rundete das gespendete Ticket-Kontingent großzügig auf, so dass am Sonntag rund 1000 Eintrittskarten und zwei reservierte Blöcke zur Verfügung standen. Per Bus-Shuttle ging es dann für die Flüchtlinge von der Bayernkaserne direkt zum Stadion. Dort wurden sie von Löwenfans, Spielern, Verantwortlichen und natürlich Alexander Inderst sowie seinem Helfer-Team in Empfang genommen, mit eigens bedruckten Schals ausgestattet und zu ihren Sitzplätzen begleitet.

Dass nicht jeder der Asylbewerber ein tiefblauer war, und der Großteil wohl noch nie etwas vom Münchner Traditionsverein gehört hatte, das störte an diesem Tag nicht. Auf den Rängen sprang der Funke im Nu über, und am Ende sehnten die neuen Fußballfreunde genauso sehr ein 3:2-Siegtor herbei, wie die Ultras im 130er Block. Dass es schließlich (wieder einmal) nicht gereicht hatte, das schien im 235er und 236er nach Abpfiff aber gar nicht so schlimm. Hier fühlten sich viele trotzdem als Gewinner des Tages.

Das bewiesen eine Stunde später auch die Szenen, die sich rund um die Bayernkaserne abspielten: Menschen unterschiedlichster Herkunft säumten die Bürgersteige entlang der Heidemannstraße. Und viele von ihnen schwenkten noch immer euphorisch die hellblauen Schals mit dem Schriftzug: "München hält zam".

Armin Forster

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