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Kommentar zum 1860-Neustart: Investor will’s wissen

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Von: Uli Kellner

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„To the top“: Hasan Ismaik und Vítor Pereira wollen 1860 gemeinsam nach oben bringen.
„To the top“: Hasan Ismaik und Vítor Pereira wollen 1860 gemeinsam nach oben bringen. © dpa

München - Man kann Hasan Ismaik vieles vorwerfen, nur eines nicht: Dass er neuerdings nicht alles versucht, um den Erfolg auch finanziell zu erzwingen.

Im Fanshop des TSV 1860 hat der Winterschlussverkauf begonnen. Altgediente Profis wie Daniel Adlung präsentieren Hoodies, Sweathosen und Steppwesten zum „Sonderpreis“, teils 30 Prozent ermäßigt. Eine halbe Saison liegt hinter den Löwen, eine halbe noch vor ihnen. Platz muss geschaffen werden für Neues. Weiterhin wartet der Fan ja auf ersehnte Textilien wie das „Erfolgsshirt“ (kurzfristig) oder den „Aufstiegsschal“ (perspektivisch). Wer aber trotz aller Wirren tapfer genug ist, um mit 1860-Logo durch die Welt zu laufen, der kann in den nächsten Tagen ein Schnäppchen machen.

Das Gegenteil von Schnäppchen ist dagegen das, was sich der Investor des Vereins seit einiger Zeit leistet. Gerade erst hat Hasan Ismaik mit Thomas Eichin und Kosta Runjaic zwei Männer freigestellt, die noch im Sommer sein Vertrauen genossen, langfristige Verträge erhielten und teure Mitarbeiter mitbrachten. Auch Erstligaprofis wie Aigner und Olic wurden mit Ismaik-Millionen angelockt. Jetzt lässt er die nächste Millionen-Investition auf die Zweitliga-Konkurrenz los: einen international erprobten Trainer, der sich bei einigen seiner Stationen durchaus bewährt hat. Zwei Millionen Euro soll Heißmacher Pereira pro Jahr kassieren. Hinzu kommen drei Co-Trainer, die gestern mit ihm Premiere feierten.

Man kann diesem Ismaik vieles vorwerfen, nur eines nicht: Dass er neuerdings nicht alles versucht, um den Erfolg auch finanziell zu erzwingen. Nach etlichen Flops made in Germany soll nun ein Hoffnungsträger aus dem Ausland sein ambitioniertes Projekt befeuern. Ein einstelliger Tabellenplatz ist das Ziel für die Rückrunde. Nächste Saison bereits soll es dann nach oben gehen. „To the top“, wie Pereira vollmundig ankündete. „Ich werde erst Ruhe geben, wenn wir wieder in der Bundesliga spielen und das Derby gegen den FC Bayern erleben dürfen“, präzisierte Ismaik im AZ-Interview. Bei früheren Wortmeldungen hatte der Investor auch schon mal von der Champions League gesprochen.

Solche Sätze kommen natürlich an. Aus Sicht vieler Fans ist Ismaik ein Erlöser. Für andere ist er zumindest die letzte Hoffnung. Weitere 100 Millionen an Investitionen hat er dem Verein in Aussicht gestellt. Den internen Widerstand gegen seine dominante Art hat er längst gebrochen, externen gibt es offenbar nicht. Es ist eine erkaufte Ruhe. Wer nicht für ihn ist, der schweigt (wie die Ultras) – oder wendet sich ab. Konsens im Verein ist, dass der Weg mit Ismaik inzwischen alternativlos ist.

Unbestritten ist auch, dass auf Pereira viel Arbeit zukommt, um Ismaiks finanzielle Vorlage wie gewünscht zu verwandeln. Noch wartet er auf die angekündigten Neuzugänge, noch werden im Fanshop die alten Namen auf die alten Trikots gedruckt. Gesichert dürfte dagegen sein, dass der polarisierende Geldgeber Teil der Löwen-Geschichte bleibt. Wer plötzlich so hemmungslos investiert, der muss es jetzt auch durchziehen. Bis zum angekündigten Erfolg. Oder bis zum bitteren Ende.

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