Kontrakt mit Signalwirkung

- Durch die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft sind die Zeiten längst vorbei, als die Frauen-Fußballerinnen noch um Anerkennung kämpfen mussten. Doch national gibt es noch ein starkes Nord-Süd-Gefälle, an die Zuschauerzahlen der Spitzenklubs aus Potsdam, Duisburg oder Frankfurt kommt beispielsweise der FC Bayern in der Bundesliga nicht heran.

Jetzt macht sich Münchens "zweite Frauen-Fußball-Kraft", der FFC Wacker auf den Weg, um mehr in den Blickpunkt zu rücken. Von der Kooperation mit dem TSV 1860 versprechen sich die Wacker-Frauen eine Signalwirkung.

Erst 1999 haben sich die Wacker-Frauen von dem einst so ruhmreichen Hauptverein getrennt. Die männlichen "Blausterne", über Jahrzehnte die dritte Münchner Fußball-Kraft hinter Bayern und 1860, erlebten eine unglaubliche Talfahrt bis in die A-Klasse und standen vor dem finanziellen Ruin. Um nicht in diesen Sog zu geraten, machten sich die Frauen unabhängig und gründeten den FFC Wacker 99.

Mittlerweile gibt es unter den 210 Mitgliedern 160 Aktive in acht Mannschaften. Die "Erste" hatte sich zuletzt für die Zweite Bundesliga qualifiziert. "Wir sind durch diese stürmische Entwicklung an den Rand unserer Kapazität geraten und brauchten, um weiter nach vorne zu kommen, einen starken Partner", so die Überlegungen der FFC-Vorsitzenden Christine Schmidt, die ihr Anliegen direkt dem TSV 1860 mitteilte. Bei den Löwen fand sie entsprechene Resonanz. "Die Kooperation sollte auch ein Zeichen sein, dass wir den Frauenfußball ernst nehmen", meinte Wolfgang Hauner, Löwen-Vizepräsident.

Jetzt gilt es in erster Linie, die Zusammenarbeit der beiden Zweitligisten mit Leben zu erfüllen. "Da sind wir sehr optimistisch, denn der TSV 1860 hat uns Hilfe zugesichert, wenn wir Probleme haben", sagt Schmidt. In den Bereichen Nachwuchsförderung, Vermarktung und Organisation sollen Schwerpunkte gesetzt werden, an eine Fusion wird aber nicht gedacht. Für die Wacker-Frauen gab es nach der Kooperation schon die ersten Erfolgserlebnisse. "Der TSV 1860 hat unsere Mannschaft zu einem Heimspiel in die Allianz-Arena eingeladen, der Stadionsprecher hat uns sogar begrüßt, das war eine tolle Sache", meinte Wacker-Sprecherin Fiona Lorenz, die sich auf speziellen Besuch freuen würde, "es wäre schön, wenn ein Profi des TSV 1860 zu unserem Heimspiele kommt und Autogramme gibt."

Noch stehen die Wacker-Mädchen in München ganz im Schatten der Bundesliga-Mannschaft des FC Bayern. "Unser Etat ist natürlich bescheiden, doch mit Hilfe des TSV 1860 hoffen wir auf bessere Zuschauerzahlen und auf noch mehr Zulauf an Spielerinnen", sagt Schmidt. Aktuell haben es die Schützlinge von Trainer Wilhelm Link, der früher beim TSV 1860 im Juniorenbereich arbeitete, nicht leicht, sich in der Zweiten Liga zu behaupten. Drei Leistungsträgerinnen sind derzeit in Amerika bei College-Teams unter Vertrag und es gibt eine lange Verletztenliste. Doch es herrscht Aufbruchstimmung in Untersendling. "Wir wollen uns als Neuling etablieren und mit Hilfe von 1860 unseren Bekanntheitsgrad steigern", lautet die Strategie von Christine Schmidt.

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