1. Startseite
  2. Sport
  3. TSV 1860

Ein gutes Netzwerk und kreative Lösungen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
In meine Arme: Nicht nur Löwen-Kapitän Benny Lauth ist von Neu-Partner Kenny Cooper (r.) angetan. © sampics

München – Trotz klammer Kassen sticht der TSV 1860 auf dem Transfermarkt mehrfach auch Erstligisten aus – Manuel Schäffler verlängert

In den Tagen vor dem Start hat sich Miki Stevic nicht mehr von der Anspannung befreien können. Vor dem Ernstfall Ligaalltag hatte auch den Sportdirektor des TSV 1860 trotz bester Vorzeichen in der Vorbereitung eine leise Unsicherheit befallen, was sie denn wirklich wert war, die Arbeit eines bewegten Sommers. „Wir haben einen Kuchen gebacken“, sagte Stevic, „aber wir wussten nicht, ob er schmeckt.“

Seit Sonntag ist immerhin klar: Das Backwerk der Löwen-Führung macht zumindest schon einmal einige Lust auf mehr. Und nicht nur das – das schwungvolle 2:0 gegen die TuS Koblenz und die starken Auftritte von Neu-Löwen wie Kenny Cooper , Florin Lovin oder Radhouène Felhi gab auch dem allgemeinen Rätselraten neue Nahrung, wie der chronisch klamme Verein für das Unternehmen Aufstieg so illustre Verstärkungen gewinnen konnte.

Die wertvollsten Löwen-Spieler

Fotostrecke

Für Miki Stevic liegt ein großer Teil des Geheimnisses im viel zitierten „Netzwerk“ der sportlichen Führung. Man ist bestens informiert über die Geschehnisse auf dem Spielermarkt und erfuhr so schnell auch von so manch hilfreichem Zufall. So klopften Stevic und Trainer Ewald Lienen etwa zum bestmöglichen Zeitpunkt beim Champions League erfahrenen Rumänen Florin Lovin an, als sich der gerade mit dem Präsidium seines Ex-Klubs Steaua Bukarest überworfen hatte.

Zuletzt hätte der TSV 1860 im Rennen um den Amerikaner Kenny Cooper trotz der Vielzahl nächtlicher Telefonate nach Übersee schlechte Karten gegen Mitbewerber Eintracht Frankfurt gehabt. Doch die Hessen zauderten, weil sich der neue Eintracht-Coach Michael Skibbe nicht blind auf die Personalvorstellungen seines Vorgängers Friedhelm Funkel verlassen wollte. Stevic dagegen legte Cooper ein Vertragspapier vor und erhielt den Zuschlag.

Wirtschaftlich mussten sich Stevic & Co allerdings manch „kreativer Lösungen“ bedienen, um die Wunschspieler an die Grünwalder Straße zu locken. Im Werben um den neuen Abwehrchef Radhouène Felhi etwa stachen die Löwen mittels eines Leihgeschäfts sogar den FC Nantes aus. Stevics’ Idee: „Wenn wir unsere Ziele erreichen, dann bekommen wir das Geld, diese Leute fest an uns zu binden – erreichen wir sie nicht, dann können wir über unser Vorkaufsrecht immerhin noch ein paar Euro verdienen.“

Die Löwen gegen Koblenz

Fotostrecke

Und dann ist da auch noch die Verkaufspolitik. Insgesamt zehn Akteure ließen die Löwen in den vergangenen Wochen ziehen, mit Lars Bender könnte im Falle einer Einigung mit Bayer Leverkusen demnächst ein elfter hinzukommen. Von der Bilanz zeigte sich der Sportdirektor zumindest angenehm überrascht: „Bei einigen Spielern konnten wir mehr erzielen als erwartet.“ Damit das auch zukünftig so bleibt, setzt Stevic seine Politik fort, Talente mit langfristigen Verträgen auszustatten. Gestern band sich auch Manuel Schäffler vorzeitig für zwei weitere Jahre an den Verein – der U20-Nationalstürmer geht bis 2012 für die Löwen auf Torejagd. Die Unterschrift von Sandro Kaiser soll in Kürze folgen. Für Stevic auch „Zeichen für unsere Politik der engagierten und konsequenten Nachwuchsförderung“.

Sollte das Unternehmen Bundesliga-Rückkehr übrigens schief gehen, dann ist dem Sportdirektor auch vor der Zukunft nicht bange. „Unsere Existenz hängt nicht vom Aufstieg ab. Falls man ein Ziel nicht erreicht, zählt auch, wie man es nicht erreicht hat“, sagte er, „Mittelmaß wäre doppelt schlecht – aber das wird nicht passieren.“

von Patrick Reichelt

Auch interessant

Kommentare