+
Muss hinter Gitter: Löwen-Fan Reinhard H. hatte sich während des Relegationsspiels nicht im Griff.

Richter spricht von „Angriff auf Demokratie“

„Frust hat mich übermannt“ Löwen-Fan muss nach Relegations-Randale in Haft

  • schließen

Die Löwen stehen kurz vor der Regionalliga-Meisterschaft. Doch das verlorene Relegationsduell gegen Regensburg vor einem Jahr wirkt nach. Ein Fan muss nun wegen der Ausschreitungen hinter Gitter.

München - Misswirtschaft, Chaos im Verein, sportliche Talfahrt - und dann kam der 30. Mai 2017, der Tag des Abstiegs in die Fußball-Drittklassigkeit. Für den TSV 1860 München wurde er auch zum Tag der Schande.

Beim Spiel gegen den SSV Jahn Regensburg in der Allianz Arena versuchten einige Löwenrandalierer, in der 75. Minute den Platz zu stürmen. Sie schlitzten das Ballfangnetz auf, rissen Sitzschalen aus der Verankerung, warfen Fahnenstangen auf Polizisten, Spieler und Ordner. Mittendrin: Reinhard H. Dem 30-Jährigen wurde am Mittwoch am Amtsgericht München der Prozess wegen Landfriedensbruchs im besonders schweren Fall und versuchter gefährlicher Körperverletzung gemacht. Das Urteil: knüppelhart! H. muss in den Knast.

Lesen Sie auch: Stadionverbot und happige Geldstrafe: Löwen-Fan für Randale verurteilt

„Ganzer Frust hat mich übermannt“

„Es waren 30 Sekunden, in denen mich der ganze Frust übermannt hat“, versucht Reinhard H. seine Beteiligung an der Randale zu rechtfertigen. „Ich habe mich hinreißen lassen. Es waren so viele Emotionen dabei.“

Der gebürtige Dachauer wusste genau, dass er sich nichts mehr erlauben durfte. Denn Reinhard H. war bereits vor dem Spiel mehrfach vorbestraft. Körperverletzung, Beleidigung, Drogen. Zwei Bewährungsstrafen liefen. Der Polizei ist Reinhard H. längst als gewaltbereiter Löwenfan bekannt. Der Verein verhängte im August vergangenen Jahres ein Stadionverbot gegen den Steinmetz und gelernten Koch.

Lesen Sie auch: Bierofka nach Illertissen-Sieg: „Ich muss googeln, ob es das schon einmal gegeben hat“

Angeklagter bestreitet Angriff auf Polizisten

Am 30. Mai aber wollte er sich raushalten. Seit Jahren hat er in der Nordkurve die Mitverantwortung für Fanchoreografien, Plakate und Banner. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es zu Ausschreitungen kommt“, sagt er. „Aber plötzlich wurde es immer hitziger.“ Ja, er habe an dem Ballfangnetz gezerrt. Auch einen Stangenwurf auf das Spielfeld gesteht er vor Gericht. „Es tut mir leid, was passiert ist. Ich wollte niemanden treffen. Es war kein Angriff auf Polizisten“, will er klarstellen. Die Staatsanwältin sieht das anders. „Es ist unvorstellbar, was sich hier abgespielt hat“, sagte die Juristin in ihrem flammenden Plädoyer. „Man greift zur Gewalt, weil man die eigene Frustration nicht loswird. Diese Szenen haben sich auch Familien mit Kindern ­anschauen müssen. Hier muss man ein deutliches Signal setzen!“

Und das tat Richter Dr. Carsten Freiherr von Chiari auch: „Das war ein Angriff auf die Demokratie“, stellte er klar. Zu Reinhard H. sagte er: „Es wird Zeit, dass Sie Verantwortung übernehmen.“ Urteil: ein Jahr und neun Monate Gefängnis.

Lesen Sie auch: Meisterschaft der Löwen fast perfekt - 1860-Titel beim Derby?

Johannes Heininger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

So dünn wird die Luft jetzt für die Löwen: Willkommen im Abstiegskampf
1:3 verloren gegen ein Team, das bis eben noch auf einem Abstiegsplatz stand. Die Konsequenz der Löwen-Vorstellung gegen Jena ist bitter - bald geht es nämlich nur noch …
So dünn wird die Luft jetzt für die Löwen: Willkommen im Abstiegskampf
Stimmen Sie ab: Nach Niederlage gegen Jena - Wer war der beste Löwen-Spieler?
Der TSV 1860 München hat im Grünwalder Stadion gegen Jena 1:3 gespielt. Sie entscheiden: Wer war der beste Löwen-Spieler am heutigen Tag?
Stimmen Sie ab: Nach Niederlage gegen Jena - Wer war der beste Löwen-Spieler?
Ticker: Dezimierte Löwen kommen stark zurück, doch Jena ist eiskalt
Der TSV 1860 München empfängt am Sonntag Abstiegskandidat FC Carl Zeiss Jena, die Löwen wollen den fünften Heimsieg der Saison. Ob das klappt, erfahren Sie hier im …
Ticker: Dezimierte Löwen kommen stark zurück, doch Jena ist eiskalt
Stromausfall in München: U-Bahn-Stationen, Radio, 1860 und Tierpark betroffen - Probleme auch im Südbad
Stromausfall in München: Am Freitagnachmittag gab es nicht nur bei der U-Bahn Probleme. Auch 1860 und der Tierpark waren betroffen.
Stromausfall in München: U-Bahn-Stationen, Radio, 1860 und Tierpark betroffen - Probleme auch im Südbad

Kommentare