1. Startseite
  2. Sport
  3. TSV 1860

Felhis fataler Klammergriff

Erstellt:

Kommentare

null
Drückend überlegen? Dieses Attribut erwarb sich in Cottbus keines der beiden Teams. Die Löwen um Stürmer Mlapa hielten diesmal zumindest kämpferisch dagegen. © dpa

München/Cottbus - Bei der 0:1-Niederlage in Cottbus beklagte der TSV 1860 „Pech“ bei strittigen Elfmeterszenen. Ein Hoffnungsschimmer: U23-Kapitän Dominik Stahl bringt Stabilität ins Team.

Kenny Cooper hatte unter der Woche gut aufgepasst. Er stand jetzt bei den Unparteiischen, deutete auf seinen Ärmel und beschwerte sich. Ewald Lienen hatte die Löwen nach dem zu Unrecht aberkannten Tor gegen den FCK zu mehr Gegenwehr bei fragwürdigen Pfiffen aufgefordert („Da muss ich Druck auf den Schiedsrichter ausüben, da muss ich mich wehren!“), und genau das tat der US-Stürmer nun: Er übte Druck auf Schiri Ittrich aus, er wehrte sich, er wollte diesen Handelfmeter. Das Dumme war nur, dass das Spiel bereits beendet war.

Mit 0:1 hatten die Löwen bei Energie Cottbus verloren, und sehr zum Verdruss von Lienens Team war die spielentscheidende Szene eine, die man so oder so auslegen kann. War es Stürmerfoul, weil der Cottbuser Emil Jula 1860-Verteidiger Radhouène Felhi sekundenlang am Trikot gezogen hatte? Oder wog es schwerer, dass Felhi sich mit einem Klammergriff gegen den Eindringling wehrte?

Die Löwen liefen gleich zu fünft auf den Pfeifenmann zu, sie redeten auf ihn ein, wie Lienen es gefordert hatte, doch Ittrich entschied: Elfmeter. Sergiu Radu schickte Gabor Kiraly in die falsche Ecke (62.), und 1860 stand mal wieder mit leeren Händen da. „War auch Pech dabei heute“, sagte Lienen zerknirscht. „Wenn wir den Handelfmeter kurz vor Schluss kriegen, holen wir den verdienten Punkt.“ So aber gehen seine Löwen mit dem unguten Gefühl in die Länderspielpause, drei Spiele in Folge und fünf der letzten sechs Auswärtsspiele verloren zu haben.

Es ist ein schwacher Trost, aber: Die Pleite von Cottbus hatte eine andere Qualität als zum Beispiel die Niederlagen in Aachen oder Frankfurt. Die giftgrünen Löwen standen stabiler, sie traten als Mannschaft auf, sie bügelten gegenseitig ihre Fehler aus. Die Kompaktheit, von der Trainer gerne sprechen, war vor allem in der ersten Halbzeit zu beobachten. „Da sind wir gut gestanden, haben fast nichts zugelassen und hatten auch ein paar gute Strafraumszenen“, befand Lienen.

Die Meinung, dass sein Team das Spiel vor der Pause entscheiden „musste“, hat der Coach allerdings exklusiv. Immerhin: Mit ein bisschen Glück und Timing wären Kopfballtreffer durch Mlapa (37.) und Holebas (41.) im Bereich des Möglichen gewesen.

In der Krise klammert man sich an jedes Detail, das Hoffnung macht. Punkte wären Lienen zwar lieber gewesen, aber vielleicht hat er im Stadion der Freundschaft zumindest eine Auswärtself gefunden, die nicht beim kleinsten Widerstand einknickt.

Benjamin Schwarz machte seine Sache hinten links deutlich besser als zuletzt Jose Holebas (der eine Position nach vorne rückte), Mate Ghvinianidze fand an der Seite von Felhi zu mehr Sicherheit als im Verbund mit Torben Hoffmann – und vor der Abwehr ackerte Aleks Ignjovski diesmal neben Dominik Stahl, dem auf Anhieb in die Startelf beförderten U 23-Kapitän.

Überhaupt Stahl. Ihm gelang nicht alles, aber er zeigte Biss. Könnten das alle von sich behaupten, stünden die Löwen nicht da, wo sie die nächsten zehn Tage stehen werden: Auf Platz 15, zwei Punkte vor dem Relegationsplatz.

Claus-Dieter Wollitz, der Lienen freundschaftlich verbundene Cottbuser Coach, gab den Gästen einen weisen Satz auf den Heimweg. „Ich sage schon seit Jahren, dass Sechzig eine gute Mannschaft hat“, so Wollitz. „Sie scheitern nur immer an den eigenen Erwartungen.“ Vielleicht wird es ja jetzt besser. Dass die Löwen nicht um den Aufstieg, sondern ab sofort nur noch gegen den Abstieg kämpfen, müsste nun auch der Letzte kapiert haben.

von Richard Rösener

Auch interessant

Kommentare