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Kopfschütteln über Steiners Pseudo-Rückzug

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Vier gewinnt? Gerhard Mayrhofer (2.v.l.) und seine möglichen Vizepräsidenten Erik Altmann, Peter Helfer, Heinz Schmidt (v.l.). Gemeinsam sah sich das Quartett in Zell am Ziller das 1:1 des TSV 1860 gegen Werder Bremen an. Foto: sampics © sampics / Stefan Matzke

München - Wieder mal Wirrungen bei den Löwen: Otto Steiner tritt zwar als Aufsichtsrat zurück, will aber als normales Ratsmitglied weitermachen. Die Wahl von Gerhard Mayrhofer zum Präsidenten ist gefährdet.

Und wieder ist der Wahlkampftrupp in voller Teamstärke zu einem Testspiel ausgerückt, diesmal sogar ausgestattet mit Fanschals – die gehören beim TSV 1860 seit Albrecht von Linde (2007 bis 08) zur Grundausstattung jedes Präsidenten. Kandidat Gerhard Mayrhofer, 51, und seine drei Mitstreiter – Heinz Schmidt, Peter Helfer, Erik Altmann – geben sich also alle Mühe, von der Basis gemocht zu werden. Noch allerdings ist höchst unsicher, ob das Quartett bei der Mitgliederversammlung am Sonntag (10.30 Uhr, Zenith) gewählt wird. Der Schachzug, den sich der Entdecker von Mayrhofer und Co., Otto Steiner, hat einfallen lassen, könnte sich als durchaus kontraproduktiv erweisen.

„Otto Steiner gibt Vorsitz des Verwaltungsrates ab.“ Diese Pressemitteilung, verschickt gestern Vormittag, gaukelte den Löwen-Fans das erhoffte Großreinemachen vor. In nächtlicher Sitzung hatte der Verwaltungsrat in der Nacht zum Mittwoch eine vermeintlich wegweisende Entscheidung getroffen. Buhmann Steiner weg – so liest es sich. Bei Lichte betrachtet kann von einem „echten Neuanfang“ (Originalzitat aus der Pressemitteilung) jedoch nicht die Rede sein. Steiner denkt gar nicht daran, seinen vielfach geforderten Rücktritt in die Tat umzusetzen. Im Gegenteil: Er tritt zwar als Chef des Verwaltungsrats zurück, will sich aber durch die Hintertür wieder einreihen und als normales Mitglied des Gremiums weitermachen.

Die Zitate, die mit dem Pressetext überliefert werden, klingen wie Hohn für jeden Fan, der wirklich von einer Runderneuerung träumt. „Ich gehe diesen Schritt, weil ich die Chance auf einen echten Neuanfang unterstützen möchte“, schreibt Steiner und lässt sogar ein Ausrufezeichen hinter diesen Einstiegssatz setzen. Weiter steht in seiner Rechtfertigung: „Durch meine Funktion als Vorsitzender und Sprecher (...) hat meine Person immer wieder polarisiert. Ich will ein Zeichen setzen, dass nicht einzelne Personen, sondern ausschließlich die Arbeit, der Erfolg und die Ruhe im Verein im Vordergrund stehen.“ Sein Entschluss weiterzumachen diene auch dazu, „kein Handlungs- und Machtvakuum entstehen zu lassen“.

Immer wieder Querelen bei 1860: Wer ist wer?

Hört sich edel an, doch ob die Mitglieder auf diesen Bauerntrick reinfallen? Geplant ist offenbar, dass Siegfried Schneider (Chef der BLM) den Vorsitz übernimmt. Jener Schneider, der auch den VW-Deal eingefädelt hat, der heute – taktisch clever – öffentlich präsentiert werden soll.

Die Stimmung beim Wahlvolk bleibt gespalten. „Ich bin diesmal wirklich ratlos“, sagt selbst Franz Hell, Mitglied und Fan seit den 60er-Jahren. „Ich weiß beim besten Willen nicht, was ich machen soll. Einerseits denkt man, es sollte jetzt mal Ruhe einkehren. Andererseits hat man Angst, dass es dann genauso weiterläuft wie bisher.“ Hell, der gut vernetzt ist, hat gehört, „dass viele ihn (Mayrhofer) nicht bestätigen werden“. Wobei, kommt es ihm in den Sinn: „Am Ende ist die Stimmung bierselig, es wird ein neues Stadion versprochen und alle stimmen wieder das 60er-Lied an.“ Auch zu Steiners Pseudo-Rückzug fällt ihm nur ein galliger Kommentar ein: „Mag sein, dass wir alle inzwischen ein bisschen verblödet sind, aber so blöd sind wir auch wieder nicht, dass uns nicht auffallen würde, dass er trotzdem weitermacht.“

Für den Fall, dass Mayrhofer durchfällt, hat Steiner schon vor Wochen seinen Rücktritt angekündigt – einen echten womöglich. Nur in diesem Fall wäre der Weg frei für Dieter Schneider oder Erich Meidert. Beide stünden als Übergangsführung sofort bereit. Man hört, dass die Ex-Funktionäre gar nicht mal so wenige Unterstützer hätten.

Uli Kellner

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