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Kurz vor dem Aus - Stevic vor der Tür

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München - Philipp Tschauner ist zwar erst 22 Jahre alt, doch nach zwei Spielzeiten beim TSV 1860 lange genug im Geschäft, um sportliche Krisensituationen realistisch einordnen zu können.

Nach dem 0:2 seiner Löwen gegen Freiburg sprach der Torhüter von einer "beschämenden Leistung" und orakelte: "So kann’s nicht weitergehen." Damit hat Tschauner ins Schwarze getroffen. Was der junge Franke nicht ahnen konnte, ist das Ausmaß an Änderungen, das auf seinen Verein zukommt: Es zeichnet sich ab, dass Marco Kurz heute seine letzte Einheit als Cheftrainer leiten und Stefan Reuter letztmals als Alleinherrscher der Profiabteilung zur Geschäftsstelle fahren wird.

Seine bislang weitreichenden Kompetenzen wird sich Reuter ab sofort teilen müssen - mit: Miroslav Stevic (39). Der Ex-Profi soll Reuter nicht nur als Sportdirektor ablösen, sondern auch seine von Verhandlungen im vergangenen Sommer bekannte Investorengruppe einbringen. Für 20 Prozent der KGaA-Anteile ist diese angeblich bereit, 5 Millionen Euro in die chronisch leeren Vereinskassen zu pumpen. Und Reuter? Der bisherige Vorstandsvorsitzende hat das Angebot, Geschäftsführer zu bleiben. Kurz dagegen könnte durch einen erfahrenen Mann ersetzt werden. Im Gespräch: Klaus Augenthaler.

Der Reihe nach. Nach der vierten Heimniederlage der Saison, dem 14. nicht gewonnenen Arena-Auftritt in den letzten 12 Monaten (von 18), zogen sich Präsident Rainer Beeck, Vize Franz Maget und Reuter zu einer Krisensitzung zurück. Der wegweisendste Beschluss war jedoch bereits auf der letzten Aufsichtsratssitzung Mitte Januar abgesegnet worden: das Ja zu Stevic und dessen Millionen - sowie das Jein zu Reuter.

Das dreiköpfige Präsidium ist inzwischen einhellig zur Auffassung gelangt, dass Reuter als Sportdirektor nicht die Idealbesetzung ist. Als Geschäftsführer und Sponsorenbetreuer darf der Weltmeister gerne bleiben - allerdings auch nicht mehr zu dem weltmeisterlichen Salär, das er gewohnt ist (nicht dementierte 350 000 Euro im Jahr). Ob Reuter diesen Macht- und Gesichtsverlust akzeptieren wird, steht noch nicht fest. Reuter will sich dazu erst im Verlaufe der Woche äußern.

Unabhängig von diesem Machtwechsel ist die bevorstehende Änderung auf der Trainerbank zu betrachten. Die Dynamik in dieser Angelegenheit hat sich erst durch das blamable Auftreten gegen Freiburg ergeben. Kurz selber sprach von einer "ungenügenden Gesamtleistung", was der Schulnote "6" entspricht. Seine Mannschaft, so Kurz, sei "nicht lebendig" gewesen - eine Formulierung die man normalerweise in der Pathologie hört. Allgemeiner Eindruck: Der Trainer ist mit seinem Latein am Ende. Auf die Frage, ob er noch von sich und seinem Schaffen überzeugt sei, antwortete er: "Ich glaube schon." Die Führung ist da eher skeptisch.

Umso reizvoller der gehandelte Name Augenthaler. Fest steht zwar noch nichts, doch der frühere Bayern-Profi und arbeitslose Coach deutete in seiner neuen Funktion als Radio-Experte an, dass er sich nicht gegen ein Angebot der Blauen sträuben würde. Praktischerweise wohnt er ganz in der Nähe: in Baldham.

Fakt ist: Den Löwen geht es wieder mal richtig dreckig. Sportlich auf dem Boden - wirtschaftlich ebenfalls. Nachdem der erhoffte Millionencoup im Pokal ausblieb, braucht der Verein dringend frisches Geld. Stevic bringt es nun mit. Nicht allzu viel zwar, doch die Löwen, die mit weniger Fernseh- und Zuschauereinnahmen rechnen, können in der momentanen Lage keine Ansprüche stellen. Hinzu kommt: Das Vertrauen in das Duo Reuter/Kurz ist erschöpft. Fest steht aber auch: Es ist ein teuer erkaufter Umsturz.

Uli Kellner

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