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Delegiertenversammlung im Zeichen der Geldsorgen

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Otto Steiner kehrt in den Aufsichtsrat des TSV 1860 zurück. © dpa

München – Es passt zu einem melancholischen Verein wie dem TSV 1860, dass einer der wichtigsten Termine stets im November stattfindet. Wenn nicht nur der Blick aus dem Fenster grau und trostlos ist, sondern auch der auf die Tabelle, dann ist traditionell Versammlungszeit.

217 Vereinsabgeordnete sind aufgerufen, sich am Samstag ab 13 Uhr im Unterschleißheimer Ballhausforum zur 41. Ordentlichen Delegierten-Zusammenkunft einzufinden.

Wenn es ganz unglücklich läuft, was bei den Löwen nie auszuschließen ist, wird die Sitzung unter dem Eindruck eines erneuten sportlichen Dämpfers stehen. Am Abend zuvor tritt die erste Elf bei Zweitliga-Spitzenreiter Bielefeld an (Anpfiff: 20.30 Uhr), und dort wäre alles andere als eine Niederlage ein kleines Wunder. Acht der letzten neun Spiele hat die Arminia gewonnen, die Löwen, die vom früheren Bielefelder Idol Ewald Lienen trainiert werden, sind im gleichen Zeitraum auf acht magere Pünktchen gekommen. Doch was – neben besorgten Fragen zur Zukunft von Trainer und Team – ist noch zu erwarten im vornehmen Unterschleißheimer Kongresszentrum?

Wichtigste Tagesordnungspunkte sind die Entlastung des Präsidiums (Top 8) um Rainer Beeck und die Wahl des Aufsichtsrats (10.1.). Beides dürfte glatt über die Bühne gehen. Die Investorenposse vom Februar ist längst kein Thema mehr – ebenso wenig Konfliktpotenzial birgt die Besetzung des Kontrollgremiums. Die breite Mehrheit wird die vom ARGE-lastigen Wahlausschuss vorgeschlagene Liste brav abnicken.

Die Löwen gönnen sich fünf neue Räte. Mit TV-Unternehmer Otto Steiner und Grünen-Bürgermeister Hep Monatzeder kehren zwei vertraute Gesichter in das zwischenzeitlich dezimierte Gremium zurück. Neu dabei sind: Staatsminister Siegfried Schneider, Strafverteidiger Klaus Leipold und Klaus Hagl aus dem Golfressort der Skiabteilung. Prominentester Ausscheider ist OB Christian Ude, BLV-PräsidentKarl Rauh fällt internen Machtkämpfen zum Opfer. Überleben werden die dreijährige Legislaturperiode nur: Christian Waggershauser, Christoph Öfele, Peter Lutz und die etwas später eingestiegene Christina Jodlbauer.

Personalfragen sind am Samstag aber nicht das Wichtigste. Zu erwarten sind emotionale Redebeiträge zu den Themenbereichen Finanzen (Lage: angespannt) und Stadion (Tenor: Raus aus der Arena, rein ins Grünwalder). Hans Vonavka, Sprecher der Fanfraktion Pro1860, sagt indes: „Ich erwarte keine großen Konflikte. Was die Stadionfrage und das Aufeinanderzugehen der Fanlager betrifft, sind wir um Quantensprünge weiter als vor drei Jahren.“

Dass Pro1860 offiziell weiter an Einfluss verliert und mit Waggershauser und Öfele nur noch zwei Räte stellt, ist dem schlechten Abschneiden bei der Fußball-Abteilungsversammlung geschuldet. 143 Delegierten sind seitdem der ARGE zuzurechnen, nur 31 konnte Pro1860 behaupten, wobei die Grenzen bei Sachfragen ohnehin verwischen. Die Einsicht, dass der Verein als Mieter im teuren Stadion des FC Bayern kaum überlebensfähig ist, hat sich lagerübergreifend durchgesetzt. Personen mit Spaltpotenzial wie Stefan Ziffzer gibt es derzeit nicht. Geschäftsführer Manfred Stoffers kommt allgemein gut an. Präsident Beeck hält sich zwar brav im Hintergrund, wird aber von vielen für seine besonnene und integrative Art geschätzt.

Die Löwen, das ist auf allen Ebenen zu hören, werden sich bemühen, eine sachliche Versammlung abzuhalten. Vonavka sagt: „Es ist extrem wichtig, keine neuen Negativschlagzeilen zu produzieren.“ Sportlich hat der Verein schließlich genug Sorgen. Zudem will man nicht all jenen Futter geben, die die Löwen ohnehin kritisch beäugen und die in der Stadionfrage noch wichtig werden könnten: die Stadt und der FC Bayern.

Uli Kellner

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