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Lauth macht den Unterschied

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- München - Benjamin Lauth und seine Kollegen haben bis zum Schluss nicht restlos aufklären können, was es mit all den Abmachungen auf sich hatte, die vor dem Spiel beim TSV 1860 getroffen wurden. Nur zögerlich erwähnte Gerhard Poschner ein Geflecht aus "Wetten und Querwetten", an der sich mehrere Kollegen beteiligt hätten, darunter auch Lauth. An den Nationalspieler ging der Hauptpreis, ein Abendessen, weil er beim 2:1 (2:1) über den 1. FC Kaiserslautern doppelt traf. Bei der Einlösung wird Lauth "aufpassen, dass es auch schön teuer wird".

So gesehen gibt es bei den Münchnern "Verlierer und Gewinner", wie Neu-Löwe Poschner anmerkte, "aber am Ende haben wir ja alle gewonnen". Dank des herausragenden Stürmers beendeten die Gastgeber ihren in jeder Hinsicht aufreibenden Arbeitstag in einem Gefühl der Erlösung, und die Geschichte mit der Wette war eine angemessene Pointe. "Der Unterschied war Benny Lauth", urteilte Falko Götz.

Der zweifache Torschütze gab nicht nur den Ausschlag zwischen Siegern und Besiegten. Er war auch der Hauptverantwortliche dafür, dass eine zerfahrene, konfuse Partie ein paar lichte Momente hatte. Während beide Abwehrreihen demonstrierten, wie sehr man bereits am 18. Spieltag unter den Härten des Abstiegskampfes leiden kann, flitzte Lauth scheinbar unbeeindruckt über den Platz, bot hinreißende Soli und war an jeder spektakulären Aktion der Löwen beteiligt. Zusätzlich zu den beiden Treffern (18., 39.) hätte er einen dritten und vierten nachlegen können. Doch beim einen Versuch hielt er sich nach Körperkontakt mit FCK-Schlussmann Tim Wiese mit Mühe auf den Beinen und vergab, "weil ich unbedingt das Tor machen wollte", statt auf Elfmeter zu spekulieren. Später traf er aus spitzem Winkel noch den Pfosten und haderte anschließend mit "Pech und Unvermögen".

So viel Selbstkritik hätte dann doch nicht sein müssen. Auch mit nur zwei Toren hat Lauth (22) in seinem 50. Bundesligaspiel den Trainer schwer beeindruckt. "Er hat gezeigt, was für ein großer Individualist er ist", lobte Götz den Musterschüler, der nach durchwachsener Vorrunde genau zum richtigen Zeitpunkt in Schwung kommt. Die EM in Portugal wäre sein erstes großes Turnier, und der Samstag lieferte die ersten beiden Argumente in der viermonatigen Bewerbungsphase. "Letztlich", ahnt Lauth, "liegt es nur an mir."

Den Boden, den er in der Vorrunde verloren hat, beginnt er seit Samstag wieder gut zu machen, auch wenn der Unterschied zu Miroslav Klose trotz der Tore nicht allzu groß war. Zurecht wies Lauth darauf hin, dass "der Miro auch sehr gut gespielt" habe. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie sich der DFB-Kollege an diesem Tag fühlte. Wenn von den Mitspielern keine Unterstützung kommt, muss man sich allein durchschlagen. Das ist oft frustrierend, aber manchmal auch eine Genugtuung wie am Samstag. "Das Beste, was einem passieren kann" erlebte Lauth da. Dasselbe gilt natürlich auch für 1860.

Seiner prominenten Rolle im Löwen-Kader scheint sich ihr einziger deutscher Nationalspieler zunehmend bewusst zu werden. Lauth übernahm nicht nur Verantwortung und riss die Mannschaft mit, wie sein Trainer es im Winter eingefordert hatte. Er gab auch seinen bekanntesten Kritikern ein deutliches Kontra. Angesprochen auf diverse Nadelstiche, die Karl-Heinz Wildmoser senior und junior im Herbst gesetzt hatten, entgegnete Lauth: "Die Einzigen, die mir was zu sagen haben, sind der Trainerstab, die Mitspieler und mein Dad." Nur ihre Worte lässt er als Hilfestellung gelten. Aber, schloss Lauth in Richtung Präsidium, "sagen wir einfach, sie hätten was erreicht. Dann sind alle zufrieden." Sprach's und verschwand in den VIP-Raum. Noch ein freies Abendessen, das er sich verdient hat.

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