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"Kioyo, wir danken dir!"

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- München - Der Freitagabend war wohl zu viel für Francis Kioyo, den stolzen Kameruner (Ex-)Löwen. Als der Einwechselstürmer in den Schlussminuten helfen sollte, den 2:0-Sieg gegen Trier unter Dach und Fach zu bringen, erklangen sie wieder, die bitterbösen Gesänge aus den Fanblöcken. "Kioyo, o-ho", schallte es aus der Westkurve, einige stimmten sogar den gar nicht mal ironisch gemeinten Choral an: "Kioyo, wir danken dir!" Hintergrund: Der schlaksige 1860-Stürmer hatte mit seinem verschossenen Strafstoß gegen Hertha im vorletzten Bundesligaspiel den Abstieg - und damit die Rückkehr ins allseits geliebte Grünwalder Stadion begünstigt.

Kioyo (24), dem dieses traumatische Erlebnis sehr nahe gegangen war, hatte seither vergeblich auf die Chance zur Wiedergutmachung gewartet - und verlor nach seinem Kurzeinsatz am Freitag endgültig die Nerven. "Auf acht Minuten hab' ich keinen Bock", soll er Trainer Rudi Bommer angeschnauzt haben. Ein berechnender Wutanfall? Gut möglich. Kioyos Berater saß zufällig auf der Tribüne, und so konnte man im Schnellverfahren dafür sorgen, dass keine einzige frustrierende Minute mehr hinzukommen wird. Beide Parteien setzten sich zusammen und bereiteten der von Anfang an komplizierten Liaison ein Ende: Kioyo, der Unzufriedene, wechselt auf Leihbasis zu Rot-Weiß Essen.

Stellt sich bloß die Frage: Wer soll die Löwen eigentlich zum Aufstieg schießen? Von der einst stattlichen Abteilung Attacke ist nach den Abgängen von Lauth, Schroth und Kioyo nur Paul Agostino übrig geblieben, einziger nomineller Stürmer im 1860-Kader neben dem Australier ist der 21-jährige Emmanuel Krontiris. Michal Kolomaznik, dreimaliger Torschütze in den ersten drei Ligaspielen, ist nämlich gar kein gelernter Angreifer, sondern offensiver Mittelfeldspieler - genauso übrigens wie der Südafrikaner Lance Davids.

Ein glückloser Agostino, ein Nachwuchsstürmer und zwei umgebaute Spielmacher - nicht gerade zum Fürchten, dieser Angriff. Rudi Bommer indes sieht die Sache gelassen. Er trauert dem nur in Testspielen auftrumpfenden Kioyo ("Gegen Grafing treffe ich auch noch") nicht sonderlich nach - auch weil dieser versucht haben soll, Ersatzbank-Nebensitzer Ojigwe "auf seine Seite zu ziehen". Bei der Suche nach einer neuen Nummer 9 will sich der Coach nun keinen Stress machen. Der Last-Minute-Transfer von Tomislav Maric scheiterte, weil Bommer "Bauchschmerzen" hatte wegen dessen mehrfach operiertem Knie. Die Hoffnung nun: Vertragslose In- und Ausländer dürfen auch nach dem 31. August transferiert werden. "Vielleicht geht in diese Richtung noch was", sagt Bommer, "wir haben ja Zeit."

Vielleicht spielt der Zufall den Löwen ja wieder ein Schnäppchen zu, so wie beim Tschechen Kolomaznik. Ex-Trainer Karsten Wettberg hatte den in Regensburg zwischengelandeten Nationalspieler empfohlen (3 Einsätze bis Sommer 2002), Bommer sich im Mallorca-Urlaub mit Vermittler Roger Wittmann getroffen - schon war der Nachfolger für Benny Lauth im Trikot mit der Nummer 11 gefunden. Ein Glücksgriff, wenn man bedenkt, dass der 28-Jährige nur 150 000 Euro Ablöse gekostet hat.

Kioyo kam zwar seinerzeit umsonst, doch dummerweise blieb seine Bilanz ähnlich bescheiden: 26 Einsätze, 2 Tore, ein verschossener Elfmeter. Angst, dass sich der künftige Essener schon im November für die Schmähgesänge der Fans rächen wird, braucht 1860 übrigens nicht zu haben. Bommer bestand auf einer Klausel, dass Kioyo beim ersten Wiedersehen gesperrt ist: "Sicher ist sicher."

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