2. Fussball Bundesliga TSV 1860 München Training
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„Eine Vorbereitung ohne Schmerzen gibt’s nicht!“, weiß Ivica Olic.

Löwen-Oldie über Fehler, Fitness und den Aufstieg

Olic im Interview: „Wir waren einfach nicht gut genug“

Troia - Löwen-Stürmer Ivica Olic spricht im Interview über die Fehler des TSV 1860 in der Hinrunde, seine Fitness, die Ziele für die restliche Saison und seine Zukunft.

Ivica Olic gehört zu den Pragmatikern im Team des TSV 1860. Wer seit fast 20 Jahren als Profi unterwegs ist, der hat schon längere Trainingslager erlebt, abgeschiedenere Gegenden, nebligere Tage als zu Beginn des Löwen-Aufenthalts auf Tróia. Olic (37) sieht es so: „16 Tage klingt lang, aber wenn ich konzentriert bin und von Tag zu Tag denke, dann geht es doch schnell rum.“ Ein Gespräch mit dem kroatischen Sturm-Routinier.

Herr Olic, das wievielte Trainingslager ist das gerade für Sie? Nummer 30? Gar 40?

Ivica Olic: Puh, keine Ahnung. Ich weiß nur: Nach dem Essen möchte ich so schnell wie möglich in mein Bett. Seit eineinhalb Jahren denke ich jedes Mal: Das ist jetzt mein letztes Trainingslager (wir berichten im Live-Ticker aus Troia). Diesmal hoffe ich wirklich, dass es mein letztes ist (lacht). Aber wir werden sehen.

Wie anstrengend ist es denn unter dem neuen Trainer Pereira?

Olic: Wir haben verdammt viel Training gemacht. Ich merke meine Beine. Aber was für mich das Wichtigste ist: Mein Knie hält bis jetzt, es hat alle Einheiten überstanden. Das freut mich besonders. Wir merken alle unsere Muskeln, aber das ist so, wenn man hart arbeitet. Das ist in dieser Phase vollkommen normal. Eine Vorbereitung ohne Schmerzen gibt’s nicht.

Olic: „Freue mich, dass Ribamar fit ist“

Demzufolge ist Vitor Pereira ein anspruchsvoller Trainer? Wie ist Ihr Eindruck nach einer Woche?

Olic: Er fordert viel. Wir spielen immer mit ein, zwei Kontakten. Seit dem ersten Training machen wir viele kurze Bewegungen, viele Sprints, aber alles mit Ball, Ball, Ball. Dazwischen machen wir viele kurze, auch schnelle Läufe. Es war ein bisschen ungewohnt für uns, aber wir haben uns schnell dran gewöhnt.

Auf Sie dürfte es in der Rückrunde noch mehr ankommen als zuletzt. Sascha Mölders ist verletzt, und es ist noch kein Neuzugang für den Angriff da.

Olic: Lucas Ribamar ist doch ein Neuzugang! Bisher war er nie bei der Mannschaft, jetzt kann er endlich zeigen, was er kann. Ich freue mich, dass er fit ist und mehr und mehr mit uns machen kann. Seit zwei Tagen macht er einen Teil des Trainings mit. Obwohl er schon ein halbes Jahr da ist, ist er quasi neu für mich.

Kann man schon sagen, ob er ein Guter ist? Ist er das viele Geld wert?

Olic: Ich habe ihn bisher zu wenig gesehen. Aber wenn jemand in der Zweiten Liga so viel Geld für einen Spieler bezahlt, dann hat er sicher Qualitäten.

Hört sich so an, als käme es Ihnen ganz recht, dass nicht die ganze Verantwortung im Angriff auf Ihren Schultern lastet…

Olic: Genau. Sascha ist jetzt verletzt, aber wir haben Ribamar, und wir haben meinen Freund Stefan Mugosa. Der ist auch fit und kämpft um seine Einsätze.

Also sehen Sie kein Sturmproblem auf die Löwen zukommen?

Olic: Der Trainer spielt gerne mit einem Stürmer in der Mitte und zwei auf den Flügeln. Ich denke, drei fitte Stürmer sind schon gut. Grundsätzlich freue ich mich aber über jeden guten Spieler. Jeder ist herzlich willkommen.

Olic: „Nächstes Jahr kann man vielleicht mehr anpeilen“

Was sind denn Ihre Ziele im vielleicht letzten halben Jahr bei 1860?

Olic: Als ich gekommen bin, habe ich gesagt: Ich möchte eine ruhige Saison spielen. Ich hoffe, wir werden uns möglichst schnell stabilisieren, dass wir in der Tabelle nicht so unter Druck kommen, sondern vielleicht ein bisschen nach oben klettern. Nächstes Jahr kann man dann vielleicht mehr anpeilen, aber Schritt für Schritt. Der Verein war zwei Jahre im Abstiegskampf, da kannst du nicht sagen: Du steigst jetzt mal eben auf. So läuft das nicht im Fußball. Es ist ein Prozess, ein langer Weg. Du musst eine Mannschaft bauen, das dauert.

Was sind denn für Sie die Gründe für die verkorkste Hinrunde?

Olic: Da gibt es einige Gründe. Viele Spieler sind erst im Laufe der Vorbereitung gekommen, dann hatten wir auch viele Verletzte. Und: Wir haben viel zu viele Geschenke verteilt und zu einfache Tore kassiert. Wir wissen alle, wie schwer es ist, wenn du in der Zweiten Liga mit 0:1 hinten liegst. Viele Mannschaften lauern dann auf Konter und machen irgendwann den Sack zu, das beherrschen sie perfekt. Trotzdem kann man nicht sagen: Wir haben viele Spiele mit Pech verloren. Wir waren einfach nicht gut genug.

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Olic: „Gegen Zweitligisten? Ich habe das nie gerne gemocht“

Für Sie war die Zweite Liga ja absolutes Neuland. War die Umstellung sehr groß?

Olic: Ich habe oft gegen Zweitligisten gespielt – fast jedes Jahr mindestens einmal im Pokal. Ich habe das nie gerne gemocht. Die meisten Mannschaften sind gut organisiert, sie machen die Räume zu, da ist es nicht einfach, Chancen zu kreieren.

Sie haben mal gesagt: Es kann nicht sein, dass ich als ältester Spieler am meisten laufe. Ein Armutszeugnis?

Olic: Das bezog sich auf diese Statistiken. Irgendwo stand, dass wir die Mannschaft sind, die am wenigsten läuft. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber das kann nicht sein. Ich sehe, dass Mannschaften wie Hannover und Stuttgart am meisten laufen, aber die haben auch viel spielerische Qualität. Wir dagegen müssen alles geben, in jedem Spiel an unsere Grenzen gehen, nur so kann man in der Zweiten Liga was schaffen.

Ihr Vertrag läuft bis zum Sommer. Wissen Sie schon, was danach kommt? Der HSV plant angeblich mit Ihnen als Nachwuchstrainer.

Olic: Als ich mich damals entschieden habe, von Wolfsburg nach Hamburg zu gehen, habe ich einen Anschlussvertrag über drei Jahre angeboten bekommen, aber der ist noch nicht genau definiert. Es kann gut sein, dass ich zurück nach Hamburg gehe, wo meine Familie lebt. Der HSV ist mein Verein (kurze Pause). Aber bei 1860 kann ich mir das auch vorstellen.

Oder Ihr Knie hält so gut, dass Sie Ihre Karriere einfach fortsetzen?

Olic: Dann aber bei einem Verein, der keine Trainingslager macht (lacht).

ulk

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