1. Startseite
  2. Sport
  3. TSV 1860

Geld oder Fan-Liebe - Reuter bei 1860 München in der Zwickmühle

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

München - Geld oder Fan-Liebe? Knapp drei Jahre nach seinem Amtsantritt beim Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München steckt Manager Stefan Reuter noch immer in der Zwickmühle.

"Wir versuchen gerade, eine Situation hinzukriegen, die uns Entwicklungschancen bietet", sagte Reuter beim Trainingsstart der "Löwen" am Wochenende in München. Die Herzen der Fans könnte der 42-Jährige nur durch sportlichen Erfolg erobern, doch die finanzielle Situation des Tabellenelften zwingt ihn immer wieder zu unpopulären Maßnahmen.

Seitdem der Weltmeister von 1990 am 23. Januar 2006 den Posten des sportlichen Geschäftsführers übernommen hat, sieht er sich sowohl mit den Altlasten aus der Ära des Ex-Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser als auch mit immer neuen Problemen konfrontiert. "Ich arbeite täglich intensiv daran, dass sich die Dinge hier positiv entwickeln", berichtete Reuter. Bei den "Löwen"-Fans ist er dennoch umstritten, was nicht nur mit seiner "roten Vergangenheit" als Spieler des Stadtrivalen FC Bayern München zu tun hat.

Schon oft wähnte Reuter die "Blauen", die 2004 aus der Bundesliga abgestiegen waren, auf einem guten Weg in Richtung Oberhaus. Doch die sportliche Konstanz stellte sich bislang nicht ein. 2006 entkamen die Münchner knapp einem weiteren Absturz, 2007 (8. Platz) und 2008 (11.) landeten sie im grauen Mittelfeld. Im Moment sieht es nicht besser aus. "Wenn nach einem Abstieg nicht gleich der Wiederaufstieg gelingt, muss man sich ganz neu orientieren", sagte Reuter, "da muss man Geduld aufbringen."

Trotz aller Beschwichtigungen und Erklärungsversuche sind Erwartungshaltung und Frust bei den Fans enorm. Große Spielernamen - am liebsten selbst ausgebildet und aus der Umgebung -, natürlich Erstklassigkeit und packende Derbys mit dem FC Bayern im ausgebauten Grünwalder Stadion - Reuter kann mit dem utopischen Wunschzettel der 1860-Anhänger nicht viel anfangen: "Die ganz große Aufgabe des Präsidiums und der Geschäftsführung ist es, das strukturelle Defizit zu verkleinern."

Die Allianz Arena, die jährlich ein Loch von 5,3 Millionen Euro ins Portemonnaie der Sechziger reißt, steht wegen bestehender Verträge nicht zur Disposition. Herzlich willkommen waren folglich die rund drei Millionen Euro, die der VfB Stuttgart kurz vor Neujahr für das wohl größte Talent im Kader, den 19-jährigen Timo Gebhart, auf das 1860-Konto transferierte. "Auch wenn wir wissen, dass wir einen guten Spieler verloren haben, konnten wir aus wirtschaftlichen Gründen nicht anders handeln", betonte Reuter.

Schon plagen die Fans Sorgen ob eines weiteren Ausverkaufs der jungen Talente. Die Bender-Zwillinge Lars und Sven werden seit geraumer Zeit von großen Clubs beobachtet. "Ich gehe davon aus, dass beide in der nächsten Saison für uns spielen werden", versicherte Reuter. Doch zunächst läuft im Juni der Vertrag des dreifachen Familienvaters aus. 1860-Präsident Rainer Beeck hat bereits angekündigt, mit Reuter weiterarbeiten zu wollen. Auf seine bisherige Jahresgage von angeblich rund 350 000 Euro wird er wohl nicht bestehen können. "Zu Verträgen äußere ich mich nicht, auch nicht zu meinem", sagte Reuter.

Joscha Thieringer, dpa

Auch interessant

Kommentare