Janne Saarinen - der rätselhafte Finne

- München - Der Fußballer Janne Saarinen findet: "Ich bin ein guter Spieler." Das ist eine sehr selbstbewusste Aussage, doch sie deckt sich mit dem, was viele Experten noch vor einem knappen Jahr über den finnischen Nationalspieler dachten. Der VfB Stuttgart wollte ihn, der RSC Anderlecht wollte ihn, auch Racing Straßburg bekundete Interesse, 1860 bekam ihn. Der Champions-League-erfahrene Linksverteidiger war den klammen Löwen vor der Saison satte 600 000 Euro wert.

Torhüterlegende Petar Radenkovic, der Saarinen beim EM-Qualifikationsspiel Finnland gegen Serbien-Montenegro (3:0 für Finnland am 7. Juni 2003) gesehen hatte, war überzeugt: "Er wird die Probleme auf der linken Abwehrseite beheben."

Ein paar Monate später stellt sich die Frage: Können so viele Experten irren? Tatsache ist, dass Saarinen (26) bei den Löwen bislang überwiegend enttäuschte. Vor seiner Verletzungspause (Leiste, Achillessehne) bestritt er neun Partien, in denen er kaum auffiel, oder wenn, dann nicht sehr positiv (Notenschnitt in dieser Zeitung: 4,11). Negativer Höhepunkt: Die Partie gegen Schalke, als ihn der flinke Jochen Seitz mehrmals wie eine Slalomstange stehen ließ. "Er hat das Problem, dass er sich auf dem Platz immer fürs Falsche entscheidet", urteilte Assistenzcoach Olaf Janßen dieser Tage. Kaum zu glauben, dass derselbe Spieler in der abgelaufenen Saison der Champions League mit die besten Zweikampfwerte aller eingesetzten Profis aufwies: 87 Prozent erfolgreiche Tacklings in den sechs Partien mit Rosenborg Trondheim gegen Inter Mailand, Ajax Amsterdam und Olympique Lyon.

Wen auch immer man bei den Löwen auf den rätselhaften Finnen anspricht, die Reaktion ist stets die gleiche: Schulterzucken, gefolgt von Durchhalteparolen wie: "Der Janne kommt schon" (Sportdirektor Dirk Dufner), "Der Janne will, das weiß ich" (Karl-Heinz Wildmoser jr.) oder Trainer Falko Götz: "Wir vertrauen ihm weiter."

Besserung war allerdings auch bei den drei Testspielen in der Türkei nur mit viel gutem Willen zu erkennen. Noch mehr zu denken gibt die Gleichgültigkeit, die aus vielen Sätzen Saarinens spricht: "Als junger Spieler war ich sehr ehrgeizig, jetzt habe ich nicht mehr diese großen Ziele", lautet einer dieser Sätze, ein anderer geht so: "Ich versuche immer, mein Bestes zu geben, aber wenn ich dann nur zweite Wahl bin, geht die Welt auch nicht unter."

Vielleicht braucht er auch einfach etwas länger, um sich einzugewöhnen. Er selbst hat diese These geäußert, gefolgt von dem Versprechen, in der Rückrunde "einen Schritt nach vorne zu machen". Allzu viel dürfe man freilich nicht erwarten, denn "wenn du in der Bundesliga jede Woche zu den Besten gehörst, gehörst du automatisch zu den besten Spielern der Welt." Er hält sich wie erwähnt für einen guten Spieler, "aber ich bin nicht der Beste der Welt". Verschmitztes Lächeln. "Noch nicht."

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