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Kommentar zur 1860-Relegation: Parallelen zu Wolfsburg

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Von: Ludwig Krammer

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© Michael Westermann

In seinem Kommentar zur Relegation zieht tz-Redakteur Ludwig Krammer den Vergleich zwischen dem TSV 1860 und dem VfL Wolfsburg. Beide müssen nachsitzen.

München - Nervenprobe nicht bestanden, Entscheidung vertagt. Die letzte Hoffnung des TSV 1860 hängt nun an zwei Relegationsspielen gegen Jahn Regensburg. Anders als der große Geistesbruder aus Hamburg haben die Sechziger die Teilnahme an der Saisonverlängerung am letzten Spieltag nicht abwenden können. Und so drängen sich statt zum HSV nun halt die Parallelen zu einer anderen Geldverbrennungsanlage aus dem Norden auf: zum VfL Wolfsburg, der es geschafft hat, den VW-Skandal konsequent auf den Fußballplatz zu übertragen.

Tricksen, tarnen, tölpeln – mit diesem Mix aus Dreistigkeit und Unvermögen lassen sich Unternehmen jeder Art an die Wand fahren, ganz gleich ob das Produkt vier Räder oder 22 Beine hat. Die Gelackmeierten sind am Ende die Fans und Kunden, die sich als Dank für ihre Markentreue auch noch verspotten lassen müssen. Großen Investitionen und Sprüchen folgten bei VW und HI Enttäuschungen und Peinlichkeiten; in Wolfsburg wähnte man sich nach der Vizemeisterschaft vor zwei Jahren auf dem besten Weg zum Bayern-Konkurrenten, jetzt droht im Derby gegen Braunschweig der Sturz in die Zweitklassigkeit. Beim TSV 1860 lieh Investor Hasan Ismaik seiner Fußballfirma vor dieser Saison mehr Geld denn je, um nun mit wackligen Knien nach Regensburg zu reisen (falls es der Terminkalender zulässt).

Man sei viel zu gut, um abzusteigen, hieß es bis vor wenigen Wochen noch in beiden Lagern. Elementartugenden des Fußballs wurden in konsequenter Verkennung der Tatsachen als Beiwerk abgetan. Auf dem Rasen sah es oft so aus, als wollten beide Mannschaften über das Spiel zum Kampf finden – mit bekanntem Ausgang.

Nun soll auf den letzten Metern korrigiert werden, was 34 Spieltage lang in die falsche Richtung lief. Ein Fegefeuer für die Eitlen ohne Garantie auf ein Happy End. Die Sympathien der neutralen Beobachter werden von Donnerstag bis Dienstag größtenteils den Underdogs gehören. Für Wolf und Löwe geht’s darum, aus Mitleid kein Beileid werden zu lassen.

Alle Infos und Termine zur Relegation finden Sie hier. 

Von Ludwig Krammer

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