Robert Glatzel hat beim FSV Mainz 05 einen Bundesliga-Rekord aufgestellt.
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Robert Glatzel hat beim FSV Mainz 05 einen Bundesliga-Rekord aufgestellt.

Mainz-Stürmer wurde beim SC Fürstenfeldbruck ausgebildet

Für Robert Glatzel „hat es für ein NLZ sportlich nicht gereicht“

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
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Ein vor 14 Jahren beim SC Fürstenfeldbruck ausgebildeter Fußballer hat es ins Bundesliga-Geschichtsbuch geschafft: So früh am Tag wie Robert Glatzel (27) hat noch kein anderer Profi ein Tor geschossen.

Fürstenfeldbruck/Mainz– Gegen Hoffenheim traf der 27-jährige Mittelstürmer des FSV Mainz 05 nach 26 Sekunden ins Schwarze. Weil die Sonntagspartie um 13.30 Uhr so früh wie noch nie in der 59-jährigen Erstliga-Geschichte angepfiffen wurde, war Glatzel reif für einen Rekordschützen-Eintrag. 26 Sekunden lagen zwischen Anstoß und Torjubel.

Gelernt hat der gebürtige Münchner das Fußballspielen beim SC Fürstenfeldbruck. Und zwar bei Florian Schober. Unter dessen Trainer-Ägide begann Glatzel als „klassischer Sechser“, wie ein vor der Abwehr agierender zentraler Mittelfeldspieler genannt wird. Schober und seine Talentsichter hatten den damals 13-Jährigen entdeckt, als er noch als D-Jugendlicher beim SC 1906 in Haidhausen kickte. „Bei mir hat es für ein Jugend-Leistungszentrum der zwei großen Münchner Vereine sportlich noch nicht ganz gereicht. Da bot sich der SCF als so eine Art Zwischenschritt an“, erinnert sich Glatzel. „Fürstenfeldbruck hatte in der Jugend damals relativ hoch gespielt.“

„Robert war mental weit fortgeschritten“

Schober, unter dessen Fittichen etliche Talente standen, die heute als Profis ihr Geld verdienen, hat den aktuellen Mainzer Mittelstürmer ebenfalls noch in bester Erinnerung: „Er war im Grunde das, was man als Rohdiamant bezeichnet.“ Den entsprechenden Schliff bekam Glatzel zwischen 2009 und 2012 bei den U15-, U16- und U17-Teams des SCF, der seinerzeit noch eine echte Größe in der Jugendfußball-Szene des Münchner Großraums und Kooperationspartner des FC Bayern war. Gekrönt wurde der erste Karriere-Höhepunkt mit der Landesliga-Meisterschaft. Schober: „Robert war damals schon technisch sehr versiert und für sein Alter auch mental weit fortgeschritten.“

An seinen Trainer und die Mitspieler von damals erinnert sich Glatzel noch heute lebhaft: „Es war eine superschöne Zeit. Wie’s in der Jugend halt so ist, haben wir viel Schmarrn gemacht, aber auch fußballerisch viel gelernt“, so der Mainzer Stürmer. „Ich vermisse schon etwas die alten Tage, als ich noch mit der S-Bahn mehrmals die Woche rausgefahren bin zum Training nach Fürstenfeldbruck.“

Kein Kontakt zu ehemaligen Mitspielern

Getroffen hat Glatzel seitdem keinen Ex-Kollegen aus der Jugendzeit mehr. „Zu ein paar ehemaligen Mitspielern habe ich noch Kontakt, aber eher lose, nicht so auf Freundschaftsebene.“ Und auch den Draht zu seinem Entdecker hat er verloren. Florian Schober hatte sich vor drei Jahren vom SCF getrennt, war danach Trainer beim Kreisklassisten SC Weßling und wurde dort in der Winterpause entlassen.

Nur ein Jahr älter als Glatzel ist Benedikt Saller. Der 28-jährige Adelshofener, der beim Zweitligisten Jahn Regensburg mittlerweile zum Stammspieler gereift ist, war zur gleichen Zeit beim SC Fürstenfeldbruck, stand aber mit Glatzel nie zusammen auf dem Platz. Trotzdem kennen sich beide recht gut. „Wir waren in der gleichen Schule,“ erzählt Glatzel, der erst im Februar zu den Mainzern gewechselt war. Dort war bis vor fünf Jahren auch Saller am Ball.

Bundesliga-Rekord als „lustige Randnotiz“

Während dessen weitere Karriere innerhalb der deutschen Grenzen verlief, führte die von Robert Glatzel nach dem SCF über Unterhaching, Heimstetten, Burghausen, 1860 München, Kaiserslautern und Heidenheim zum britischen Zweitligisten Cardiff City. Wegbereiter auf die Insel und zum ehemaligen walisischen Europacup-Teilnehmer waren zweifellos auch seine drei Tore, die er für Heidenheim in der Saison 2018/19 beim 4:5 im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern erzielt hatte. Der verheiratete Vater von zwei Töchtern (zwei und vier Jahre) hat bei den Bluebirds in Wales zwar noch einen Vertrag bis 2022, wurde aber für die restliche Bundesliga-Saison an Mainz 05 ausgeliehen. Dort soll er im Bundesliga-Abstiegskampf für ein Happy End sorgen.

Nachdem der Mittelstürmer (aktueller Marktwert: zwei Millionen Euro) bereits als eingewechselter Joker gegen Leverkusen getroffen hatte, gelang ihm nun bei seinem ersten Startelf-Einsatz gleich das sagenhafte Blitztor. Dass er damit zumindest in den Augen der Statistiker Bundesliga-Geschichte geschrieben hat, erfuhr er erst nach Spielschluss beim TV-Interview für die Sportschau. „Meine Frau hat mir dann gleich noch einen Online-Artikel geschickt, wo es drin stand. Das ist aber alles eher nur eine lustige Randnotiz“, erzählt Glatzel. Viel wichtiger sei für ihn aber der Klassenerhalt.

Robert Glatzel fühlt sich sehr wohl in Mainz

Doch selbst wenn der gelingt, ist Glatzels sportliche Zukunft noch ungewiss. Die Leihe endet im Juni. „Wie es weitergeht, weiß ich nicht. Nach dem jetzigen Stand schaut es danach aus, als würde ich im Sommer wieder zurück nach Cardiff gehen.“ Aber auch einen weiteren Verbleib in Mainz kann er sich vorstellen: „Es ist super hier, da kann man sich sehr wohl fühlen.“ Zumal mittlerweile auch Ehefrau und Kinder wieder in Deutschland sind.

Auch der Weg zu seinen weiterhin in München lebenden Eltern – der Vater ist ein gebürtiger Eritreer – wäre von Mainz aus nicht so weit. Und obwohl er seine Verwandtschaft regelmäßig besucht: Ins benachbarte Fürstenfeldbruck hat es Glatzel seit seinem letzten Spiel im SCF-Trikot vor zehn Jahren nicht mehr verschlagen. „Und ehrlich gesagt, verfolge ich seitdem auch das Geschehen im Verein nicht mehr.“

(Peter Loder)

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