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Ein Füllhorn voller Forderungen für die Löwen

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Präsident Dieter Schneider (r, hier mit dem potentiellen Investor Hasan Ismaik) vergleicht die Gläubiger mit den Garmischer Bauern © dpa

München - Drei Hürden stehen dem Investment von Hasan Abdullah Ismaik bei den Löwen entgegen - Präsident Dieter Schneider: 1860 braucht keinen „starken Maxe"

Eigentlich sollte das Thema längst durch sein. Als Hasan Abdullah Ismaik am 9. April zum Heimspiel gegen Energie Cottbus einflog, hofften die Löwen, dass der ersehnte Investorendeal binnen kürzester Zeit sämtliche (Finanz-)Sorgen lösen würde. So kann man sich täuschen. Der Jordanier ist zwar ein freundlicher, aber auch ein sehr bestimmter Mann - einer, der genau weiß, welche Gegenleistung er sich für sein Geld (13 Millionen Euro für zunächst 49 Prozent der KGaA-Anteile) vorstellt. Ein Satz von Dieter Schneider verdeutlicht, warum sich beide Parteien noch nicht abschließend auf eine Zusammenarbeit einigen konnten. Man wolle Partner bleiben, sagte der 1860-Präsident der SZ, nicht Befehlsempfänger werden. Unsere Übersicht zeigt, wo es bei den Verhandlungen derzeit noch hakt.

Altschulden

Ismaik will bekanntlich nur fünf Millionen Euro der Altschulden übernehmen, die laut Schneider mit 9 bis 12,5 Millionen Euro zu Buche schlagen, je nach Definition. Der Präsident sagt, die Verhandlungen seien „schwierig, doch wir kommen langsam voran“. Er vergleicht die Situation der Gläubiger mit der Blockadehaltung der Garmischer Bauern bei der Olympiabewerbung. „Jeder wartet bis zuletzt, weil er denkt: Jetzt kommt der reiche Araber und schüttet sein Füllhorn über uns aus. Da wird er es doch an mir nicht scheitern lassen.“ Nicolai Schwarzer zum Beispiel scheint nicht bereit zu sein, auch nur auf einen Cent seiner Altschulden zu verzichten. „Mit Emotionen“, hält Schneider entgegen, „kommen wir aber nicht weiter. Jeder Gläubiger hat dem Verein irgendwann mal aus der Patsche geholfen, und letztlich wird auch Herr Schwarzer die Sache kaufmännisch sehen müssen.“ Jedem müsse bewusst sein, „dass wir eine Lösung bringen müssen, denn die Alternative heißt: Wir finden keine Lösung, und dann sieht kein Gläubiger etwas von seinem Geld wieder.“ Weil der Verein dann insolvent wäre.

Mitspracherecht

Ismaik hält es mit dem alten bayerischen Sprichwort: Wer zahlt, schafft an. Obwohl der Jordanier gemäß den DFL-Statuten nur ein Minderheits-Gesellschafter werden darf, fordert er ein Maximum an Mitspracherecht. Auch und vor allem bei Personalentscheidungen. Die Vertragsverlängerung mit Trainer Reiner Maurer, über die Ismaik informiert war, heißt er gut. Die geplante Installierung von Florian Hinterberger als Sportkoordinator irritiert ihn dagegen, weil er nach eigener Auskunft nicht eingeweiht war. Zudem würde er gerne einen Mann seines Vertrauens als zweiten Geschäftsführer einsetzen - der Verein denkt darüber nach. „Ist doch verständlich, dass einer größtmöglichen Gestaltungsraum fordert, wenn er sich mit so viel Geld engagiert“, sagt Schneider, schränkt aber ein: „1860 ist ein Sportverein, da hilft es niemandem, wenn einer kommt und den starken Maxe markiert.“ Gleichwohl würde man dem Jordanier auch mittels Satzungsänderung „ein gewisses Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsrecht einräumen“.

Wen bringt Ismaik als "verlängerten Arm" mit nach München?

Option auf 50+1

Der Vertragsentwurf, den die Löwen in Kürze an die DFL schicken wollen, wird auch eine brisante Forderung enthalten: Ismaiks Wunsch, das Engagement bei 1860 von 49 auf 51 Prozent auszudehnen, sobald die DFL ihre Regelung lockert. Dass generell Bewegung in die Sache kommt, belegt die Tatsache, dass sich ein DFB-Schiedsgericht nach der Saison mit einer entsprechenden Klage aus der Liga befassen will (Vorkämpfer: Martin Kind, Präsident von Hannover 96). Schneider fände es grundsätzlich nicht schlimm, würde sich das 51:49 zwischen 1860 und Ismaik irgendwann in ein 49:51 verschieben, er setzt auf ein vertrauliches Miteinander, das die geplante Partnerschaft von Beginn an kennzeichnen soll. „Die Gestaltungsmöglichkeiten, die wir Herrn Ismaik jetzt einräumen, müssten auch für uns gelten, wenn sich die Sache eines Tages umdreht und wir dann der Minderheits-Gesellschafter wären.“ Was die DFL von diesem Modell hält, werden die Löwen sicher schon bald erfahren. Schneider: „Wir wollen die DFL aber nicht als Schiedsrichter einsetzen. Das, was wir hinschicken, wird in jedem Fall so gestaltet sein, dass beide Partner gut damit leben könnten.“ Bis Mitte Mai soll und muss endgültig Klarheit herrschen.

von Uli Kellner

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