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"Ich bin ein Glücksbringer"

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- München - Seine Karriere schien in Spaniens zweiter Liga zu versanden, plötzlich kreuzte Gerhard Poschner beim TSV 1860 auf, bot seine Dienste zum Superspartarif an und durfte bleiben. Bis zum Sommer hat der erfahrene Profi nun Zeit, die eigene Karriere abzurunden, im Gegenzug wird erwartet, dass er das junge Löwen-Rudel zum Klassenerhalt führt. Wir sprachen mit dem 34 Jahre alten Hoffnungsträger über seine ersten sieben Wochen im Trikot der Sechziger.

Herr Poschner, 50 Tage bei den Löwen. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Poschner: Wenn ich das letzte Spiel weglasse, nur positiv. Diesen Eindruck will ich mir auch nicht kaputt machen lassen durch letzten Sonntag.

Nach der 0:2-Niederlage gegen Dortmund wurden Sie gleich ziemlich heftig kritisiert. Vereinslegende Radenkovic erklärte, Sie können den Löwen nicht weiterhelfen. Präsident Wildmoser meinte, Sie seien untergetaucht. Ein Boulevardblatt titelte: "Poschner - gut oder bloß billig?" Ärgert Sie das?

Poschner: Nö, überhaupt nicht. Mich hätte es geärgert, wenn ich gut gespielt hätte. Ich hab aber schlecht gespielt, und deshalb muss ich mit der Kritik leben. Ich kann das ganz gut einschätzen.

Hatten Sie sich Ihre Rückkehr in die Bundesliga leichter vorgestellt?

Poschner: Auf keinen Fall. Ich wusste, dass es nicht einfach wird. Ich war fünf Jahre weg, habe auch im letzten Jahr sehr wenig Spielpraxis gehabt. Wenn man dann von Null auf 100 durchstartet, ist es klar, dass Rückschläge kommen. Man wünscht sich natürlich immer, dass alles perfekt läuft. Aber alles in allem, denke ich mal, war's recht solide und ausbaufähig.

Es war Ihr innigster Wunsch, noch mal in der Bundesliga zu spielen. Hat Sie der Alltag nach drei Spielen schon wieder?

Poschner: Überhaupt nicht. Es ist wirklich so, dass ich jedes Spiel, jedes Training genieße. Ich bin froh und glücklich, dass ich die Chance bekommen habe. Es war genau das, was ich wollte, und da darf man sich auch von kleinen Negativerlebnissen nicht aus der Bahn werfen lassen.

Es wurde berichtet, Falko Götz habe Sie bereits in den Spielerrat berufen.

Poschner: Davon weiß ich nichts. Mir hat das keiner mitgeteilt. Ich weiß auch nicht, woher das kommt.

Auf jeden Fall scheint ihre Meinung gefragt zu sein - auf und abseits des Feldes.

Poschner: Ich versuche, die Anpassungszeit so schnell wie möglich zu überbrücken und ich glaube, das ist mir auch relativ gut gelungen. Ich sehe mich nicht als Fremdkörper, im Gegenteil: Ich fühle mich total integriert und sehr wohl. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass ich noch nicht lange hier bin.

Was hat Sie dazu bewogen, Ihren Vertrag in der Sport-Bild zu veröffentlichen?

Poschner: Es ist so viel über diesen Vertrag geredet worden, ich wollte damit ein für alle Mal einen Deckel drauf machen. Die Absicht war, einfach zu sagen: Punkt, Schlussstrich - und jetzt geht's ans Fußball spielen.

Für ungewöhnliche Aktionen sind Sie ja bekannt. Früher traten Sie mit Bobic und Haber als "Tragisches Dreieck" auf, Ende Januar überraschten Sie die Hörer eines Privatsenders als Überraschungsgast einer Morgenshow.

Poschner: Ich bin halt ein spontaner Typ und mache gern solche Sachen mit. Ich hab mich gut mit dem Moderator verstanden, wir haben viel Spaß gehabt, und ich glaube, das war auch für das Image der Mannschaft und des Vereins keine schlechte Sache. Ich fand's witzig, mir hat das total Spaß gemacht.

Weniger witzig ist die Tabellensituation. Platz 13. Machen Sie sich Sorgen?

Poschner: Dieses Wort Sorgen, das gefällt mir nicht. Wenn man sich sorgt, heißt das auch, dass man irgendwo Ängste hat, und ich glaube, die sollten wir nicht haben. Wir müssen uns der Lage bewusst sein, aber positiv damit umgehen. Das Gute ist: Wir sind auf niemanden angewiesen. Andersrum wäre es schlechter. Wenn man auf einem Abstiegsplatz steht und von den Ergebnissen anderer Mannschaften abhängig ist.

Das Restprogramm ist aber happig. Von 14 Spielen sind acht auswärts . . .

Poschner: Meiner Überzeugung nach ist das völlig wurscht. Klar macht es mehr Spaß, vor eigenem Publikum zu spielen, aber mich persönlich stachelt es auch an, wenn man auf fremdem Platz spielt, das Publikum gegen sich hat und sich da beweisen muss. Wir müssen einfach in jedem Spiel versuchen zu punkten, egal gegen wen und egal auf welchem Platz.

Sie waren schon mit mehreren Vereinen in den Abstiegskampf verwickelt. Können Sie von dieser Erfahrung was weitergeben?

Poschner: So simpel es klingt: Wichtig ist, dass man nur an das nächste Spiel denkt und nicht irgendwelche Rechnungen aufstellt: Ach Gott, in zwei Wochen spielen wir gegen die, und dann gegen die, wie viele Punkte können wir denn da holen? Und du darfst dich vom Druck nicht erdrücken lassen. Du musst Selbstvertrauen und eine gewisse Lockerheit an den Tag legen.

Hat dieses Methode bei all Ihren Klubs funktioniert?

Poschner: Ja. In Venedig hab ich mir gleich im ersten Spiel den Mittelfuß gebrochen, beim letzten war ich wieder dabei, aber da war die Mannschaft zum Glück schon gerettet. Da war ich also mehr das Maskottchen. Bei Rayo Vallecano, das war ja der Abstiegskandidat Nummer eins, aber wir haben uns zwei Jahre erfolgreich dagegen gewehrt. Und bei meinem letzten Klub in Ejido, da war ja die Ausgangssituation unglaublich. Als ich hinkam, waren wir zwölf Punkte weg vom rettenden Ufer, und auch da haben wir's geschafft, das war fantastisch. Also ich bin eher ein Glücksbringer als ein Pechbringer. Ich bin noch nie abgestiegen und das soll auch so bleiben.

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