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Pokal-Achtelfinale: Der Kaltstart als Chance

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Vertrautes Terrain: In Hamburg kennt sich Benny Lauth aus. Das Bild zeigt ihn bei einem Torerfolg im HSV-Trikot.
Vertrautes Terrain: In Hamburg kennt sich Benny Lauth aus. Das Bild zeigt ihn bei einem Torerfolg im HSV-Trikot. © dpa

München - Hamburg also. Ein Gegner, zu dem Benny Lauth einiges einfallen müsste. Der Stürmer ist zweieinhalb Jahre für den HSV auf Torejagd gegangen (bis Ende 2006), er hat die Zeit dort oben im Großen und Ganzen genossen, doch schon Lauths Ex-Trainer, der Laien-Philosoph Werner L., predigte gern: "Fußball ist Jetzt-Zeit."

Jetzt ist Lauth wieder ein Löwe, und als solcher fasst er seine Erinnerungen an den großen HSV in einem äußerst knappen Stakkato zusammen: "Schönes Stadion, viele Zuschauer, gute Stimmung." Ein Satz vielleicht noch zu den Aussichten seines alten und neuen Vereins im heutigen Pokal-Achtelfinale: Na schön, sagt Lauth, der nie ein großer Redner war, und fährt ähnlich prägnant fort: "Wir haben keinen Druck, können befreit aufspielen und wollen die Sensation schaffen." So einfach ist das.

Das meiste hat Lauth mit wenigen Worten gesagt. Aber natürlich hat auch sein Vorgesetzter ziemlich genaue Vorstellungen vom heutigen Pokalabend. Bei Marco Kurz, der als einer der ersten Löwen das Wort "Sensation" in den Mund genommen hatte, hörte man gestern das Bestreben heraus, die bestehenden Machtverhältnisse noch einmal ins Bewusstsein zu rufen: Hier der HSV, der natürlich haushoher Favorit ist. Dort seine kleinen Löwen, die nur darauf hoffen können, dass der übermächtige Gegner vielleicht noch nicht im Rhythmus ist. Der Kaltstart nach der Winterpause als heiße Option? "Wir wissen um die Schwere der Aufgabe", sagte Kurz. Seine Mannschaft habe "eine Minimalchance, aber die wollen wir nutzen".

An den Rahmenbedingungen, die es braucht, um das Unmögliche zu schaffen, wird das Unternehmen jedenfalls nicht scheitern: Die Mannschaft bestieg gestern Mittag den Flieger, wird in Hamburg noch ein bisschen trainieren, alles Wissenswerte über den HSV in kompakter Form serviert bekommen und in einem schicken Hotel übernachten. Natürlich wurde auch eine finanzielle Regelung getroffen, die eine Beteiligung der Spieler an einem möglichen Vorstoß ins Viertelfinale vorsieht, doch über so etwas redet Kurz nur ungern. Bei ihm sei es früher so gewesen: Die Prämie war "ein Zubrot", das Hauptinteresse galt natürlich "dem Sportlichen". 90 oder 120 konzentrierte Minuten - und schon wär’ man vorübergehend wieder wer. "Anreiz ist zu zeigen, dass wir bestehen können", formuliert es der idealistische Ex-Profi.

Bleibt noch die Frage zu klären, wie es den Sorgenkindern geht. Daniel Bierofka, das steht fest, wird trotz seiner genähten Ferse auflaufen. Lars Bender ist normalerweise auch gesetzt, doch hinter der "Fitness" des (Ex-)Knie-Patienten stehe noch "ein kleines Fragezeichen". Beiläufig weist Kurz dann noch auf einen möglichen Plan B hin: "Man kann auch mit einem Elferschießen weiterkommen." Stimmt. Auch so kann man im Pokal eine Sensation schaffen. Selbst in der Jetzt-Zeit.

Uli Kellner

Hamburger SV - TSV 1860

Anstoß: Heute, 19 Uhr.
Hamburg: Rost - Demel, Reinhardt, Mathijsen, Aogo - Benjamin, Jarolim - Trochowski, Jansen - Petric, Olic.
TSV 1860: Tschauner - Thorandt, Béda, Berhalter, Johnson - Lars Bender (Danny Schwarz), Sven Bender - Aigner, Bierofka - Lauth, Rösler.
Schiedsr.: Weiner (Giesen).

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