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Wenigstens ein Löwe, der aufsteigt: Schneider, der fünfte 1860-Präsident nach Wildmoser. Seit 2004 versuchten sich: Auer, Lehner, von Linde, Beeck.

Der Hierarchie-Schwindel bei den Löwen wird korrigiert

München - Dieter Schneider ist der neue Präsident bei den Münchner Löwen. Überraschend an der Wachablösung ist eigentlich nur der Zeitpunkt. Viele hatten sie schon im November erwartet.

Wer sich vor den Heimspielen des TSV 1860 im Innern der Allianz Arena aufhält, wird irgendwann den Eindruck bekommen, dass es den hageren Herrn mit dem Fanschal um den Hals in mehrfacher Ausführung gibt. Hier schüttelt er einem Sponsor die Hand, hier grüßt er freundlich eine Gruppe Fans, zwischendurch gibt er Interviews - oder eilt mit wehendem Schal zur Rolltreppe, weil irgendwer nach ihm verlangt hat. Dieter Schneider, 63, obwohl erst seit Oktober in offizieller Funktion für die Löwen tätig (vorher war er nur Sponsor), ist als Vizepräsident allgegenwärtig, als Schatzmeister und Sanierer unverzichtbar - er ist längst der oberste Repräsentant des Vereins, obwohl er diese exponierte Stellung niemals angestrebt hat. Von Rainer Beeck dagegen? Keine Spur. Der Mann, der auf dem Papier seit dem 27. Mai 2008 das Präsidentenamt bekleidet, ist nahezu unsichtbar.

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Dieser kleine Hierarchieschwindel soll nun schnellstmöglich korrigiert werden. Aus den Gremien des Vereins ist zu hören, dass am kommenden Montag, vor dem Heimspiel gegen Düsseldorf, die überfällige Rochade vollzogen wird: Schneider soll dann vom Aufsichtsrat zum Präsidenten gewählt werden, Beeck tritt zurück, aus „privaten und beruflichen Gründen“, wie es heißt. Gesucht wird noch ein neuer Vize, der Schneider den Job des Schatzmeisters abnimmt.

Überraschend an der Wachablösung ist eigentlich nur der Zeitpunkt. Viele hatten sie schon im November erwartet. Amtsmüdigkeit war Beeck schon länger nachgesagt worden, doch er ließ sie sich nicht anmerken, zumindest nicht öffentlich. Der 48-Jährige wirkte erleichtert, dass ihn die Basis auf der Delegiertenversammlung trotz etlicher Pannen in seiner ersten Amtszeit (Investorenposse, die Geschäftsführer-Fehlgriffe Stoffers/Niemann) bis 2013 im Amt bestätigte - ein Ziel sei es, versprach er, den Verein dorthin zu führen, wo er seiner Meinung nach hingehört - in die erste Liga.

Konkrete Aussagen zum Führungswechsel gibt es bislang nicht, alle Beteiligten mauern. „Offiziell bestätigen will ich noch gar nichts“, sagt Aufsichtsratschef Otto Steiner, versichert aber: „Wir sind an dem Thema dran.“ Und Beeck? Der tut das, was er am besten kann - sich raushalten. „Das kommentiere ich gar nicht“, sagt er knapp.

Beeck, heißt es, übernimmt am Flughafen eine neue Abteilung, mit noch mehr Personal. Zeit für die Löwen hatte er schon länger kaum noch. Mitte Januar, bei einem PR-Termin am Flughafen, war schön zu sehen, wer im Präsidium sich wirklich engagiert. Beinahe wäre dem Verein die Panne unterlaufen, dass der neue Sponsor, ein Schuhhersteller, ohne offiziellen Repräsentanten vorgestellt worden wäre. Es gab hektische Telefonate, und wer kam am Ende, obwohl zum Zeitpunkt des Anrufs eine Autostunde entfernt? Schneider. Beeck hätte nur die Rolltreppe nehmen müssen. Aus Sicht des Sponsors kein Schaden, denn von den PR-Fotos lächelt nun - der neue Präsident.

Uli Kellner

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