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Ismaik vs. IMG: Kampf um Vermarktung hat begonnen

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Delikate Forderung: Muss Schäfer (r.) seine Ex-Firma rauswerfen? Ismaik will es so.  Foto: Rau
Delikate Forderung: Muss Schäfer (r.) seine Ex-Firma rauswerfen? Ismaik will es so. Foto: Rau

München - Der potenzielle Löwen-Investor Hasan Ismaik fordert den Ausstieg des bisherigen Vermarkters IMG - und sorgt damit bei der Vereinsführung für Irritation.

Verträge sind mehr als ein Dschungel von Zahlen und Paragrafen. Aus ihnen lässt sich so manches herauslesen - auch über die Umstände, unter denen sie geschlossen wurden.

Der Vertrag, der die Löwen an den Sportvermarkter IMG bindet, wurde wie so vieles bei 1860 in akuter Finanznot geschlossen. Die IMG garantiert dem Zweitligisten jährlich 5,5 Millionen Euro - dieser Betrag wäre fällig, wenn der Verein keine oder nur geringe Marketingerlöse generieren würde (was nie der Fall ist). Im Gegenzug kassiert die US-Firma satte Provisionen. Ob sie einen Sponsor bringt, eine Werbefläche verkauft - für alles erhält sie 15 Prozent. Der Vertrag mit IMG, die mit fünf Mitarbeiter den zweiten Stock der 1860-Geschäftsstelle eingenommen hat, ist nicht kündbar, hat keine befristete Laufzeit, theoretisch könnte er endlos laufen.

Nicht erst einmal hat der Verein versucht, aus dem Vertrag auszusteigen - ohne Erfolg. Es gibt die Geschichte, dass ein Ex-Geschäftsführer „ausgelacht“ wurde, als er den Ausstieg für zwei Millionen Euro erkaufen wollte. Sie belegt, wie profitabel das Geschäft für die IMG sein muss.

Vor diesem Hintergrund gibt es für 1860 nun eine gute und eine weniger gute Nachricht. Die gute: Hasan Ismaik hat zur Bedingung für sein Investment gemacht, dass der Vertrag mit der IMG beendet wird. Die weniger gute: Er will sich künftig selber um die Vermarktung kümmern.

Dem BR sagte Ismaik, dass er das Vermitteln von Werbepartnern selbst übernehmen wolle. Er habe schon „viele Ideen“ dafür, teilte der jordanische Geschäftsmann mit. „Ich habe viele Freunde“, präzisierte er. „Ich verspreche alles zu geben, um viele solvente Sponsoren für 1860 zu finden.“ So weit, so schön. Die Frage ist nur: Wer kassiert dann künftig die Provisionen? Angeblich kommen übers Jahr gesehen bis zu 1,2 Millionen Euro zusammen.

Die Löwen in ihrer Not scheinen bereit, auch diese Kröte zu schlucken. Präsident Dieter Schneider zeigte sich lediglich „irritiert“ darüber, dass Ismaik den nächsten Vertragsinhalt öffentlich ausgeplaudert hat. Geschäftsführer Robert Schäfer, der im Herbst von der IMG zu 1860 stieß, war für keine Stellungnahme zu erreichen.

Sicherheitshalber teilte die IMG gestern per Rundmail mit, dass sie „extrem stolz“ sei, seit 2005 Partner des TSV zu sein. An Land gezogen hatte die Firma damals übrigens Karl Auer, als der Verein infolge des Abstiegs und des Stadionbaus Geld brauchte. Jahre später, als Auer schon nicht mehr Präsident war, wurde der Vertrag verlängert und modifiziert - nicht unbedingt zum Vorteil der Löwen.

Uli Kellner

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