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Kampf dem ,Downheitsgefühl

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- München - Die Diagnose am Tag danach lautete: technisches Versagen. Als Rudi Bommer mit seinen Spielern gestern Morgen das enttäuschende Heimremis gegen Unterhaching aufarbeiten wollte, musste er eine weitere Panne konstatieren: Das Gerät für die Videoanalyse hatte seinen Geist aufgegeben.

Vielleicht war es aber auch ganz gut so, dass der Löwen-Coach die schlimmsten Fehler nicht noch mal zeigen, sondern sie nur "im Groben" ansprechen konnte. Das "Downheitsgefühl" (Bommer), das den Seinen nach dem ebenso überraschenden wie unnötigen zweiten Gegentreffer "in die Körper gekrochen" sei, war nämlich über Nacht nicht gewichen. "Die Spieler wirken sehr geknickt", hat Bommer beim Morgenappell beobachtet. "Wie sie rumgestanden sind, wie sie geschaut haben . . ." Allen Warnungen zum Trotz sind Niveau und Gangart der neuen Spielklasse offensichtlich unterschätzt worden. "Einige sind zu mir gekommen und haben gesagt: Oh, Trainer, Sie haben doch Recht gehabt."

Natürlich hatte sich auch Bommer den Start in die Zweite Liga anders vorgestellt. Beim Abendessen mit der Familie wenige Stunden nach dem Spiel sei er kaum ansprechbar gewesen ("Die kennen das"), nach eigener Aussage hätte er am liebsten "in die Tischkante gebissen", doch vorleben darf er diesen Frust natürlich nicht. Um die Spieler nicht noch weiter runterzuziehen, entschied sich Bommer für eine positive Bewertung des Auftaktremis. "Wir haben nicht verloren", erinnerte er. Man habe zwar zwei Punkte verschenkt, aber: "Manchmal ist mir ein steiniger Weg lieber, als wenn alles glatt läuft, und dann bricht man nach dem fünften oder sechsten Spieltag ein."

Bommer denkt langfristig. Er weiß, dass er erst am Saisonende oben stehen muss, und ihm ist auch bewusst, dass er kaum bessere Spieler hat als jene 13, die gegen Haching auf dem Feld standen. Schon deshalb pflegt er einen schonenden Umgang mit seinem Personal. Ob Paul Agostino, der eine glücklose Vorstellung bot, oder Michael Hofmann, den der Trainer bei den Gegentoren für zu ruhig befand ("Er muss brüllen, dass die Lunge platzt") - sie alle müssen nicht fürchten, ihre Stammplätze allzu schnell zu verlieren.

Auch der unsichere Slobodan Komljenovic erhielt die Absolution des Trainers, obwohl es ein wenig befremdlich anmutete, wie ungeschoren Bommers Duzfreund ("Jedes Kopfballduell gewonnen, saubere Bälle nach vorne . . .") bei der Fehlerbesprechung wegkam. "Spieler brauchen Vertrauen", sagt der Coach - und die Spieler, die im zweiten Glied stehen, erstmal Geduld. "Jeder kann sich doch selbst ausrechnen, wo er steht." Vor dem Spiel bei Spitzenreiter Aue ist daher Fröhlichkeit oberste Löwen-Pflicht. "Wenn einer ein langes Gesicht zieht", lautet die Drohung, "bleibt er zu Hause."

Bommers Vorbereitung auf den Freitagshit im Erzgebirge hat längst begonnen, und sicherheitshalber redet er nicht nur die eigenen Stammspieler stark - sondern den Gegner auch ein klein wenig schwächer, als dieser zuletzt erschien. "Ich weiß, dass es schwer wird, ich weiß, dass es ein Hexenkessel wird, ich weiß aber auch, dass wir besser sind als die." Bommer kennt Aue noch vom vergangenen Jahr, und da sein privates Videogerät nach wie vor funktioniert, konnte er nach Ansicht der Bilder vom 5:1-Erfolg der Thüringer beruhigt mitteilen: "Die fünf Tore täuschen."

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