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Gras fressen

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- München - Einen Tag nach der 0:2-Niederlage gegen Dortmund ging Falko Götz auf Distanz zu seinen Verlierern. Verbal und optisch. Als Letzter kehrte er vom Dauerlauf mit den Stammspielern zurück, trottete wortlos am Trainingsplatz vorbei, lehnte sich an eine Werbebande und verfolgte mit verschränkten Armen die Übungseinheit der Reservisten.

Nach und nach gesellten sich seine Gehilfen hinzu: Erst Co-Trainer Olaf Janßen, dann Torwarttrainer Peter Sirch, schließlich auch der Psychologe, Walter Wölfle. Zehn, 15 Minuten steckte das Quartett die Köpfe zusammen, tauschte sich gestenreich aus, danach gab der Chefcoach die Parole für die kommenden Wochen aus: "Jetzt sind Spieler gefragt, die Gras fressen, die bereit sind, die Knochen hinzuhalten, und da ist es mir egal, ob alt oder jung." Nur noch fünf Punkte trennt 1860 von einem Abstiegsplatz. Willkommen im Existenzkampf.

Einer im Pulk der Reservisten machte durch vehementen Einsatz auf sich aufmerksam. Nicht Rot-Sünder Martin Stranzl, der vom Sportgericht für ein Spiel gesperrt wurde. Nicht Jiayi Shao, der erstmals nach seinem Kreuzbandriss mit den Kollegen trainierte. Sondern Marco Kurz (34). Kurz, der in Schalke bester Mann war, hätte allen Grund gehabt, frustriert zu sein nach seiner unverständlichen Ausbootung gegen Dortmund; stattdessen schoss er aus allen Lagen, traf mit der Hacke, von der Strafraumgrenze, und er gewann auch den Preis für das zweitdreckigste Trikot nach Ersatzkeeper Lenz. Keine Frage: Kurz vereint alle vom Trainer geforderten Eigenschaften in sich, er ist der Idealtypus Spieler, auf die es jetzt ankommt. Götz: "Wir brauchen in unserer Situation stabile Charaktere."

Rot-Sünder Stranzl für ein Spiel gesperrt

Spieler, die 1860 nicht brauchen kann, hat Götz ebenfalls ausfindig gemacht. Er nannte sie zwar nicht beim Namen, doch er umschrieb sie in seiner Erregung nach der 0:2-Pleite so präzise, dass jeder wusste, wer gemeint war. Wiederholungstäter wie Stranzl (23), der Elfmeter, Unterzahlspiel und Rückstand verschuldet hatte und bereits zum dritten Mal in seiner jungen Karriere vom Platz flog. Oder auch Torben Hoffmann, der ebenfalls in die Kategorie Spieler fällt, "die immer wieder an solchen Sachen beteiligt sind".

"Es regt mich einfach auf, dass du reden kannst ohne Ende und trotzdem immer wieder die gleichen Dinge passieren", schimpfte Götz, der sich Nachlässigkeiten dieser Art nicht länger anschauen mag. "Keine andere Mannschaft hat sieben Elfmeter gegen sich bekommen, da sollte sich der eine oder andere Spieler schon mal fragen, wie so was kommt." Die Strafstöße wurden zwar von vier verschiedenen Sündern verschuldet (Hoffmann, Hofmann, Stranzl je 2, Schroth), doch seine Drohung steht: "Wir sind nach wie vor im Umbruch, und ich schau' mir die Leute schon an. Irgendwann gibt's die Sense."

In einem Gespräch mit Karl-Heinz Wildmoser sen. wird in dieser Woche auch dieses Thema zur Sprache kommen. Der Präsident ist sich mit Götz zwar einig, "jetzt nicht in Panik zu verfallen", doch es scheint, als sei auch der Oberboss mit mancher Aufstellung in der Abwehr nicht einverstanden. "Wir müssen die Leute reintun, die bei uns hinten reingehören", fordert Wildmoser, der dabei an Saarinen denkt, an Kurz ("Ich weiß nicht, warum er diesmal nicht dabei war"), aber auch an Stürmer Agostino anstelle von Kioyo oder Schroth. Auch dem Oberlöwen ist der Ernst der Lage bewusst: "Wir haben jetzt zwei Auswärtsspiele", mahnt er, "von denen sollten wir eins gewinnen."

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